Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Gespräch mit Wolfgang Bramböck

Reiner Kolodziej


Foto: Reiner Kolodziej

Unsere Gesprächreihe setzt sich fort. Diesmal führen wir ein Gespräch mit Wolfgang Bramböck, einer der Jahrzehnte das Gemeindeleben begleitet und mitgestaltet hat.

Reiner Kolodziej: Lieber Wolfgang, du bist ja ein echter "Oldie", denn es sind wohl mittlerweile Jahrzehnte, die du aktiv unsere Gemeinde mitgestaltest. So meine erste Frage:
Wann und unter welchen Umständen bist du zu unserer Gemeinde gekommen?

Wolfgang Bramböck: Meine Mutter ist in der Kriegszeit hier zu ihrer Schwester gezogen, da ihre Wohnung durch einen Bombenangrif zerstört wurde. Meine Eltern heirateten hier im Gemeindehaus Parallelstraße und ich wurde auch hier von Pfarrer Balzer getauft. Mein Vater bekam keine Zuzugsgenehmigung, so musste meine Mutter mit mir in den Französischen Sektor Berlins ziehen. Wir waren oft zu Besuch bei meinen Verwandten, so war mir Lichterfelde sehr vertraut. Im Frühjahr 1979 sind wir, Heidi und ich, mit unseren Kindern, Claudia, Manuel und Anja hier in den Zeisigweg gezogen. Durch die Teilnahme am Familiengottesdienst waren wir sehr schnell in der Gemeinde integriert.

R.K.: Wenn der Name Wolfgang Bramböck fällt, verbinde ich das spontan mit Gemeindebeirat, Kirchdienst, Kinderbibelwochen, Schmalzstullentheater, Bühnenbauer, Erntedankfrühstück mit deiner alten Schule ... Habe ich da etwas ausgelassen?

W.B.: Ja, die vielen Krippenspiele für die Heiligabend-Familiengottesdienste und die Kindertheatergruppenarbeit, das hat sehr viel Freude gebracht. Das Angebot der Kurzandachten habe ich von Anfang an mitgestaltet. Anne Goerke hatte in ihren Unterlagen festgestellt, dass ich die erste Andacht gestaltet habe. Diese Mahnwache, die für Toleranz eintrat und sich gegen Fremdenfeindlichkeit wehrte, nahm damals Bezug auf aktuelle Situationen in der Stadt. Leider ist dieses Thema aktueller geworden in unserer Gesellschaft. Als Mitglied des Gemeindekirchenrats hatte ich mich für die Bildung eines Kitaausschusses in unserer Kita Petrusheim eingesetzt Daraus wurde dann ein Ausschuss mit der Kitaleitung, einer Erzieherin, zwei Elternvertretern und zwei GKR-Mitgliedern. Es gibt noch so diverse kleine Arbeitsbereiche, in denen ich je nach Situation länger oder kurzfristig mitwirkte. In der Bibel steht das Wort: Alles hat seine Zeit.

R.K.: Was gefällt dir besonders in unserer Gemeinde und wo wünschst du dir Veränderungen?

W.B.: Es gefällt mir das breite Angebot in unserer Gemeinde. Von der Kulturarbeit bis hin zur Arbeit von Laib & Seele und der Begleitung von Flüchtlingen. Hier wird die christliche soziale Verantwortung gelebt. Das ist Nachfolge Jesu. Ohne das große Engagement der vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das nicht möglich. Ein großes Dankeschön. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, das Gemeindezentrum in der Celsiusstraße neu zu bauen und mit neuen Ideen die bestehende Arbeit zu erweitern für die Menschen in diesem Wohngebiet. Es ist einfach schön, mit Menschen neue Wege zu gehen.

R.K.: Vor drei Jahren bist du als Vorsitzender des Gemeindebeirats gewählt worden. Dabei warst du aber schon von Anfang an. Erzähle doch ein wenig über den Gemeindebeirat.

