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21.11.2018

In einer Kirche des Reichtums ist Jesus nicht zu Hause
Im Kino: "Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes" von Wim Wenders

Von Roland Wicher


Foto: 2018 CTV/Célestes/Solaris/Neue Road Movies/Decia/PTS ART's Factory

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde in den Medien viel über das Engagement des jetzigen Papsts berichtet. Unlängst fiel er durch Entscheidungen und Äußerungen zum Abendmahl konfessionsverschiedener Ehepaare, Abtreibungen von behinderten Kindern und Regenbogenfamilien auf, die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können. Sie sind zumindest kontrovers.
Zu gleicher Zeit kam der Film des Regisseurs Wim Wenders, noch unberührt von diesen Debatten, in die Kinos. Die folgende Rezension ist zuerst in "Die Kirche" (Ausgabe 24/2018) veröffentlicht worden.

Langsam nähert sich der Blick einer Wolkendecke, die aufbricht. Eine kleine italienische Stadt ist zu sehen – Assisi mit der Basilika San Francesco. Die Fresken aus dem Leben des Heiligen Franziskus werden lebendig, nachgestellt in Stummfilmszenen in flackernden Schwarzweißbildern.

Es ist kein analytischer Film, den der deutsche Regisseur Wim Wenders uns hier zeigt. Differenzierte Betrachtungen der Verhältnisse im Vatikan, der Fortschritte und Rückschläge, der Prozesse in der katholischen Weltkirche sind seine Sache nicht. Wer sich auf den Film einlässt, erlebt einen Gottesmann, der sich die Dringlichkeit der Probleme unserer Zeit zu Herzen gehen lässt und im Licht des Glaubens um Lösungen ringt und Trost spendet. Mit offenem Ohr, klarem Blick, deutlicher Botschaft und großer Hoffnung auf Gott und die Menschen tritt er auf.

Franziskus' Botschaft ist klar. Ausgrenzung und Armut unter Menschen müssen ein Ende finden, um Gottes willen. Die Zerstörung der Natur, des Planeten muss aufhören. Mit Franz von Assisi als Vorbild, wird eine ganzheitliche Vision formuliert. Bilder der durch Plastik vermüllten Meere, der Stürme unserer Tage, die auch als Boten des Klimawandels dargestellt werden, auch der Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer vor Lesbos – sie wirken eindringlich auf der großen Leinwand.

Die Kirche soll sich verändern

Die filmische Qualität, mehr noch aber die zu Herzen gehenden Worte des Papstes, geben den so oft gesehenen Motiven ihre Dringlichkeit zurück. An einer Stelle wird der Petersdom in einer Installation buchstäblich zur Leinwand. Bilder der Not werden auf seine Fassade projiziert. Das Unrecht der Welt überdeckt den Prachtbau. Das passt zu Franziskus' Botschaft, dass Kirche und Welt sich in den Dienst der Veränderung der Verhältnisse stellen müssen. Sie sollen ärmer werden, um das Elend zu besiegen.

Franziskus zeigt eine Fähigkeit zu trauern, die berührt. Beeindruckend ist sein Besuch nach dem Tropensturm Haiyan auf den Philippinen (siehe Foto). Er findet Worte des Trosts, indem er zeigt, dass auch ihm die Worte fehlen. Er vermag es, schweigend zu trauern, den Schmerz nicht wegzuerklären mit vorschnellen theologischen Antworten. Diesen Eindruck macht er auch bei einem Besuch in Auschwitz, befangen in Trauer und wortlos. Ohne große Gesten steht er allein und gebeugt auf dem Gelände des Vernichtungslagers.

Die Macht des Mitgefühls

Wenders' Film macht sich mit starken Bildern und Montagen zum Medium einer Botschaft. Franziskus ist ein Held, ein Einzelner, dessen Gedanken und dessen Geist Raum bekommen. Er wird zugleich als Held der Massen inszeniert. Die Montage von Einzelporträts und Massenszenen könnte unangenehm wirken. Sie erinnert von Ferne an unselige Inszenierungen politischer Herrscherfiguren.

In Wahrheit aber stellt der Film den Papst ausdrücklich als Kontrastfigur zu Potentaten unserer Tage dar. Seine Macht beruht auf Glaube und Hoffnung, auf Mitgefühl und Demut. Auch die Menge besteht aus vielen Einzelnen. Immer wieder nimmt sich die Kamera Zeit für Aufnahmen der Gesichter, der ganz konkreten Menschen, die emotional anrühren. Gefängnisse, Favelas und afrikanische Slums, die UN und der amerikanische Kongress sind Schauplätze solcher Szenen, bei denen viele zusammenkommen, um Franziskus zuzuhören.

Durch eine besondere Vorrichtung blickt Franziskus während der Interviewpassagen direkt in die Kamera, schaut uns scheinbar an. Der klare Blick des Papstes, jede Regung von Humor, Sorge oder Nachdenklichkeit, sie werden in beeindruckenden Porträtbildern eingefangen.

Angesichts der dringlichen Probleme unserer Zeit, sehen wir hier einen Appell und zugleich ein Angebot. Im Kern geht es um den Glauben, der Menschen verbindet, zur Umkehr und zum Handeln ruft.

"Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes" läuft seit dem 14. Juni in den Kinos.

Roland Wicher