ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Dezember 2018

13.12.2018

Nachruf auf Pfarrer Gustav Roth

Gustl Roth, wie er genannt wurde, war stolze 22 Jahre Pfarrer der Giesensdorfer Gemeinde, bis er 1978 Superintendent in Kreuzberg wurde. Im Ruhestand war er in der Steglitzer Patmosgemeinde aktiv. Oft haben mir Gemeindeglieder von ihm erzählt, von Erlebnissen mit ihm, von seinem Wirken in der Gemeinde. Im vergangenen Jahr habe ich mit ihm gesprochen, und er kam ins Erzählen vom Leben im Pfarrhaus am Ostpreußendamm, vom Garten und den Kindern, die hier aufwuchsen, aber auch von seinen Aktivitäten in der weltweiten Ökumene und theologische Ansichten. Am 6. Oktober ist er im hohen Alter von 94 Jahren gestorben. In der Patmosgemeinde fand am 25. Oktober die Trauerfeier für ihn statt, bei der Pfarrerin Gabriele Wuttig-Perkowski und Pfarrer i.R. Jürgen Quandt auf sein Leben zurückblickten. Am 23. November wurde er auf unserem Friedhof bei der Giesensdorfer Dorfkirche beigesetzt. In Auszügen geben wir hier die Predigt von Pfarrerin Wuttig-Perkowski wieder.

Roland Wicher


Pfarrer Roth bei der 700-Jahr-Feier Giesensdorf 1999 – Bild: Bernd Meyer


– Pfarrer Roth; Trauung Bernd und Gisela Meyer, 1969 – Bild: privat

"Geboren wurde Gustl Roth 1924 in München. Er hatte seine Eltern früh verloren, und kam zu einer Tante nach Freiburg. Dort ging er zur Schule. Die Jugendzeit, die er im Südwesten Deutschlands verbrachte, empfand er als großes Glück in diesen schwierigen Jahren. (…) Es waren behütete Jahre, und er war froh darum, in einer Ecke Deutschlands aufgewachsen zu sein, wo der Nationalsozialismus durchaus kritisch gesehen wurde, wo es Rückzugsräume gab. Und doch musste er im letzten Kriegsjahr noch Soldat werden, war bei der Flak und kam viel rum, bewachte Züge und kehrte unverletzt wieder nach Hause zurück. Seine "Soldatenbibel" aus dieser Zeit hat er bis zuletzt aufbewahrt. Nach dem Krieg begann er das Studium der Theologie in Tübingen.

1947 hatte er die Chance, nach England zu kommen. Dort begegnete er vielfältigen freikirchlichen Traditionen. Sie beeindruckten ihn tief und weiteten seinen Blick für kirchliches Leben. Anschließend studierte er in Berlin und in der Jugendarbeit im Körnerpark in Neukölln lernte er Anne kennen. Sein Vikariat machte er in Dahlem und Anne und Gustl heirateten und hatten eine Wohnung in der Clayallee.

Seine erste Pfarrstelle bekam Gustl in Giesensdorf. 22 Jahre war er dort "Dorfpfarrer", von 1956–1978 mit allem, was dazu gehörte: Mit der ehrenamtlich mitarbeitenden Pfarrfrau, den drei Kindern, die einen eigenen Flötenchor bildeten und bei Gemeindeveranstaltungen musizierten. Oft wurde er spätabends gerufen, wenn jemand im Sterben lag und radelte dann los, um ein letztes Abendmahl zu spenden. Mit dem Fahrrad war er in der Gemeinde unterwegs, fuhr zum Einkaufen auf den Markt und war immer ansprechbar für die Gemeinde. "Pfarrer in seinem Dorf" war er mit Leib und Seele. Bis heute gibt es Menschen in der Gemeinde, die sich ihm verbunden fühlen. 1978 wurde Gustl dann Superintendent in Kreuzberg. Er hat die kirchliche Arbeit in diesem Amt und an diesem Ort sehr geprägt.

Nach Patmos kam er Mitte der 90er Jahre, im aktiven Ruhestand. Fröhlich und engagiert kamen Gustl und Anne regelmäßig in die Gottesdienste, waren bei den Glaubensgesprächen dabei. Er predigte regelmäßig, brachte seine kritischen Fragen und seine Leidenschaft für den Gottesdienst in die Gottesdienstnachgespräche ein.

Seine Impulse kamen aus einem leidenschaftlichen Glauben und aus einem sehr umfassenden Wissen in liturgischen und theologischen Fragen, das er bereitwillig weitergab. (Theologisch wichtig waren ihm) die Freude an dem, was uns zum Leben geschenkt ist und das Vertrauen, in Gott geborgen zu sein; die befreiende Erfahrung des Friedens in der Gegenwart Jesu gegen alle Angst und Anfeindung; die Suche nach Gerechtigkeit – gerade auch in der globalisierten Welt und schließlich die Erfahrung eines reichen und erfüllten Lebens in Christus, für die Menschen der Ökumene, der ganzen bewohnten Erde, wie es das Thema der Vollversammlung von Vancouver war: "Jesus Christus, das Leben der Welt".

Gustl Roth ist in Frieden in seinem geliebten Sessel gestorben, alt und lebenssatt. [Wir] vertrauen ihn der Liebe Gottes an, die ihn im Leben behütet und bewahrt und durch die Stürme geführt hat und ihn nun in seinen Frieden aufgenommen hat."