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21.11.2018

Übergang von der Kita in die Schule
Unsere pädagogische Arbeit mit den "Fliegerkindern"

Reinhard Zander und Ursel Hentschel

Nach den Schulanmeldungen steht nunmehr fest, welche Kinder 2019 eingeschult werden. Damit ist nun die Zeit gekommen, die neue "Fliegergruppe" zu "konstituieren". Dazu gehört unbedingt auch die Regelung: mindestens 4 Fliegerkinder dürfen auch ohne Erzieher auf die Wiese oder den Spielplatz.

Dazu eine ausführliche Hintergrundinformation für Sie:

Wie Sie schon wissen, ist die alte Form der "Vorschularbeit" längst vergangen. Früher wurde das letzte Jahr vor der Einschulung hauptsächlich genutzt, um den Kindern die "handwerklichen Fähigkeiten", die sie für die Schule brauchen, beizubringen: Stifthaltung, Umgang mit Schere und Kleber etc.

Bei unserem heutigen Konzept der Bildungsarbeit in der Kita, ist das nicht mehr nötig: wir haben schon lange darauf umgestellt, dass auch den Dreijährigen diese Mittel frei zur Verfügung stehen, sodass die Drei- und Vierjährigen heute längst Fähigkeiten besitzen, die ihnen früher bis zum "Vorschuljahr" vorenthalten wurden. Das führt dazu, dass wir uns heutzutage im letzten Jahr vor der Schule endlich um die wirklich wichtigen und für die Schule relevanten Themen kümmern können: die Kinder sollen "selbstbewusst" werden, das heißt auch, dass sie ein Bewusstsein für ihre eigenen Bedürfnisse entwickeln sollen. Zum Beispiel unterstützen wir die Kinder, selbst zu entscheiden, wie sie sich anziehen müssen, wenn sie rausgehen. Das ist ein langer Lernprozess, den wir permanent begleiten: regnet es? Ist es noch nass? Ist es kalt? Die "Fliegerkinder" sollen selbst entscheiden können, ob sie z.B. eine Matschhose anziehen. Wenn sie sich dazu entschließen, keine Matschhose anzuziehen, dürfen sie sich aber auch nicht in den nassen Sand setzen: darauf achten wir, das kontrollieren wir und durch solche Rückmeldungen lernen die Kinder, auf sich zu achten. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für das Leben in Schule und Hort, denn dort können die Erzieher und Lehrer nicht mehr in dem Maße darauf achten, wie wir das noch tun. Auch das Thema "Verantwortung übernehmen für das eigene Verhalten, aber auch für die Gruppe" ist uns wichtig. Deshalb üben wir die Sonderregel für die "Fliegerkinder": mindestens 4 Fliegerkinder dürfen ohne Erzieher auf den Spielplatz oder auf die Wiese. Aber: sie müssen Regeln einhalten und auch darauf achten, dass die anderen die Regeln einhalten. Beispiel: wenn vier Kinder auf die Wiese gehen und eins davon muss pullern, dann müssen die anderen mitkommen, weil sonst nur noch drei draußen wären. Das sind sehr wichtige Lernprozesse, die die Kinder auf die Schule vorbereiten. Die Einhaltung der Kita-Regeln wird von uns permanent kontrolliert: die Kinder sollen das Gefühl haben, draußen "alleine" zu sein, jedoch auch wissen, dass immer wieder unerwartet jemand von uns nachsieht, was sie machen. Für Kinder, die sich nicht an die Regeln halten, wird dieses Vorrecht für mehrere Tage entzogen. Damit stellen wir sicher, dass wir unserer Aufsichtspflicht selbstverständlich nachkommen, aber für die Kinder den Lernprozess auch ermöglichen und kontrollierend begleiten.

"Schulkinder-Aufgabe"

Aber auch das wird auf unserer Agenda für das kommende Jahr stehen: in Abständen von mehreren Monaten werden zwei ähnliche "Unterrichtssituationen" gestaltet, sodass Sie nachher für das eigene Kind auch vergleichen können, wie es die Aufgabe beim ersten und wie beim zweiten Mal gelöst hat. Die Kinder lernen so beispielhaft die Situation kennen, dass sie zu einem festgelegten Zeitpunkt eine genau definierte Aufgabe in mehreren Schritten in ihrem eigenen Tempo erledigen müssen, egal, ob gerade Schnee fällt oder die Kleineren alle draußen spielen dürfen, eben wie in der Schule. Dadurch entsteht für die Kinder ein "Wiedererkennungseffekt", wenn sie dann in der Schule sind.

Übernachtung

Auf die für die Fliegergruppe geplante Übernachtung in der Kita möchte ich an dieser Stelle für Ihre Terminplanung schon hinweisen.

Es geht hier um die Stärkung des Selbstwertgefühls und um einen kleinen Schritt an Ablösung und Verselbstständigung von den Eltern und der vertrauten Umgebung. Auch um den (erfolgreichen) Umgang mit Ängsten.

Weitere Angebote

Einige weitere schöne Ausflüge und Angebote werden im Verlauf des kommenden halben Jahres folgen: darüber werden Sie rechtzeitig informiert.

Für Themen, die die Kinder in Gesprächen einbringen, bleibt in dieser Zeit auch genügend Raum und können zu einer Projektidee führen.

Wir orientieren uns mit der Planung für die "Fliegerkinder" am Berliner Bildungsprogramm. Hierin wird die Kompetenzentwicklung wie folgt beschrieben:

"… Viele Kinder kennen die Kita bereits seit einigen Jahren, sie sind jetzt "die Größten" in der Kita. Als solche haben sie Erfahrungsvorsprünge gegenüber jüngeren Kindern, können für diese Vorbild, Modell und vielleicht sogar "Mentoren" sein. Sie haben andere Rechte, genießen vielleicht auch Privilegien, die Jüngere nicht haben. Gleichzeitig bereiten sie sich auf ihre neue Rolle als "Anfänger" in der Schule vor. Die Kitas bieten den Kindern im letzten Jahr vor der Schule die Chance, diesen durchaus vielschichtigen Rollen- und Statuswechsel deutlich zu spüren und daran zu wachsen.

Auch für eine erfolgreiche Bildungsbiografie in der Schule ist die Entwicklung aller Kompetenzbereiche eine sehr wichtige Voraussetzung. Die Bildungsangebote sind deshalb (auch) im letzten Kita-Jahr so konzipiert, dass die Kinder umfassend in ihren kognitiven, motorischen, emotionalen, sozialen und sprachlichen Kompetenzen gestärkt werden. "

Als Qualitätsanspruch wird die Unterstützung der Kinder für den Schulstart wie folgt formuliert:

Wir freuen uns auf die Arbeit mit den Fliegerkindern!

Reinhard Zander und Ursel Hentschel

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