Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.12.2019

Atempause
Der theologische Artikel

von Pfarrer Roland Wicher


Friedensreich (Peaceable Kingdom), Edward Hicks, um 1834 – Bild: gemeinfrei

Die schönsten Momente an Weihnachten sind die, bei denen Druck, Stress und Belastungen von uns abfallen, wir uns einfach freuen oder ruhig genießen, Schönes nachklingen lassen, durchatmen. Das gilt natürlich auch sonst, aber um die Feiertage herum sind wir empfänglicher und empfindlicher. Atempausen, Atemholen. Ruhe finden. Die Menschen haben ein großes Bedürfnis nach solcher Ruhe, nach innerem Frieden. Meditationsangebote sind sehr beliebt.

Menschen suchen nach Ruhe und Frieden, während die Verhältnisse in der Welt unruhiger werden, schon im eigenen Umkreis, spätestens aber wenn wir darüber hinaus auf die Gesellschaft, die Weltpolitik, Krieg, Ökologie, Fluchtbewegungen, Rassismus und soziale Ungleichheit blicken. Viele Menschen sind in Unruhe.

Frieden meint nicht nur die Abwesenheit von Krieg. In der Bibel meint Gottes Frieden einen weltumspannenden, die Welt verwandelnden Vorgang. Ein Friedefürst wird kommen. Ein Reis aus dem Stamm Isais. Isai ist der Vater des späteren Königs David. Angekündigt wird hier also nicht ein Retter aus der Familie des Herrscherhauses. Bewußt wird der Vater genannt, der noch ein Hirte war, wie der junge David selbst auch. Königskritisch sind viele Details in der Bibel – hier auch. Könige machen viele Fehler, handeln aus Eigennutz und zum Machterhalt, üben Gewalt. Sie kommen nicht gut weg. Der Erlöser, den der Prophet ankündigt, kommt sozusagen aus einem anderen Zweig der Familie.

Auch sonst ist diese Verheißung der Ankunft eines Erlösers fein durchdacht. Er wird zwar richten, aber mit dem Schwert seines Mundes – also mit Worten, nicht mit Strafmaßnahmen. Vor allem mündet die Verheißung in ein Bild des weltumspannenden Friedens, der alle Geschöpfe umfasst. Wilde Tiere und Kinder werden zusammen spielen. "Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten." Während der junge David als Hirte noch mit der Steinschleuder auf die Weide geht, um die Schafe vor wilden Löwen zu beschützen, später gar Goliath damit niederstreckt, braucht es das hier nicht. Löwen fressen Gras, und die Schlangen sind nicht mehr gefährlich. Kinder können die Hand nach ihnen ausstrecken, denn sie sind gezähmt.

Im Rahmen der Friedensdekade hat Helmut Ruppel mit uns diesen Text betrachtet. "Friedensklima" war der Titel in diesem Jahr, und Menschen aus der Gemeinde haben sich in verschiedenen Veranstaltungen mit Friedensthemen befasst, die Beschäftigung mit Jesaia bündelte dabei vieles.

Mit der biblischen Verheißung eines Erlösers verbindet sich also eine gewaltige Hoffnung. Mehr geht nicht. Alles ist gut – und zwar wirklich, nicht nur als Floskel gemeint. Die Bilder des Weihnachtsfests strahlen solchen Frieden aus.

Das Kind in der Krippe, der freudige Besuch der Hirten, die Ruhe, die Maria empfindet. "Und sie bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen." Das Weihnachtsfest mag uns Momente der Ruhe bescheren. Das sei allen gewünscht und gegönnt. Sie sind Atempausen, die vorgreifen auf den großen Frieden, der uns verheißen ist. Diese Bilder enthalten auch eine Korrektur, eine Kritik an unseren Verhältnissen, ermutigen uns, für Frieden einzustehen, in unseren persönlichen Beziehungen und in der Welt. Der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,

Ihr Pfarrer Roland Wicher

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