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26.3.2019

Erinnerungen an das "Franzosenlager"
Ein Interview mit Eva Laucks

von E-Mail


Bild: mediaray

Eva, du hast mir neulich erzählt, dass du dich an das "Franzosenlager" erinnern kannst. Meinst du das Lager an der Osdorfer Straße? Wie bist du denn darauf aufmerksam geworden?

Ja, wir wohnten damals und ich ja heute noch hier Am Pfarracker. Morgens marschierte regelmäßig eine Kolonne Kriegsgefangener an unserem Haus vorbei. Der Marsch wurde von zwei Aufsehern begleitet und alles machte einen sehr lockeren Eindruck.

Eva Laucks, nunmehr 94 Jahre alt, Alt-Lichterfelderin und Gemeindeglied seit ihrer Jugend, hat in mehreren Ausgaben unseres Gemeindbriefs "Der Schlüssel" unter der Rubrik "Damals war's" Erinnerungen aus ihren jungen Jahren mit uns geteilt.

Als ich kurz vor den Weihnachtstagen Eva Laucks einen Besuch abstattete, erwähnte sie das "Franzosenlager", das sich im 2.Weltkrieg an der Osdorfer Straße / Landweg befand. Sie meinte das Stammlager (Stalag IIID), das dort 1940 eröffnet wurde.

Ihr Angebot, etwas darüber zu erzählen, nahm ich gerne an und so entstand dieses kleine Interview.

Reiner Kolodziej

Du sagtest Franzosenlager, wie kamst du darauf?

Durch meinen Vater. Er war im 1. Weltkrieg in französischer Kriegsgefangenschaft und lernte dort die französische Sprache. Er liebte diese Sprache, hatte aber wenig Möglichkeiten, sie hier in Berlin einzusetzen. Er stand immer an unserem Gartenzaun, wenn die Gefangenen vorbeimarschierten. Umso mehr freute er sich als er die Vorbeimarschierenden in französich ansprach und sie ihm auf französisch antworteten.

So entstanden zwar keine Freundschaften, aber es war ein reger Austausch an Informationen, der nicht nur verbal war, sondern auch in Form von kleinen Briefchen (zusammengefalteten Zettelchen). Diese wurden dann beim Vorbeigehen über den Zaun geworfen, denn für großartige Gespräche blieb beim Vorbeimarsch kaum Zeit.

Was stand denn auf diesen Zettelchen?

Kleine Geschichten und gemalte Bilder.

Und wohin führte der Marsch eigentlich?

Ich weiß es nicht genau, aber vermutlich ging es zu einem Arbeitseinsatz. Sie kamen ja abends auf dem Nachhausweg wieder bei uns vorbei.

Hat man nicht in der Nachbarschaft darüber geredet, sich gewundert?

Nein, es wurde nicht viel geredet, man wollte auch nicht auffallen. Die Gestapo war ja überall.

Hast du sonst noch Erinnerungen an die Franzosen?

Ja, einmal beim Vorbeimarsch hat ein Gefangener wieder ein gefaltetes Zettelchen über unseren Zaun geworfen.

Darin befanden sich zwei Ringe, ein großer für meinen Vater und ein kleiner für mich. Der Mann muss wohl Goldschmied gewesen sein. Er hat die Ringe aus Münzen geschmiedet und sogar unsere Initialen eingraviert.

Ich habe diesen Ring sehr lange getragen. Leider finde ich ihn heute nicht mehr.

Wie lange ging das mit dem Lager?

Ich weiß es nicht genau, aber eines Tages waren die Gefangenen nicht mehr da. Ob die woanders hinkamen, das weiß ich nicht.

Man hat auch nicht viel darüber geredet, denn wie gesagt, die Gestapo war ja allgegenwärtig.

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Stalag IIID – Ein historischer Lernort

Das von Eva Laucks erwähnte Lager, das Kriegsgefangenlager Stalag IIID an der Osdorfer Straße, existiert nicht mehr, aber es erinnern zwei noch stehende alte Baracken daran.

Eine Baracke des Gefangenerlagers – Bild: Schleissing-Niggemann

Eine Initiative von Lichterfelder Bürgern hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Baracken als historischen Erinnerungsort zu erhalten. Das bekam jetzt höchste Priorität, denn im Zuge der Neubebauung auf dem Parks Range Gelände durch die Grothgruppe, fanden die Restgebäude keinen Platz in den Bebauungsplänen.

Eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Gebäude und der Installation eines historischen Lernorts, bekam über 1.200 Unterschriften.

Das zumindest eines der Gebäude erhalten bleibt, dafür setzt sich das Bezirksamt, sowie alle Fraktionen und auch der Inves-tor Groth ein. So ist man optimistisch, was die Zunkunft der Gebäude und des Erinnerungsorts betrifft.

Reiner Kolodziej

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