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23.4.2018

"Soziales Miteinander lernen" – unser Lernprojekt in der Mercator-Grundschule ist gestartet
Neues aus der Holzkirche

von Constantin T. Huth

Schauen wir in die Zeitung, finden wir mühelos unsoziale und asoziale Beispiele. Verrohung und Intoleranz, auch beim Sport und auf der Straße und rund um die Uhr im regelmäßigen Fernsehprogramm. Da scheint etwas schief gelaufen zu sein, eine Verhaltenskrankheit zeigt ihr Gesicht.

Wenn wir eine Krankheit hätten, gäbe es auch Medikamente, Ärzte und eventuell auch Heilung.

Aber soziales Verhalten ist keine Krankheit, sondern ein Lernprozess, möglichst früh zu beginnen und niemals zu beenden.

Was verbirgt sich also hinter solch einem oben formulierten Ziel?

Woran können wir überhaupt Erfolge messen?

Wenn alle Kinder in der Schule ruhig und artig sind, nicht widersprechen und brav lernen?

Grafik u. Foto: Holzkirche

Diese Ansprüche gab es sicherlich in der Kaiserzeit bis in die Nachkriegszeit, doch heute im pädagogisch aufgeklärten Zeitalter gelten neue Werte: Mitbestimmung, eigene Meinung haben und auch sagen, wir reden über Gefühle und hoffen auf Einsicht ohne Prügel und Rohrstock. Dazu müssen allen Akteuren, egal aus welchem Kulturkreis sie kommen, die gemeinsamen Werte und Ziele klar sein und dann muss das alles innerhalb eines klaren verständlichen Regelwerkes gemeinsam umgesetzt werden. Dieses muss erarbeitet werden und die Einhaltung auch jederzeit aufs Neue eingefordert werden. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch und da soll auch noch Platz für regulären Unterricht sein.

Wie würde ein Pfarrer in der Kirche reagieren, wenn sonntäglich aus den Reihen Störungen hochbrodeln, wenn der geplante Ablauf nicht mehr eingehalten werden kann? Wenn Verweigerung Alltag wäre, bei gleichzeitiger Anwesenheit. In der Kirche, zumindest bei uns in Berlin, herrscht Freiwilligkeit, dadurch sind Widerspruch und Störungen minimal. Wahrscheinlich war Husten und Niesen während des Gottesdienstes im Rahmen der letzten Grippewelle die größte Störung.

Im Gegensatz dazu die Schule, das Wort Schulpflicht sagt alles, da herrscht verordnete körperliche Anwesenheit. Nigel Williams "Klassen Feind", inzeniert von Peter Stein, hat mich damals in der Schaubühne sehr beeindruckt. Heute gibt es Theaterstücke die deutlicher und drastischer sind – ganz der Realität nachempfunden.

Nicht jede Schule ist ein Kampfplatz, nicht jeder Unterricht Hormon- und Stressgeladen, aber sie ist zumindest immer ein Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Probleme. Und das Burn-out bei den Pädagogen nimmt zu.

Das soziale Miteinander ist eine Sammlung von klaren und auch diffusen, ungeschriebenen Regeln, nicht immer logisch, aber von der Mehrheit eingehalten. Normalität eben. Die Mehrheit weiß wie das geht.

Doch was passiert, wenn Eltern kein gutes Vorbild sind oder einfach nur nicht sein können, da sie es selber nicht gelernt haben. Und was passiert, wenn die Schule und das Personal deutlich überfordert sind mit einer Ansammlung schwieriger Individuen? Dann gerät das System mit all den guten Ansprüchen an seine Grenzen und Sanktionen folgen.

Foto: Holzkirche

Doch Verbote, Strafen, Peinlichkeiten, Blamagen sind oft schon bekannt und fördern nur weiter das nicht soziale Sein mit eigenem Regelwerk. Da bleiben nur wenige Möglichkeiten: dem Druck ausweichen, verschieben oder Gegendruck bilden. Viele Jugendliche sind in den Jahren in unsere Einrichtung gekommen, da sie zu erzieherischen Maßnahmen des Jugendstrafrechts verurteilt wurden. Oft ohne Schulabschluss, oder nach dem MSA "nichts mehr gemacht" und nun im sozialen Hilfenetz verfangen. Wäre das in der Schule besser gelaufen, dann …

Darum sind die Verarbeitung sozialer Informationen, das Reden und Benennen von Gefühlen und die Auseinandersetzung mit Moral unsere Themen. Wir gehen in die Schule um die Defizite zu benennen und Veränderungen vorzuschlagen.

Heilen können wir nicht. Die LehrerInnen können das leider auch nicht, aber vielleicht werden sie etwas durch unser Lernprojekt entlastet und können sich wieder mehr dem Unterricht widmen.

Ihr Constantin T. Huth
für das Team des Holzkirche e.V.