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21.11.2018

Neuordnung der Predigttexte und Lesungen im Gottesdienst

von Pfarrer Björn Sellin-Reschke

"Wie, Sie schreiben die Predigt Woche für Woche selbst?", so fragte mich einmal erstaunt eine Konfirmandin. Und eine andere war im folgenden Gespräch ebenso überrascht: "Und Sie dürfen sich nicht mal aussuchen, über welchen Text Sie am liebsten reden wollen?"

Tatsächlich sind uns Pfarrerinnen und Pfarrern und Prädikant_innen und Lektor_innen die biblischen Predigttexte und die Lesungen im Gottesdienst in einer Ordnung vorgegeben. Diese Ordnung ist die sogenannte "Perikopenordnung". Sie umfasst sechs Jahresreihen, so dass sich erst im siebten Jahr die gleichen Predigttexte in der Perikopenordnung wiederholen.

Foto: mediaray

Das Wort "Perikope" bedeutet übersetzt "das Herausgehauene". Denn genau darum geht es: aus dem großen Umfang von biblischen Geschichten werden – wie in einem Steinbruch – einzelne Abschnitte herausgenommen, um sie im Gottesdienst zu Gehör zu bringen.

Natürlich kann man fragen, ob es denn richtig ist, dass da der eine Bibeltext berücksichtigt wird und ein anderer dafür keinen Platz findet. Andererseits ist die Perikopenordnung bemüht, allen Facetten der biblischen Überlieferung gerecht zu werden.

Nach einem Prozess von insgesamt 10 Jahren wird nun am 1. Advent eine neue Perikopenordnung in der gesamten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eingeführt. Probeweise wurden in vielen Gemeinden bereits Gottesdienste mit der neuen Ordnung ein ganzes Kirchenjahr lang gestaltet. Die dabei gesammelten Erfahrungen wurden ausgewertet und in die weitere Bearbeitung einbezogen, so dass jetzt die neue Perikopenordnung bereitliegt und die alte Ordnung aus dem Jahr 1978 ablöst.

Doch: keine Sorge! Natürlich bleiben bewährte und liebgewonnene Geschichten und Texte weiterhin erhalten. Lediglich 20% der bisherigen Bibelabschnitte wurden verändert oder ausgewechselt. Zu den Kriterien bei der Neuauswahl gehörten u.a. das Bemühen, dass mehr alttestamentliche Texte vorkommen sollten. Ihr Anteil ist von einem Fünftel auf ein Drittel gestiegen.

Ferner ist der Anteil der Texte, in denen Frauen eine wichtige Rolle spielen, deutlich gewachsen.

Geachtet wurde auch darauf, dass Texte, die eng mit der Lebenswelt der Gottesdienstfeiernden verknüpft sind, öfter vorkommen. Themen wie "Arbeit", "die Schöpfung" und das Thema "Frieden" sind gestärkt.

Doch noch eine weitere Veränderung gibt es, die sich Gottesdienstfeiernde wünschten: Bisher waren die genannten sechs Perikopenreihen deutlich danach sortiert, aus welchem Bibelabschnitt die jeweiligen Texte kommen. In der Perikopenreihe I wurden z.B. ausschließlich Texte aus den Evangelien gepredigt, während die Reihe II ausschließlich Lesungen aus den Briefen des Neuen Testaments aufnahmen usw. Besonders diese Reihe II der Brieflesungen wurde von vielen Gottesdienstfeiernden (und ehrlich gesagt auch von den Predigenden) oft als mühselig empfunden, weil die Texte deutlich ab–strakter sind und eben ein Jahr lang keine der bekannteren Bibelgeschichten als Predigttext enthielten. Hier gibt es nun nach der Bearbeitung der Perikopenordnung eine deutliche Durchmischung – die starre Sortierung nach dem "Genre" der Texte wurde aufgegeben.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die jetzt vorliegende Perikopenordnung nicht nur die biblischen Texte für die Gottesdienste neu festlegt, sondern, dass sie auch Vorschläge macht, welche moderneren Lieder als Wochenlieder gesungen werden können.

Wir sind gespannt – Hörende wie Predigende – wie die überarbeitete Perikopenordnung uns Gottes Wort in neuer Weise zu Herzen bringt.

Björn Sellin-Reschke