Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.9.2019

Gedanken zum Monatsspruch
Der theologische Artikel

von Pfarrer Roland Wicher


Bild: pixabay.com

Fühlen Sie sich erwählt? Einzigartig und so gewollt, wie sie sind? Dann sind Sie ein glücklicher Mensch. Es ist keiner wie du, es gibt keine andere, keinen anderen.

König David sagt das zu seinem Gott, und bekennt so, dass er Gottes Einzigkeit nicht nur anerkennt, sondern in einer tiefen Beziehung zu Gott lebt und leben will. Das tut er als König seines Volkes, vieler, einzelner Menschen. Das Bewusstsein, dass auch Könige nur Menschen sind, ist im Alten Testament sehr ausgeprägt. Umgekehrt sprechen hier ganz unterschiedliche Menschen, wir nehmen an den Geschichten von Viehhirten, Nomaden, Sklavinnen, Königinnen, Priestern, Maulbeerbauern und vielen anderen teil. Große und Kleine, sie haben Ihren Platz in Gottes Geschichte. Ja, dass die Mächtigen vom Thron fallen, Reiche vergehen, Arme aber aus dem Staub aufgehoben werden, gehört zu den zentralen Aussagen der Bibel, wenn es um Gesellschaft und Geschichte geht.

Gott wird von David erwählt, er bekennt sich, er drückt seine Beziehung zu Gott, dem Einen und Einzigen aus. Das geschieht aber, weil Gott zunächst David und das Volk Israel erwählt hat, jede und jeden einzeln. Das Bekenntnis und die Beziehung der Menschen ist eine Antwort.

Gott, der einzige, hat einen einzelnen Menschen erwählt. Das sieht man besonders deutlich in der Geschichte Jesu. Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen, spricht Gott. Der Geist ruht auf ihm, schwebt herab wie eine Taube. In Christus hat er auch uns erwählt, uns in die Gemeinschaft hineingenommen, in der alle gleich, frei und nur an Gottes Liebe gebunden sind. Frei, erwählt und mit einem Auftrag in die Welt gesandt. Diese Freiheit anderen zu vermitteln, das ist unser Auftrag. Die Erwählung des Einzelnen ist Ziel aller Werke Gottes. So hat es der Theologe Karl Barth in seinem wichtigsten Buch, der "Erwählungslehre" beschrieben. Er nimmt so im Licht biblischer Verkündigung die ganze Tradition der Moderne mit hinein. Freiheit, Selbstbewusstsein, Handlungsfähigkeit – sie sind alle bejaht. Sie gründen für den Glauben zugleich in der Gottesbeziehung. Er weckt uns den Geist. Er stellt die Freiheit in einen Zusammenhang. Frei sind wir, und in Christus verbunden als Brüder und Schwestern.

Der Glaube an den einen Gott, von dem David spricht, an den Einzigen, ist dabei Ausgangspunkt der Bewegung. Gott ist einer, der Einzelne will, dich und mich, uns als Einzelne, uns bejaht. Er bejaht uns in unserer Beziehungsfähigkeit. Eine Beziehung von Freien ist eine Beziehung, in der keiner untergeht.

Darin liegt dann auch ein Auftrag. Als Freie sollen wir den anderen Freiheit ermöglichen, in Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft. Zugehen auf die Mühseligen und Beladenen, die Lachenden und die Weinenden, die Armen und Unterdrückten, die Arbeit an gesellschaftlichen Missständen ... alles leitet sich aus dem Auftrag ab, den anderen Freiheit zu ermöglichen, zu gewähren, dafür zu arbeiten.

Ein Kinderlied bringt es mit in Wahrheit weisen, einfachen Worten in Verse:

"Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? … Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet. Kennt auch dich und hat dich lieb ..."

Summen Sie es doch mal in einer schönen Mainacht vor sich hin...

Roland Wicher

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