ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2018

16.7.2018

Ostern – der Staffelstab geht an uns!

von Björn Sellin-Reschke

"In der Kirche ist es immer so schön feierlich! ..." In bunten Buchstaben steht diese Überschrift auf einem Plakat. Darunter zu sehen: der Innenraum einer großen Kirche. Gut gefüllt sind die Bänke. Es sieht tatsächlich nach einem feierlichen Gottesdienst aus. Doch am unteren Bildrand des Plakates geht der oben begonnene Schriftzug weiter: "Na, dann feiert mal schön!" ist dort zu lesen.

Dieses Plakat hing vor über 20 Jahren in der Theologischen Fakultät in einem Seminarraum, wo ich es Woche für Woche sah. Es hat sich mir eingeprägt.

Denn auch ich liebe einerseits feierliche Gottesdienste. Ich liebe schöne Orgelmusik, in den Familiengottesdiensten bunte Aktionen und ein Abendmahl, in dem Gemeinschaft entsteht. Wie schön, wenn der Gottesdienst dann noch auf einen Festtag fällt, wie wir es gerade am Beginn des Aprils mit dem Osterfest erleben.

Auf der anderen Seite provoziert der Schlusssatz. Hier spricht jemand, der mit der Feierlichkeit nicht viel anfangen kann – der sich vielleicht ausgeschlossen fühlt oder dem etwas fehlt, wenn sich Kirche allein auf das Feiern beschränkt.

Und mit dieser Anfrage und Provokation trifft das Plakat tatsächlich einen wichtigen Nerv:

Denn als Christinnen und Christen sollen wir natürlich feierlich Gott loben, wenn wir sonntags zusammenkommen. Wir dürfen mit Begeisterung singen und das Miteinander im Gottesdienst als Geschenk erleben. Aber das darf eben nicht alles sein!

Rembrandt Harmensz van Rijn: Christus zeigt Thomas seine Seitenwunde, 1634 im Puschkin-Museum in Moskau – Bild: gemeinfrei

Denn am Ende des Gottesdienstes sollen wir in die Welt hinausgehen – in die alltäglichen Begegnungen! Und der Segen, der uns am Gottesdienstende zugesprochen wird, gilt damit nicht nur uns und unserem Leben – sondern er gilt auch denen, die unsere Wege in der darauffolgenden Woche kreuzen. Wir sollen zum Segen werden für andere.

Wenn wir feierliche Gottesdienste feiern, aber diesen Weltbezug verlieren, fehlt uns etwas Entscheidendes!

Besonders deutlich wird dies, wenn Jesus noch am Tag seiner Auferstehung zu den Jüngerinnen und Jüngern sagt: "Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!" (Joh. 20,21)

Das erste Osterfest, wie es die Jüngerinnen und Jünger mit dem Auferstandenen erlebt haben, ist für sie keine Stunde des feierlichen Rückzugs. Als sie am Abend des Ostertages zusammen sind, tritt Jesus plötzlich unter sie. Er bringt ihnen Worte des Friedens – aber eben auch einen klaren Auftrag:

Jesus gibt den Staffelstab zum Osterfest weiter!

Was in Jesus lebendig war, soll nun auch in seinen Jüngerinnen und Jüngern lebendig sein.

Und was Jesus von Gott den Menschen weitergab, wird nun mit Ostern zur Aufgabe für sie selbst.

Dieses Jesuswort vom Ostertag begleitet uns im April als Monatsspruch – d.h. durch 30 ganze Tage! Und das ist gut! Denn die österliche Freude gilt nicht nur für das verlängerte Wochenende Anfang April – sondern sie soll weiter wirken in uns bis zu Christi Himmelfahrt!

Zugleich ist uns mit Ostern aber nicht nur Zeit für die Freude gegeben, sondern auch ein ganzer Monat, um uns in dem Auftrag zu üben: Jesus Christus spricht: "Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!"

Wir sollen Friedensboten sein! Wir sollen die Botschaft weitertragen. Der Lebendige steht dabei stärkend hinter mir. Er stärkt mir den Rücken für diese Aufgabe.

Doch – wo fange ich an?

Und was kann ich überhaupt erreichen?

Sind es nicht andere, die über den Frieden und über die Kehrseite – den Krieg – entscheiden?

Was habe ich für einen Einfluss, wenn im eigenen Land die Militärausgaben auf 2% des Bruttoinlandsproduktes steigen sollen, wie es besonders die USA von Deutschland fordern?

Und wie soll ich an dem Irrsinn etwas ändern, wenn etwa in Afrin türkische Soldaten Waffen verwenden, die in Deutschland produziert wurden, während sich auf der anderen Seite Kurden mit Waffen verteidigen, die sie ebenfalls aus Deutschland für den Kampf gegen den IS erhielten?

Der Unfriede in der Welt ist groß! Und im Moment haben wir manchmal das Gefühl, er wächst täglich.

Umso wichtiger, dass wir uns von Jesus gesandt wissen. Umso wichtiger, dass wir uns als Friedensboten verstehen. Dann begehen wir das Osterfest nicht nur mit inniglicher Feierlichkeit, sondern wir fühlen uns von Jesus auf die Startlinie versetzt, von der aus wir neu aufbrechen.

Und wenn Jesus selbst am Ostertag bei denen beginnt, die ihm besonders nahe sind, dann mag uns das ein Hinweis sein, wo auch wir beginnen können als Friedensboten: in unseren Beziehungen und Nachbarschaften, bei den Bekannten und Freunden, bei den Kolleginnen und Kollegen – und auch bei jenen, mit denen wir es manchmal nicht leicht haben.

Jesus stärkt uns dafür den Rücken!

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen,

Ihr Björn Sellin-Reschke