ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.5.2019

Angesehen: Simon Petrus

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Er war der erste Jünger, der berufen wurde. Simon, genannt Petrus. Er hat Jesus den ganzen Weg begleitet. Und nun ist dieser Weg zu Ende. Und doch will er seinen Herrn und Meister nicht verlassen. Er will ihm die Treue halten, komme, was da wolle. So jedenfalls nimmt er es sich vor.

Stark und unerschütterlich steht er da, dieser Petrus. Seinen Namen hat er wohl zu Recht: der Fels. Ein glaubensstarker Mann, der weiß, wo es langgeht, der im Glauben an Jesus Christus den roten Faden für sein Leben gefunden hat. Ein Vorbild für alle, die so oft zweifeln. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Evangelien erzählen uns auch von einem "anderen" Petrus.

Ev. Kirche Kattenhorn (Bodensee), Fenster nach einen Entwurf von Otto Dix

Jesus hat es vorhergesagt und so kam es dann auch: "Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Petrus hatte so gute Vorsätze, aber er konnte sie nicht halten. Er hat den Mund zu voll genommen. Er hat sich als so glaubensstark präsentiert. Er wollte seinem Herrn bis ans Ende der Welt folgen. Nun versagt er doch so jämmerlich, versinkt knietief in Ängsten und Zweifeln. Statt Treue der Verrat.

Und auf einmal ist uns dieser Petrus, der schon so unerreichbar entrückt schien, wieder ganz nah. Wagemutig bekennen kann man schließlich viel, solange es nichts kostet. Aber dazu stehen, wenn es eng wird – nun ja. Kommt mir bekannt vor. Bis der Hahn kräht! Aber damit ist die Geschichte nicht zu Ende.

In manchen Jesusfilmen gibt es eine Szene, die sich in den Evangelien nicht findet. Aber sie schafft es, Entscheidendes in wenigen Bildern zu verdichten: Das Verhör Jesu vor dem Hohen Rat macht Pause. Petrus hat bereits abgestritten, die gefesselte und blutende Gestalt überhaupt zu kennen, der da der Prozess gemacht wird. Der Hahn hat zwei Mal gekräht. Petrus will nur noch weg von dem Ort der Verleugnung; ringt mit den Tränen. Er weiß um seine Schwachheit, seinen Fehler. Da wird Jesus herausgeführt, quer durch den Hof. Sein Weg führt direkt an dem Feuer vorbei, an dem Petrus sich wärmt. Und einen Moment lang treffen sich die Blicke der beiden.

Manchmal sagen Blicke eben mehr als tausend Worte. Und in diesem einen Blick liegt viel von dem, was Passion heißt: Petrus sieht das Leiden seines geschundenen Herrn. Todesangst spiegelt sich in Jesu Augen. Ein Mensch im Angesicht des nahen Todes, der am Leben hängt. Und dann ist da noch mehr: Jesus sucht den Blick des Petrus, trotz allem. Petrus kann nicht ausweichen. In aller Todesangst und aller Verlassenheit sucht Jesus den Blick. Er bricht nicht alle Brücken ab zu diesem gescheiterten Brückenbauer.

Jesus erspart Petrus nicht die Konfrontation mit der Trauer und Verlassenheit, die er über seinen Freund und Meister gebracht hat. Petrus muss das ansehen und aushalten. Es wird ihn eine Zeit lang in die Einsamkeit führen, mit Weinen und Selbstvorwürfen. Nichts wird beschönigt und nichts weggezaubert. Der Weg zurück ins Leben führt für Petrus durch die Konfrontation mit den eigenen Abgründen und durch die Bitte um Vergebung. In einem Wort: durch die Buße.

Doch in diesem Blick liegt auch ein neuer Anfang. Jesus, der von allen aufgegeben worden ist, gibt diesen Petrus nicht auf. Die Verbindung zwischen den beiden bleibt. Nach Ostern wird Petrus sie neu und anders erfahren. Denn obwohl er im entscheidenden Augenblick versagte, nimmt Jesus nichts zurück von den Aufträgen, die er ihm gegeben hat: Fels der Gemeinde sein, binden und lösen, Menschen stärken. All das bleibt. Nichts wird abgeräumt, keine Endabrechnung im Angesicht des Todes. Nur ein Blick.

Es ist gut, wenn wir in der Passionszeit einmal ein paar Gänge zurückschalten und darüber nachdenken, wo uns dieser Blick trifft und wo in unserem Leben die Hähne krähen?

Die Passionszeit ist von alters her eine Bußzeit gewesen. Wer sich von Gott und der Gemeinde entfernt hatte, konnte am Gründonnerstag wieder aufgenommen werden. Die Tage und Wochen davor waren der Vorbereitung gewidmet, Regeln und Formen gaben ihnen Struktur. Regeln und Formen sind uns heute weitgehend verloren gegangen. Der Sinn der Passionszeit ist der gleiche geblieben. Es ist der Weg des Petrus. Der Weg der Buße.

Dieser Weg beginnt, wenn wir uns von dem Leidenden ansehen lassen. Dem Blick nicht ausweichen. Die Enttäuschung, dass wir nicht so handeln, wie wir es versprochen haben. Uns konfrontieren lassen mit Trauer und Verlassenheit Jesu und mit unserem Anteil daran. Die Hähne nicht überhören, die uns krähen. Das ist Passionszeit.

Wir müssen wohl selbst herausfinden, was uns hilft auf diesem Weg: Schweigen oder Fasten, wovon auch immer. Bilder oder Töne. Gebet oder Aussprache mit anderen. Was immer wir tun – wir bleiben angesehen. Angesehen von diesem Jesus von Nazareth, der mit Petrus noch etwas vorhatte.

Pfarrer Michael Busch