ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Oktober 2018

16.10.2018

Erzieherin Eva Krüger ist eine Institution
20 Jahre Kita Petrusheim

Foto: privat

Die Kinder hießen Nicole, Claudia, Michael oder Christian, als Eva Krüger zum ersten Mal in ihren Traumberuf reinschnuppern durfte.

1972 war das. Sie war gerade volljährig geworden – selbst also eben noch ein Kind gewesen, als sie in einem Kinderheim die ersten beruflichen Erfahrungen sammeln konnte. Nun ist Eva Krüger mehr als 40 Jahre Erzieherin – genau 20 Jahre in der Kita Petrusheim.

Mit acht war ihr schon klar, dass sie genau das machen will. Damals zu blass, zu zierlich, zu kränklich, war sie von ihren Eltern im guten Glauben zum Aufpäppeln in ein Kindererholungsheim geschickt worden: "Was mir da so an Erziehungspersonal begegnet ist, war gruselig, das hat mir Angst gemacht. Da dachte ich, das geht vielleicht auch anders."

Es ging anders. Als Eva Krüger mit ihrer Ausbildung begann, hatten sich durch die 68er-Bewegung die Erziehungskonzepte total geändert: gewaltfrei, am Kindeswohl orientiert, weg von der autoritären Fremdbestimmung, hin zur Selbstbestimmung, aber trotzdem behütet.

So hat sie es gelernt, so hat es sich für sie bis heute bewährt: "Mir ist es wichtig, dass Kinder ihre eigenen Ideen einbringen können und auch lernen sich mal durchzusetzen."

In der Kita Petrusheim können die Kinder frei wählen, wie sie ihre Tage gestalten wollen. Trotzdem hat jedes Kind auch eine feste Gruppe. Als dieses halb-offene Konzept installiert wurde, war Erzieherin Eva gerade neu dabei. Sie hat es mitgestaltet und weiterentwickelt. Gerade betreut sie die Kinder in der Blumengruppe und genießt sehr, wie sich die vertrauensvollen Beziehungen entwickeln. Morgens treffen sich die Blumenkinder in ihrem Raum, mittags wird dort gemeinsam gegessen. Im Entscheidungskreis wählen mittwochs alle aus verschiedenen Angeboten, was sie bis zum Wochenende am liebsten machen möchten – ein bestimmtes Malprojekt z.B. oder "Fair Kämpfen". "Sie sehen, dass sie selbstwirksam sein können. Das ist für Kinder das Wichtigste. Sie sind klein, sie müssen sich selbst ausprobieren." Die gegenteilige Erfahrung macht die 64-Jährige inzwischen immer häufiger. "Es wird zu viel fremdbestimmt. Eltern sind übervorsichtig geworden. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen. Jeder hat einen Perfektionsanspruch, jeder will alles richtig machen. Das eigene Kind muss immer das Beste sein." Auch ihre Kolleginnen und Kollegen nähmen diesen Druck immer häufiger wahr. Und eine weitere Entwicklung, hat sie in ihren mehr als 40 Berufsjahren festgestellt: Die Kinder werden unselbständiger. "Eltern mischen sich z.B. in Konflikte zu sehr ein, dabei sollten sie es eigentlich wertschätzen, dass Kinder untereinander Konflikte austragen. Sie brauchen das." Für Eva Krüger ist das ein ganz wichtiger Prozess, der unbedingt vor der Schule erlernt sein sollte. "Konflikte müssen gewaltfrei ablaufen. Kleine Kinder hauen oder beißen, weil sie noch nicht reden können. Das müssen sie lernen. Jedes Kind muss im Kindergarten auf einen guten Weg gebracht werden. Dann kann es sich in der Schule viel besser mit Lernen beschäftigen, anstatt sich mit dem Lösen von Konflikten herumzuplagen."

Die Basis dafür liegt für sie auch immer in einem christlichen Miteinander. Staatliche Einrichtungen, hat die Erzieherin schnell gemerkt, sind nichts für sie: "Da fühlte ich mich wie in einer Behörde." An eine Geschichte aus ihrer Anfangszeit kann sie sich besonders gut erinnern. Im Kinderheim wollte ein Junge mit einer Stange auf sie losgehen. "Als wir den Konflikt beigelegt hatten, und ich den Jungen abends ins Bett gebracht hatte, fragte er mich: Glaubst du an Gott? Und ich war froh, dass ich geradeaus antworten konnte. Ja." Und plötzlich schießen Eva Krüger Tränen in die Augen. "Wenn man nur wüsste, was aus solchen Kindern geworden ist. Ob er noch öfter solche Antworten bekommen hat? Vielleicht hat es ihm weitergeholfen."

Heute heißen die Kinder Emma, Hannah, Ben oder Jonas. Die Namen haben sich in den vergangenen 40 Jahren natürlich geändert. Aber Eva Krüger lebt und liebt ihren Beruf offensichtlich immer noch genauso leidenschaftlich und intensiv wie am ersten Tag.

Kerstin Walsdorff

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch: