Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.1.2020

Zum Tod von Jürgen Bischof

von E-Mail

Längst hätte er den Ruhestand genießen können. Er hätte Tomaten züchten können auf seinem alten Bauernhof in Brandenburg oder auf einem Segelschiff in irgendeinem dieser wunderbaren Häfen rund um das Mittelmeer den Sonnenuntergang genießen können.

Mit 73 Jahren war die Zeit dafür lange gekommen. Man sah ihm das Alter nicht an. Sein volles Haar war grau geworden mit den Jahren, aber um die Fülle seiner Haarpracht mögen ihn manche Weggefährten beneidet haben, deren Geheimratsecken bereits in jüngeren Jahren deutlich ausgeprägter sind.

Statt das Leben in vollen Zügen zu genießen, war er immer noch im Gemeindezentrum in der Celsiusstraße in "seinem" Bus-Stop e.V. aktiv. In diesem baufälligen Gemeindehaus, das seine Zeit längst überlebt hatte, verbrachte er immer noch Stunde um Stunde, organisierte, telefonierte, knüpfte Fäden wie er es seit Jahren in der "Thermo" tat. Seit jenen Zeiten, als er mit seinem alten Büchereibus dort als Streetworker auftauchte und sich in 20 Jahren sozialer Arbeit vor Ort ein hohes Ansehen erworben hat. Seine Mentoring-Programme wurden ausgezeichnet, er war ein gesuchter Gesprächspartner dort im Kiez. Und für viele Jugendliche, deren Lebensweg oft auf der Kippe stand, war er nicht selten Vaterersatz. Das Fernsehen drehte dort Dokumentationen über seine Arbeit. Viele klopften ihm auf die Schulter, viele wollten gerne mit aufs Foto. Manchmal hat ihn das auch frustriert. Vor allem, wenn für seine Arbeit dabei nichts herauskam und er um jeden Euro betteln musste. Der Weg durch die Ebenen der Bürokratie war oft mühsam, und er war dankbar, wenn er nicht nur warme Worte erhielt, sondern handfeste Hilfe. Im letzten Jahr hat er das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten, überreicht durch Staatssekretär Dzembritzki. Es ist nur ein Stück Metall mit etwas Stoff dran. Aber es hat ihn stolz gemacht und es war eine späte Anerkennung für sein Lebenswerk.

Seit Jahren plante er mit uns ein neues Gemeindehaus. Gemeinsam überlegten wir, wie groß es sein muss, wer dort einen Ort finden kann und soll und wie sich die Arbeit mit vielen tausend Menschen mehr in diesem Siedlungsraum verändern wird. Oft hat ihm dieses ganze Planen zu lange gedauert. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er schon längst mit dem Bau begonnen. In den letzten Gesprächen, ging es ihm schon ganz konkret um die Frage, wo die Übergangscontainer hinkommen. Längst hatte er schon wieder Kontakte hergestellt.

Wer ihn aber in diesen letzten Wochen erlebt hat, konnte sehen, wie schwer ihm vieles fiel. Und man konnte ahnen: er wird dieses neue Gemeindehaus nicht mehr erleben. Er wird uns fehlen! Nicht jede Lücke, die ein Mensch hinterlässt, wird geschlossen.

Pfarrer Michael Busch

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