ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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18.2.2019

Monatslosung im Februar 2019

von Pfarrer Roland Wicher

"In Dir ist Freude, in allem Leide,
O Du süßer Jesu Christ ..."

so beginnt ein bekanntes Kirchenlied, mit einer herrlich hüpfenden Melodie des Komponisten Gastoldi, den Text dichtete Cyriakus Schneegaß. Es singt sich so locker und leicht, aber ist das nicht gegen die Erfahrung? Schmerz und Leid können erdrücken, ausweglos erscheinen, einem den Atem nehmen – ob wir nun gläubige Christinnen und Christen sind oder nicht.

Die Bibel ist ein Buch voller Erfahrungsweisheit, ein Gespräch gleichsam, das über Jahrhunderte geführt wird, mit einer großen Vielfalt an Haltungen zum Leben, mit seinen guten und seinen schweren Seiten, und die Erfahrung färbt zwangsläufig auch das Gottesverhältnis der Menschen. Im Glück rede ich anders zu meinem Gott als im Elend.

Hiob etwa wird von tiefem Leid getroffen, und er klagt, er hat das Recht zur Klage – auch gegen Gott, den er nicht versteht. Ein Unschuldiger, ein Gerechter wird hier von Krankheit und Unglück getroffen. Am Ende antwortet Gott – und wem antwortet Gott sonst schon? Das ist eine Seltenheit. Am Ende wird Hiobs Glück wieder hergestellt – das ist schön, aber manche finden dieses Happy End auch unglaubwürdig. In diesem Leben kann es leider Gottes auch anders laufen.

Auch viele Psalmen oder die Klagelieder Jeremias nehmen die Erfahrung des Leids ernst und bringen es vor Gott, und das in starken Worten. Es ist gut, dass es diese Texte in der Bibel gibt, denn auch das ist Teil der Seelsorge und der Sorge um sich selbst – dass man Leiderfahrungen nicht unter den Teppich kehren muss. Vielmehr mag die Klage und der Protest gegen das Leid etwas bewegen. Innerlich oder äußerlich, es kann entlasten, sich auszuheulen, rauszulassen, was bedrückt, Wut zum Ausdruck zu bringen. Es kann Menschen bewegen, Leidenden zur Seite zu stehen, die Ursachen des Leidens zu bekämpfen – ob etwa mit medizinischen Mitteln, therapeutisch, oder bei sozialem Unrecht als Ausgangspunkt in der Politik, um nur einiges zu nennen.

Dann aber gibt es Umschlagspunkte. Paulus hat eine Sicht auf die Dinge, die ganz durch die Erwartung der Erneuerung aller Dinge durch Gott geprägt ist. In Jesus Christus ist uns schon im Ansatz Zugang zu dieser neuen Wirklichkeit gegeben. Die Vollendung kommt aber am Ende der Zeit, das Paulus sich noch deutlich als bald bevorstehend vorstellen konnte. Noch seufzt die ganze Schöpfung, aber das sind gleichsam Geburtswehen. Wir sind schon als Kinder Gottes auf dem Pfad zur Erlösung, als Glieder Christi schon befreit. Daher kann er schreiben:

"Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll." (Röm 8,18)

Auf dieser Spur bewegt sich dann auch das alte Kirchenlied. Nun kann eine solche Haltung nicht gleichsam verordnet werden, um Leidende zum Schweigen zu bringen. Nein, das Seufzen und Klagen hat sein Recht. Es soll auch Ausdruck finden. Vielmehr kann manchmal in der Tiefe der Erfahrung von Leid ein Licht aufscheinen, und dieses Licht kann ich im Glauben als Anzeichen dessen sehen, was Gott eigentlich mit uns vorhat. An Gott zu glauben gibt mir einen Punkt außerhalb der Erfahrung, jenseits des Hier und Jetzt und der Gesetzmäßigkeiten meiner Lebenserfahrung. Seine Wirklichkeit ist die Eigentliche, die meine Wirklichkeit ins rechte Licht setzt. Das ist kein Aufruf, keine Vorschrift, kein Appell, wie gesagt. Es ist ein seelsorgerlicher Gedanke, ein Trost manchmal, eine Ermunterung zur Freude, wenn ich Grund habe zu danken.

Roland WIcher