ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juli/August 2019

22.7.2019

Gespräch mit Gisela Meyer

Reiner Kolodziej


Foto: Bernd Meyer

Wir wollen unseren "Schüssel"- Leserinnen und-Lesern mit dieser Gesprächsreihe Personen vorstellen, die seit vielen Jahren aktiv unser Gemeindeleben mitgestaltet haben. Unser erstes Gespräch führen wir mit Gisela Meyer.

Reiner Kolodziej: Gisela, wir beide haben uns vor gut 20 Jahren kennengelernt. Du hast die "Giesensdorfer 700-Jahrfeier" organisiert und ich befand mich am Beginn meiner Karriere als selbstständiger Grafiker und Layouter. So kamen wir zusammen und du hast mich mit der Gestaltung und dem Druck der "700-Jahrfeier-Broschüre" beauftragt. Bei sehr guter Zusammenarbeit brachten wir ein gelungenes, anspruchsvolles und vor allem ein informatives Heft zustande. Welche Erinnerungen hast Du an diese Zeit?

Gisela Meyer: Du hast recht, ich hatte die Organisation, und ich hatte als alteingesessene Giesensdorferin auch die Idee zur 700-Jahrfeier. Wir waren ein Team von Mitarbeitern unserer beiden, damals noch nicht fusionierten Gemeinden, von der Giesensdorfer Grundschule, vom Sportverein TuS Lichterfelde, vom Steglitzer Heimatverein und interessierten Gemeindemitgliedern und Bewohnern. Wir wollten vom 9. bis 19. September 1999 feiern, also ganze 11 Tage, und niemand von uns kannte sich im Event-Management aus. Dass wir trotzdem so ein tolles Programm mit einem Festgottesdienst, für den wir sogar Bischof Wolfgang Huber gewinnen konnten, einem zweitägigen großen Fest und vielen Veranstaltungen, die ich nicht alle aufzählen will, mit Konzerten, einem Dorfball, Vorträgen und Rundfahrten auf die Beine gestellt haben, erfüllt mich doch mit einem gewissen Stolz. Bei durchgehend gutem Wetter war das Interesse an den Veranstaltungen so groß, dass wir das Geld der Kulturförderung des Bezirks voll zurückzahlen konnten, und wir hatten sogar noch einen kleinen Überschuss. Durch das Fest haben viele Menschen in Lichterfelde Süd und besonders in Lichterfelde Ost erstmals erfahren, dass sie auf dem ursprünglichen Gebiet des alten Giesensdorfs leben.

R.K.: Welche Erinnerungen hast Du an Deine Anfangszeit in Giesensdorf?

G.M.: Im Herbst 1981 erfuhr ich durch Zufall, dass die Gemeinde dringend eine Vertretung für die erkrankte Gemeindeschwester suchte. Zuvor hatte ich eine Innere Intensivstation geleitet, ehe ich der Töchter wegen einige Jahre zuhause blieb. Bis zum Jahresende arbeitete ich hier als Vertretung und habe danach die Tätigkeit fast 30 Jahre ausgeübt. Das war zuerst eine ganz schöne Umstellung! Im Krankenhaus ist man nicht auf sich selbst gestellt und hat in der Regel alle Hilfsmittel zur Verfügung. Nun war ich in der Gemeindekrankenpflege auf mich allein gestellt und musste oft improvisieren, musste entscheiden, was für meine Patienten nötig und richtig war, musste neben der Pflege auch einkaufen, manchmal auch kochen und putzen; häufig den ganzen Alltag organisieren. Damals, vor knapp 40 Jahren, entstanden die ersten Sozialstationen, und das System der Pflege und der Versorgung mit Hilfsmitteln wie z.B. Rollstühlen und Krankenbetten war weit von dem entfernt, wie wir es heute kennen. Nach einiger Zeit war ich in die selbstständige Arbeit so hineingewachsen, dass ich nicht mehr hätte im Krankenhaus arbeiten wollen. Schon seit 1987 gehöre ich auch zum Reiseteam, dass unsere beliebte 14-tägige Seniorenreise organisiert und begleitet. Dass wir für dieses Jahr ein neues Quartier gefunden haben und damit die mindestens 60-jährige Tradition der Reisen fortführen können, erfreut mich sehr.

R.K.: Was gefällt Dir besonders in unserer Gemeinde und wo wünschst Du Dir Veränderungen.

G.M.: Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, und mir macht der Kontakt mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern Spaß. Meine Ideen und Sichtweisen kann ich einbringen und häufig auch umsetzen. Es wäre schön, wenn der Kontakt zwischen den Generationen stärker wäre, wenn jung von alt und Alt von Jung profitieren bzw. lernen könnten.

R.K.: Nach den Jahren Deiner hauptamtlichen Tätigkeit als Gemeindeschwester, bist Du jetzt 10 Jahre ehrenamtlich tätig. Welche Arbeiten füllen denn Dein Ehrenamt aus?

G.M.: Also eigentlich habe ich schon lange Zeit vor meiner Berentung ehrenamtlich im Seniorenarbeitsteam in allen Bereichen (siehe Seniorenarbeit im Dezember- "Schlüssel"!) mitgearbeitet. Das Organisieren von Ausflügen, egal ob mit den "Öffentlichen" oder einem Reisebus, macht mir besonders viel Freude und ist deshalb einer meiner Schwerpunkte. Häufig machen mich auch Gemeindemitglieder auf besondere Ausflugsziele aufmerksam, und ich habe selbst so viele Ideen, dass wir dann feststellen müssen, dass wir das in diesem Leben leider nicht mehr alles schaffen werden.

R.K.: Neben dem Ehrenamt hast Du ja noch eine andere Tätigkeit, dein Hobby mit der Rolltuchsammlung. Bis Du immer noch dabei?

G.M.: Natürlich, und nächstes Jahr gibt’s wieder eine Ausstellung in Finsterwalde.

Daneben führe ich an (fast) jedem dritten Sonntag im Monat von 14.00-17.00 Uhr durch die Ausstellung "Historische Waschtechnik" des Teltower Heimatmuseums in der Ritterstraße 14.

Ohne meine Arbeit als Gemeindeschwester wäre ich nie auf Rolltücher gekommen, und auch das andere Hobby, das Interesse an der Geschichte von Giesensdorf (Lichterfelde Süd), ist durch die 700-Jahrfeier entstanden.

Mit Ortsführungen, bebilderten Vorträgen und Artikeln im "Schlüssel" möchten wir (ein befreundetes Ehepaar und mein Mann) zeigen, wie es bei uns früher aussah und wie die Menschen früher hier gelebt haben. Besonders neuzugezogene Bewohner sind erstaunt, wieviel noch vom alten Dorf zu erkennen ist, wenn man genau hinschaut. Und für die Alteingesessenen werden die Bilder eine Reise in die Vergangenheit. Es wäre deshalb schön, wenn es eine aktualisierte Neuauflage der vergriffenen Chronik "700 Jahre Giesensdorf" gäbe.

Hier schließt sich der Kreis zu Deiner Eingangsfrage. Du bringst dich immer bei unseren Geburtstags- und Weihnachtsheften, all unseren Veröffentlichungen mit großem Engagement und interessanten Ideen ein. So könnten wir ja nach gut 20 Jahren eine neue Chronik auch wieder gemeinsam gestalten …

R.K.: Vielen Dank für Dein Engagement und für dieses Gespräch.