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22.5.2019

Dem Frieden nachjagen?
Gedanken zur Jahreslosung

von Pfarrer Björn Sellin-Reschke


Bild: Adobe_Stock

Woran denke ich als erstes, wenn ich das Wort "Frieden" höre?

Denke ich an den Weltfrieden? Dann kreisen meine Gedanken um Schlagworte wie "Friedensverhandlungen" oder "Friedensverträge" und ich finde mich in der politischen Dimension des Wortes "Frieden" wieder.

Vielleicht kommt mir aber auch – so kurz nach dem Weihnachtsfest – als erstes der "Familienfrieden" in den Sinn. War es in diesem Jahr gut, wie wir in der Familie zusammengefunden haben? Mussten wieder Themen umschifft werden, um wenigstens unter dem Baum miteinander zurecht zu kommen?

Schließlich eine dritte Möglichkeit, sich dem Thema "Frieden" zu nähern: ich schaue auf mich selbst und überlege: wie gehe ich in dieses Jahr 2019 hinein? Bin ich ausgeglichen? Konnte ich das alte Jahr gut abgeben? Bin ich zuversichtlich? Habe ich also das für mich gefunden, was wir "inneren Frieden" nennen?

Diese Beschreibung macht deutlich: Wenn wir von "Frieden" reden, dann betrifft es verschiedene Facetten des Lebens: den Mikrokosmos meines Lebens, aber auch die weitesten Horizonte, die ich denken kann.

Das Wort "Frieden" ist von weitreichender Bedeutung.

In der hebärische Sprache wird dies darin deutlich, dass "Schalom" (hebräisch: Frieden) nicht nur die Abwesenheit von Krieg meint, sondern vielmehr einen Zustand, in dem alle Gewalt, Feindschaft und Ungerechtigkeit überwunden ist. Wir können uns den "Schalom" als einen Zustand der Harmonie vorstellen: eine Harmonie, die alles umfasst: die Beziehung zu Gott, die Beziehung zwischen allen Geschöpfen dieser Welt inklusive der Beziehung zwischen Menschen und Völkern.

Von diesem "Schalom", von diesem Frieden, sind wir allerdings weit entfernt.

"Suche Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15) – so fordert uns deshalb die Jahreslosung für das neue Jahr 2019 auf. Suche Frieden! ... Und jage ihm nach???

Eine Aufforderung, die irritiert!

Bei einer Jägerin oder einem Jäger stelle ich mir unweigerlich jemanden vor, der eine Waffe mit sich führt – egal, ob ein Gewehr oder einen Spieß oder was auch immer.

Nur schwer lässt sich das Bild eines entsprechend ausgerüsteten Jägers mit dem Wort "Frieden" – mit dem oben beschriebenen "Schalom" – in Einklang bringen!

Andererseits macht das Wort "jagen" darauf aufmerksam, dass der Friede etwas Flüchtiges ist. Der Schalom liegt immer ein Stück von mir entfernt. Friede ist immer noch nicht erreicht.

Wer sich an dem Wort "jagen" stört, findet im gleichen Sinne der Jahreslosung ein anderes Wort bei Paulus im Neuen Testament. Paulus sagt: "Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient" (Röm 14,19). Er verzichtet auf das "jagen" und macht dennoch im Römerbrief in gleicher Weise deutlich: Frieden lässt sich nicht festhalten. Frieden ist nicht einzuholen. Frieden bleibt immer vor mir – wie eine Aufgabe!

Diese Aufgabe, am Frieden selbst mitzuwirken, wird auch in dem 34. Psalm beschrieben, aus dem die diesjährige Jahreslosung stammt.

Die Aufforderung: "Suche Frieden und jage ihm nach!" ist im Psalm 34 eingebettet in weitere Mahungen:

"Behüte deine Zunge vor Bösem"... steht dort. Und: "Behüte deine Lippen, dass sie nicht Trug reden!" Und schließlich: "Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!"

Frieden ist kein Wunschkonzert, das ich mir gerne anhören würde. Das stellen die biblischen Aufforderungen klar.

Frieden ist auch kein schönes Gemälde, vor das wir uns stellen könnten und sagen: "zu schön, um wahr zu sein!"

Frieden ist Auftrag an mich! An uns!

Frieden beginnt bei dem, was ich selbst sage und bei dem, was ich tue oder unterlasse. "Lass ab vom Bösen und tu Gutes!"

Der Psalm 34, aus dem die Jahreslosung für dieses Jahr entnommen wurde, ist ein stilistisch sehr kunstvoll gestaltetes Gebet.

In der hebräischen Bibel beginnt jeder Vers mit einem anderen Buchstaben – beginnend beim ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets und beschließend durch den letzten Buchstaben.

Für das Jahr 2019 kann uns dieses stilistische Phänomen ein Hinweis sein:

Dass wir Frieden als Auftrag annehmen für das neue Jahr. Und dass wir ihn durchbuchstabieren müssen – von A bis Z – für alle Lebensbereiche!

Björn Sellin-Reschke