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13.12.2018

Gedanken zum Monatsspruch

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Bild: dpa (GEP)

Wenn wir in klaren Nächten zum Himmel schauen, vielleicht im Gebirge oder am Meer, dann sehen wir den Sternenhimmel in seiner ganzen wunderbaren Faszination. Unsere Vorfahren in vorindustrieller Zeit müssen das noch intensiver erlebt haben, ohne grelle Beleuchtung und künstliches Licht bei Nacht, ohne Schmutzschicht über unseren Städten und Dörfern. Und sie suchten in den Sternen Deutung und Antwort. Sie bangten, wenn die Sonne sich verfinsterte.

Schweigend zogen Sonne, Mond und Sterne immer die gleiche Bahn, auch wenn auf der Erde Missernten, Krankheiten, Kriege und Überschwemmungen die Menschen plagten. Der Himmel wurde Garant für Bleibendes, der Himmel war Ort der Hoffnung bei all dem Vergehen auf Erden. Sie bildeten Gelehrte aus, die die Bahnen der Sterne beobachteten, ihre Bewegung deuteten und ihre Schlüsse zogen. Manchmal hochkarätige Wissenschaftler, manchmal Scharlatane und Gaukler, manchmal Priester, die ihre Kenntnisse zum Teil nicht ungeschickt ausnützten als Berater der Mächtigen. Alle alten Menschheitskulturen besaßen eine hervorragende Kenntnis der Vorgänge am Himmel. Und wenn dort nur die geringste Veränderung beobachtet wurde, dann wurde ihr allergrößte Bedeutung zugemessen.

In der Weihnachtsgeschichte, die uns beim Evangelisten Matthäus aufgeschrieben ist, wird auch von solchen Astronomen, Himmelsforschern oder Sterndeutern, Magiern, wie man sie auf Lateinisch und Griechisch nannte, erzählt. Sie haben bei ihren Himmelsbeobachtungen einen neuen Stern entdeckt. Sie deuten ihn. Und suchen den dazugehörigen König. Sie finden ihn nicht am Königshof, erhalten aber den entscheidenden Tipp: Bethlehem. Und als sie dort ankommen, sehen sie am Nachthimmel wieder den Stern. Sie gehen in ein Haus, finden eine junge Mutter und ihr Kind. Vom Vater ist nicht die Rede. Sie packen ihre Geschenke aus, knien und verehren den gefundenen König. Im Traum erfahren sie, dass sie auf anderem Weg zurückkehren sollen. Ganz nüchtern wird uns das bei Matthäus erzählt. Kein Ochs, kein Esel – wir wissen nicht einmal, ob es drei waren.

Und nach all diesem Suchen ist es ein eigenartiges Finden. Was auf Hohes hindeutete, endet in der Niedrigkeit. Was auf einen Palast hindeutete, ist eine bescheidene Hütte, vielleicht ein Stall, eine Grotte. Der Stern, der auf eine neue Größe im Weltgeschehen hindeutete, führt in arme Verhältnisse.

Ob die Magier aus dem Osten die Tragweite begriffen haben, weiß keiner. Matthäus lässt uns mit unseren Fragen allein. Sie suchten den neugeborenen Herrscher über Israel. Und den hatten sie gefunden. Und ihm huldigten sie. Und dann gehen sie wieder. Keine Bekehrung oder Erleuchtung wird berichtet. Nur der gebührende Kniefall vor dem neugeborenen fremden Herrscher.

Ja, es ist ein eigenartiges Finden. Wer aufbricht und sucht, stößt auf verwirrende Antworten. Da geht es nicht um das private Glück oder Unglück, um günstige Bedingungen für Geschäfte von Zwillingen und Skorpionen, um das Liebesleben der Steinböcke und um die Lottochancen der Fische. Es geht nicht einmal um den König von Israel. Es geht um die Gegenwart des Schöpfers. Um die Anwesenheit Gottes, um die wir so oft bitten, die wir aber selten genug wirklich suchen. Die Anwesenheit Gottes ist nicht zu ertragen. Blind, stumm und geschlagen sind die Wenigen, die Gottesbegegnungen haben.

In diesem Kind aber hat Gott eine Begegnungsmöglichkeit geschaffen, die Menschen ertragen können. Die Fremden aus dem Osten haben vielleicht nicht verstanden, sie waren vielleicht verwirrt. Zumindest wunderten sie sich. Und doch beteten sie an und das, obwohl sie Heiden waren.

Was am Heiligen Abend gilt, gilt auch und besonders heute: Mit Geheimnissen leben lernen, nicht alles haben und begreifen wollen. Zum menschlichen Leben gehört auch eine Reihe ungelöster Fragen. Auch wenn Forscher im Computer den Termin des Urknalls berechnen, so sagt doch diese Erkenntnisse nichts über den Sinn. Warum lebe ich überhaupt? Warum lebe ich hier und nicht dort? Warum heute und nicht gestern? Warum gesund und nicht krank?

Turbulenzen im Palast in Jerusalem, Anbetung eines neugeborenen Kindes, Flucht der Familie und Rückkehr einiger Magier auf Umwegen in ihre Heimat, das meldet die Bibel ganz trocken. Wenn da nicht das Licht wäre, das seit Christi Geburt die Welt in eine Wärme taucht, die uns das Leben ermöglicht. Heute hier. Und morgen? Wer weiß wo? Aber es gibt keinen Ort in Zeit und Ewigkeit, der nicht gemeint ist, wenn Gott einen Bund schließt mit den Menschen.

Eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Pfarrer Michael Busch