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19.8.2018

Seit 60 Jahren – mehr als 10.000 ASF-Freiwillige
Aktion Sühnezeichen feiert 60-jähriges Bestehen

Gründungsaufruf

Aufruf zur Gründung der Aktion Sühnezeichen, verlesen von Präses Lothar Kreyssig am 30. April 1958 auf der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands in Berlin-Spandau.

"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmessbares Leiden der Menschheit verschuldet: Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen von Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern.

Wir haben vornehmlich darum noch immer keinen Frieden, weil zu wenig Versöhnung ist. Dreizehn Jahre sind erst in dumpfer Betäubung, dann in neuer angstvoller Selbstbehauptung vergangen. Es droht, zu spät zu werden.

Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzen, wenn wir selbst wirklich vergeben, Vergebung erbitten und diese Gesinnung praktizieren. Des zum Zeichen bitten wir die Völker, die Gewalt von uns erlitten haben, dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und mit unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun; ein Dorf, eine Siedlung, eine Kirche, ein Krankenhaus oder was sie sonst Gemeinnütziges wollen, als Versöhnungszeichen zu errichten.

Lasst uns mit Polen, Russland und Israel beginnen, denen wir wohl am meisten wehgetan haben.

Wir bitten heute, Deutsche die Deutschen, dass sich um Gottes Willen arbeitsfähige Frauen und Männer aller Stände und Konfessionen bereit finden möchten, je auf ein Jahr nach Polen, Russland oder Israel zu gehen, um dort gemeinsam ein Friedenszeichen zu errichten.

Wir bitten die Regierungen Polens, der UdSSR und Israels, den Dienst " wie viele sich immer dazu bereit finden möchten – nicht als eine irgendwie beträchtliche Hilfe oder Wiedergutmachung, aber als Bitte um Vergebung und Frieden anzunehmen und zu helfen, dass der Dienst zustande kommt."

Berlin (epd). Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) feiert das 60-jährige Bestehen der Organisation Ende Mai mit mehreren Veranstaltungen. Anlässlich des Jubiläums betonte ASF-Geschäftsführerin Dagmar Pruin am Montag in Berlin, dass sich die Organisation auch künftig für eine kritische und sensible Auseinandersetzung mit den Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen engagieren werde.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste war am 30. April 1958 auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter maßgeblicher Mitwirkung des NS-Widerstandkämpfers und evangelischen Christen Lothar Kreyssig gegründet worden.

Vom 25. bis 27. Mai stehen zum 60-jährigen Bestehen eine Tagung, ein Gottesdienst, ein Festakt sowie ein Ehemaligentreffen in Berlin auf dem Programm. Bundesweit sind weitere Veranstaltungen geplant.

Seit der Gründung engagiert sich ASF mit Freiwilligendiensten, Bildungsarbeit und Kampagnen gegen Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsvergessenheit. Dabei setzen sich jährlich mehrere hundert überwiegend junge Menschen in vielen Ländern Europas, den USA und Israel für die Begleitung von Holocaust-Überlebenden sowie für eine inklusive, vielfältige Gesellschaft ein. Zu den Schwerpunkten des Vereins gehöre auch die Auseinandersetzung mit der Vermittlung der NS-Geschichte im Einwanderungsland Deutschland, hieß es. Seit Gründung seien mehr als 10.000 ASF-Freiwillige gezählt worden.

"Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass Deutschland die Verantwortung für seine Geschichte trägt und Geschichtsrevisionismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat", sagte Pruin weiter. So müsse den Überlebenden der Schoah versichert werden, "dass die aktuellen rechtspopulistischen Bewegungen nur von einer Minderheit der deutschen Gesellschaft unterstützt werden", betonte Pruin.

ASF-Geschäftsführerin Jutta Weduwen ergänzte: "Wir sehen in Deutschland und in vielen anderen Ländern, dass Rechtspopulismus, Rassismus und Antisemitismus zunehmen und bis in die Mitte der Gesellschaften wirken." Es bleibe deshalb die Aufgabe von ASF, sich entschieden für Vielfalt, Demokratie und Frieden zu engagieren und menschenfeindlichen und ausgrenzenden Bewegungen immer wieder eine Kraft entgegen zu setzen.

Im Internet: Weitere Infos zum ASF-Jubiläum unter www.asf-ev.de/jubilaeum.

Diese Seite wurde zusammengestellt von

Reiner Kolodziej
Fotos: Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste

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