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22.5.2018

Kirche mit Kindern

von Ulrike Labuhn

Liebe Eltern,
seit einigen Monaten hat sich die Kindergruppe GOTT IM SPIEL ganz gut etabliert. Zwischen fünf und zehn Kinder kommen einmal in der Woche aus den 1. bis 3. Klassen und erleben eine biblische Geschichte. Im Anschluss daran spielen sie die Geschichte für sich weiter, und manchmal gibt es auch ein konkretes Bastel- oder Kreativangebot.

Vor einigen Wochen hatte ich das Gleichnis der Perle erzählt (Mt 13,45) und dies zum Anlass genommen, das Thema in der nächsten Stunde weiter auszubauen. Dazu boten sich die "Perlen des Glaubens" an, eine Art Gebetskette, die von einem schwedischen Bischof entwickelt wurde und die man als Armband tragen kann. 18 Perlen in verschiedenen Farben und in einer konkreten Anordung sollen helfen, den Glauben sichtbar und greifbar zu machen, und jede einzelne Perle steht für eine bestimmte Lebensstation.

Da gibt es die große goldene Gottesperle, eine sandfarbene Wüstenperle für die schweren Zeiten, rote Liebesperlen und weiße Ich-Perlen, eine schwarze für die Nacht, eine Blaue für die Gelassenheit usw.

Die Kinder haben anhand der Perlen darüber nachgedacht, ob und wo ihnen heute Gott begegnet ist, was das ganz Besondere an jedem einzelnen ist, wer ihnen heute besonders viel Liebe geschenkt hat oder ob es etwas gab, das sie besonders traurig gemacht hat. Die Diskussion war lebendig und intensiv. Und dann konnten die Kinder die Perlen für ein Armband auffädeln. Selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass dies nach der von mir vorgestellten Reihenfolge geschieht – schließlich hat sich der schwedische Bischof etwas dabei gedacht. Da hat er wohl nicht mit den Kindern gerechnet. Und ich auch nicht. Ich war zunächst irritiert, als das eine Armband fast nur aus roten, das andere aus blauen Perlen bestand. Mmh! Erst einmal habe ich versucht zu korrigieren: "Schaut euch doch mal die Perlen in der Mitte an, macht es doch in dieser Reihenfolge." Diese Ansage blieb erfolglos.

Und dann habe ich die Kinder nach dem Warum gefragt. Und bekam Antworten, die ich hier sehr verkürzt wiedergebe: "Rot ist meine Lieblingsfarbe – ich bekomme immer soviel Liebe geschenkt!" – "In meiner Familie sterben gerade so viele Leute. Erst meine Oma, dann ein Onkel, da brauche ich die schwarzen Perlen, weil ich so traurig bin." – "Ich mach mir ein Muster, ich mag nämlich so eine Ordnung. Aber ich nehm mehr goldene Perlen, weil Gott ja so groß ist." Am meisten hat mich ein Kind berührt, das immer wieder mit Wutausbrüchen zu kämpfen hat: "Also, ich nehme die blaue Perle, am besten gleich mehrere, weil das ist ja die Gelassenheit. Und wenn ich dann mal wieder so ausflippe, dann nehm ich mir einfach das Armband und schwupps, bin ich ganz ruhig."

Diese Reflektiertheit der Kinder und die Tiefe ihrer Gedanken haben mich sehr beeindruckt und ich bin sehr froh, dass ich nicht auf einer Reihenfolge bestanden habe! Auch wenn das mit der Gelassenheit im Alltag noch nicht so ganz funktioniert …

Es grüßt Sie herzlich,

Ulrike Labuhn