W.B.: Vor 20 Jahren konnte man folgendes im Petrus Schlüssel lesen: "Gemeinsamer Gemeindebeirat Petrus–Giesensdorf. Am 10. Mai 1999 konstituierte sich auf vielfältigen Wunsch von Gemeindemitgliedern ein gemeinsamer Gemeindebeirat" … (2 Absätze weiter) "Als Vorsitzende stellten sich Herr Wolfgang Bramböck (Petrus) und Frau Hannelore von Büren-Rieder (Giesensdorf) zur Verfügung." Beide Gemeinden befanden sich auf dem Weg zur gemeinsamen Fusion. Da war der Gemeindebeirat sehr stark an den Diskussionen und Beschlüssen beteiligt. So folgte auch gleich eine erste gemeinsame Herausforderung. Es war das Fest 700 Jahre Giesensdorf, organisiert von Gisela Meyer. Es war ein tolles Fest, Danke Gisela. Diese Aufgabe hatte den Prozess des Zusammenwachsens gefördert.

Die Vertreter der bestehenden Gruppen bringen Vorschläge und Wünsche der Gruppen ein, die sich ergebenden Beschlüsse werden dann dem GKR vorgelegt. Bei wichtigen Beschlüssen ist der Beirat in der Pflicht, dem GKR eine Beschlussempfehlung zu geben. Zum Beispiel bei der Besetzung einer Pfarrstelle oder als die Gemeindehäuser renoviert und umgebaut wurden. Bei dem Vorhaben, ein neues GZ zu bauen, wird auch der Beirat Vorschläge dem GKR unterbreiten. Spannende Zeiten werden das.

R.K.: Neben deinen vielen ehrenamtlichen Aufgaben gibt es da auch noch Zeit für etwas, das ganz und gar nichts mit der Gemeinde zu tun hat und dir viel Spaß macht?

W.B.: Es ist schön, wenn wir mit unseren Enkelkindern zusammen sind. Gemeinsam spielen, erzählen und Ausflüge machen in Hessen oder hier in Berlin und Brandenburg. Es ist schön, seinen Morgenkaffee im Garten zu trinken und zu lesen. So spürt man etwas von Gottes schöner Schöpfung. Mit Freunden untschiedliche Dinge zu unternehmen oder im Garten zu grillen.

Foto: Reiner Kolodziej

R.K.: Nun noch eine sehr persönliche Frage, bei der ich nicht sicher bin, ob du sie beantworten möchtest.

Am 31. August jährt sich zum 29. Mal der tragische Unfall von Christoph-Manuel Bramböck. Euer Sohn war am 31. August 1990 gemeinsam mit einem Freund in Berlin-Marienfelde, Höhe Schichauweg, als Mauerspecht unterwegs. Die Mauer bestand in diesem Bereich – anders als im Zentrum Berlins " aus waagerecht übereinander befestigten Betonplatten. Beim Versuch, weiter oben Mauerteile abzuklopfen, löste sich eine der oberen Platten und erschlug den 14-jährigen Christoph-Manuel. Seit 2009 erinnert eine Gedenkstele, die von der Stiftung Berliner Mauer aufgestellt wurde, an Manuel.

Kannst du uns etwas von damals und auch von heute, fast 30 Jahre danach, erzählen?

W.B.: Dieser Unfall geschah zwei Monate nach Christoph-Manuels Konfirmation. Pfarrer Dr. Scherer stand uns mit Trost und vielen Gesprächen zur Seite. Besondere Unterstützung und liebevolle Begleitung haben wir in dieser schweren Zeit seitens der Gemeinde erfahren dürfen. Das war besonders deutlich zu sehen und zu spüren am Tag der Kurzandachten-Trauerfeier von Christoph-Manuel. Die große Petruskirche war voll mit Menschen, die ihn kannten und liebten, die Abschied nehmen wollten. Das hat sich tief in unser Gedächtnis und in unsere Herzen gebrannt. Mit der Konfirmandengruppe von Christoph-Manuel wurde ein Jahr nach seinem Tod ein Holzkreuz an der Unfallstelle aufgestellt.

20 Jahre nach dem Mauerfall wurde eine blaue Gedenkstele für unseren Sohn als Opfer der Mauer auf dem ehemaligen NVA-Streifen aufgestellt. Leider wurde diese Stele schon zwei Mal sehr beschädigt. Uns macht das fassungslos und traurig.

R.K.: Vielen Dank für dieses Gespräch. Vielen Dank auch für die persönlichen Gedanken, die du mit uns geteilt hast, und auch Danke für dein Engagement, das du unserer Gemeinde über die vielen Jahre gegeben hast.

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