Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.2.2020

Vom Einkaufen, vom Warenkorb und der Freiheit, Gotteskind zu sein ...
Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrer Björn Sellin-Reschke

Ein steiler theologischer Satz – der Monatsspruch für den Februar!

Aus dem Korintherbrief, die Worte: "Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte." (1. Kor 7,23)

Eine theologische Herausforderung beim ersten Lesen!

Für viele Menschen ist es schließlich schon schwer genug, sich vorzustellen, dass sie von Gott geschaffen wurden. Die Idee: "Gott wollte mich" ... und: "Gott hat mich schon geliebt, ehe ich geboren wurde"... diese Idee übersteigt schon den Glaubenshorizont einer großen Zahl von Menschen.

Und nun setzt der Monatsspruch noch "eins drauf": vNun soll ich auch noch "erkauft" worden sein. Das heißt doch: Es muss einen Preis für mich gegeben haben. Jemand hat für mich bezahlt.

Aber wer hat diesen Kaufpreis eigentlich eingestrichen – und wofür wurde er genau ausgegeben?

Da schwingt eine Menge von Fragen mit! Schwere Theologie eben!

Aber dann führe ich mir vor Augen, wie es ist, wenn ich selbst einkaufen gehe. Das ist nun wirklich nicht schwer – und dafür brauche ich auch kein theologisches Vorwissen! Da lege ich in meinen Warenkorb, was ich gerne haben möchte. Es wandert in den virtuellen Warenkorb, wenn ich im Internet einkaufe, oder eben: in den Einkaufswagen, den ich vor mir herschiebe: das Buch, der Salatkopf, die Fertigpizza!

Was auch immer es ist. Beim Einkaufen will ich etwas haben und ich möchte, dass es mir gehört. Mit dem Bezahlen wechselt der Besitzer.

"Drei, zwei, eins – meins!"

Und genau darum geht es dem Paulus in seinem Satz: "Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte!"

Paulus macht mit diesem Satz deutlich, zu wem wir gehören und wer mich bei sich haben will:

Wir gehören zu Christus! In seinen Augen sind wir wertvoll – in seinen Augen sind wir wichtig! Ihm wäre es ein Graus, wenn jemand anderes – ein Mensch oder eine Macht – uns behandelt, als wären wir deren Besitz und als könne man uns in einen x-beliebigen "Warenkorb" legen. Nicht auszudenken wäre es für Jesus, wenn wir womöglich als "Schnäppchen" gehandelt würden.

Wir gehören zu Christus, weil er uns bei sich haben will. Und: weil wir in seinen Augen so kostbar sind!

Und das Besondere: Ob ich nun ein Topmanager bin oder von Hartz IV lebe, ob ich jung und dynamisch an die Arbeit gehe oder meine nachlassende Gesundheit mir Grenzen setzt, ob ich einen Doktortitel trage oder mich schon das kleine Einmaleins quält! Für Jesus spielt das keine Rolle!

Er sieht uns alle mit den gleichen Augen an!

Deshalb sollen wir nicht der Menschen Knechte werden, d.h.:

Wir sollen die weltlichen und allzu-menschlichen Kategorien aus unseren Köpfen bekommen:

das Leistungsdenken z.B., mit dem wir Menschen so oft trennen in gut und schlecht – nur, weil der eine mehr und der andere weniger kann.

Auch der Ausdruck "Humankapital", durch den abgeschätzt wird, was eine Frau oder ein Mann im weiteren Leben erwirtschaften wird, passt nicht in das christliche Menschenbild.

"Ihr seid teuer erkauft", d.h.: ihr seid durch Jesus losgekauft aus diesen Gesetzen, die in der Welt gelten.

In dieser Weise losgekauft zu sein, bedeutet: frei zu sein! Frei, um sich als Gotteskind zu fühlen und sich in diesem Blick Gottes als wertvoll zu erkennen.

Wie gut tut diese Zusage! Sie durchbricht die Logik, die mir an vielen Stellen dieser Welt eingeimpft wird.

Aber dann entdecke ich schließlich auch, dass diese Zusage zugleich eine Aufgabe ist!

Denn was ich für mich selbst wünsche, muss ich auch anderen gönnen! Ich kann es nicht auf mich allein beziehen!

"Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte ..."

Das ist auch ein Einspruch gegen die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte.

Es ist ein Statement, mit dem mir nicht egal sein kann, dass Frauen in Zwangsprostitution leben oder Osteuropäer bei lebendigem Leibe ihre Organe zur Transplantation verkaufen.

Wie viele von Jesus "losgekaufte Gotteskinder" sehe ich jeden Tag auf der Straße oder in den U-Bahnen, die um ein paar Cents bitten, weil sie sonst keinen Lebensunterhalt haben.

Ganz zu schweigen von den Menschen, die sich nach wie vor auf der Flucht befinden und die nirgendwo richtig ankommen.

"Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte ..."

Jesus sieht uns alle mit den gleichen liebenden Augen an!

Und mit welchen Augen schaue ich auf die Welt?

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Björn Sellin-Reschke

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