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19.6.2019

Allein
Gedanken zum Monatsspruch

von Björn Sellin-Reschke


Bild: pixabay.com

"Allein.
Wir sind allein.
Wir kommen und wir gehen ganz allein.
Wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein:
Die Kreuzwege des Lebens geh'n wir immer ganz allein."

So dichtet der Liedermacher Reinhard Mey in einem seiner Chansons. Ohne etwas zu beschönigen, beschreibt Reinhard Mey in diesem Lied, wie verloren wir uns fühlen können, wenn kein anderer an unserer Seite ist.

Da erzählt Reinhard Mey von einem Schüler, der gemobbt wird und den niemand mag. Die nächste Strophe beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn mich andere "im Regen stehen lassen", die ich treu an meiner Seite glaubte.

Und schließlich malt Reinhard Mey das Bild eines Käfers vor Augen, der sich im rieselnden Zuckersand allein abmüht, aus einem Loch herauszuklettern.

"Die Kreuzwege des Lebens geh’n wir immer ganz allein ..."

Das Lied von Reinhard Mey ist schön – auch, wenn es melancholisch ist! Und sofort fallen mir beim Zuhören eigene Lebensabschnitte ein, bei denen ich gleiche Gefühle durchgemacht habe, wie sie Reinhard Mey beschreibt.

Der Melancholie des Liedes – und auch der Melancholie unserer eigenen Geschichten – steht nun aber der Monatsspruch im April gegenüber.

Er klingt wie ein Einspruch gegen diese melancholischen Stimmungen: "Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt. 28,20)

Die unbedingte Zusage, sich immer begleitet zu wissen, trifft im Monatsspruch auf jedes Gefühl von Einsamkeit.

Grenzenlos soll die Begleitung von Jesus gelten! Alle Tage ist sie in Kraft! Keine Ecke der Erde ist davon ausgeschlossen: kein finsteres Tal, kein äußerstes Meer.

Jesus steht an unserer Seite – alle Tage, bis an der Welt Ende! So sein Versprechen.

Im gottesdienstlichen Geschehen gehören diese Worte Jesu zu denen, die besonders häufig zu hören sind. Bei jeder Taufe werden sie vorgelesen, denn sie sind Teil des sogenannten Taufbefehls Jesu.

Wer häufig in den Gottesdienst geht und dann auch noch solche erlebt, in denen wir Taufen feiern, kennt dieses Bibelwort gut. Und vielleicht stellt sich bei uns früher oder später ein gewisser Gewöhnungseffekt für die Zusage Jesu ein: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Für die damaligen Jünger war dies allerdings ganz anders!

Da klang Jesu Versprechen wie eine Offenbarung! Da setzte es Zuversicht in die Herzen! Alle Angst, Zweifel und die Sorge, allein zurückzubleiben, wurden weggefegt.

Dazu müssen wir uns klarmachen, dass die Jüngerinnen und Jünger nur kurz zuvor die Schrecken des Karfreitags erlebt hatten. Gerade noch schien mit dem Kreuzestod Jesu alles verloren. Gerade noch hätten sie die Strophe von Reinhard Mey mitsingen können: wie alleine man sich fühlen kann, wenn große Ideale geplatzt sind und keiner mehr da ist, mit dem man sie teilen wollte.

Vor diesem Gefühl der Ohnmacht des Karfreitags, hören die Jüngerinnen und Jünger nun, wie ihnen Jesus als Auferstandener versichert: Ich werde euch nie wieder allein lassen! Ich bin bei euch – alle Tage!

Dem Karfreitagsgefühl folgt nun der Osterglaube!

Die Angst vor dem Alleinsein zieht zu Ostern ein hoffnungsvolles Glaubensgewand an. Und dieses Glaubensgewand taugt auch heute noch – für uns!

Besondere Beachtung verdient bei dem Monatsspruch aber auch, in welchem Zusammenhang Jesus seine Begleitung zusichert. Er tut es nicht einfach deshalb, damit seine Jüngerinnen und Jünger sich für ihre Alltagsfragen gestärkt fühlen. Sie sollen sich nicht nur in den Sorgen des täglichen Lebens begleitet wissen, sondern vor allem für den großen Auftrag, zu dem Jesus an dieser Stelle auffordert. Er sagt: "Bewahrt, was ich euch mitgegeben habe! Gebt weiter, was ich euch erzählt habe! Bringt es zu den Menschen überall auf der Welt! Erzählt von mir! Begeistert sie für den Glauben an Gott! Und tauft sie!"

Betrachten wir den Monatsspruch in dem Zusammenhang dieser Beauftragung, dreht sich das Bild plötzlich noch einmal um. Es wird deutlich: Nicht nur wir sind angewiesen, uns von Jesus begleitet zu wissen. Sondern auch Jesus ist angewiesen auf uns!

Als Jüngerinnen und Jünger braucht Jesus uns, damit seine Sache weitergeht und seine Botschaft viele erreicht.

Machen also auch wir uns auf den Weg und säen etwas von Gottes Himmel unter die Menschen aus!

Pflanzen wir Setzlinge der Hoffnung dorthin, wo Menschen in Hoffnungslosigkeit niedergerdrückt sind! Widersprechen wir dem Tod mit der Botschaft von Ostern!

Sagen wir es weiter bis an die Enden der Erde: Wir sind nicht allein! Wir wissen uns begleitet durch Jesus Christus!

Björn Sellin-Reschke