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23.4.2018

Wasser des Lebens
Gedanken zur Jahreslosung

von E-Mail


Foto: Michael Busch

Der Weg scheint kein Ende zu nehmen, die Sonne brennt heiß vom Himmel, die Zunge klebt am Gaumen und das Wasser im Rucksack geht auch langsam zur Neige. Wer gerne Wanderungen unternimmt, kennt dieses Gefühl. Und er kennt auch die Fantasien und die Sehnsüchte, die dann entstehen, Bilder im Kopf von sprudelnden Wasserquellen, plätschernden Bächen und erfrischenden Pausen mit kühlen Getränken. Ausruhen und endlich trinken können, ist ein wunderbares Gefühl!

Und wenn sich nach langer Wanderung auch noch ein Panorama vor einem entfaltet, das die ganze Schönheit von Natur und Schöpfung erahnen lässt, dann stellt sich für einen Moment ein Gefühl von tiefer Glückseligkeit ein.

Ein bisschen geht es uns vielleicht auch so am Ende eines Jahres und zu Beginn eines neuen Jahres. Ein Stück Lebensreise mit wunderbaren Augenblicken liegt hinter uns, aber auch mit belastenden Momenten, Abschieden und Durststrecken. Wir stehen an der Grenze, blicken auf das Neue, das sich nur schemenhaft andeutet und nur in Ansätzen erkennen lässt und wir sehnen uns nach diesen Momenten der Glückseligkeit, wo all unser Durst gestillt wird.

Zu Beginn des neuen Jahres schenkt uns das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, einen verheißungsvollen Ausblick auf das Kommende. Der Seher Johannes gewährt uns den Ausschnitt eines Panoramablicks auf das himmlische Jerusalem.

Bis wir diesen Blick haben, müssen wir einen steinigen Weg zurücklegen. Denn wenn wir die Offenbarung, dieses letzte, merkwürdige Buch der Bibel einmal von Anfang an, Kapitel für Kapitel lesen, wenn wir dieses Buch "durchwandern" durch alle Tiefen und Irrgärten der menschlichen Geschichte, wie sie da beschrieben werden; wenn wir dieses Buch Zeile für Zeile studieren, mit seinen Bildern für alle Krisen und Katastrophen, dann werden wir das letzte Kapitel der Apokalypse, wo vom "neuen Himmel und der neuen Erde" die Rede ist, nicht mehr als vergänglichen, vergeblichen Traum empfinden, sondern als lebensnotwendige Erlösung. Nach so vielen dunklen Tälern endlich der Himmel, nach so viel Leid und Tränen endlich befreites Lachen, nicht mehr endende Freude und die Stillung eines großen Durstes. Was für ein Ausblick, was für ein Hoffnungsbild!

Bilder sagen mehr als viele Worte. Bilder laden ein, sie zwingen nicht, sie sind offen. Der Betrachter bleibt nicht außen vor beim "Über-Blick" sondern wird hineingenommen und erhält "Aus-Blicke", hoffnungsvolle Ausblicke, die den Blick weiten und den Himmel schauen lassen.

Bei allem Geheimnisvollen und Unverständlichen bergen die Worte der Offenbarung zutiefst menschliche Sehnsüchte. Johannes spannt einen weiten Bogen von den ersten bis zu den letzten Seiten der Bibel. Dazwischen liegt die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Eine Heilsgeschichte, deren Anfang und Ziel in Gott selber begründet liegen. Gott allein ist der Garant dafür, dass die Geschichte aller, die seine Worte hören und bewahren, auch meine ganz persönliche Geschichte, zu einem guten Ende kommt. Sein Wort ist immer zugleich Tat. So auch sein Angebot: "Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." (Offenbarung 21,6)

Neben dieser metaphorisch, bildhaften Ebene der Jahreslosung 2018 mit seinem trostreichen Ausblick, hat dieses Wort aber auch einen Gegenentwurf in der Realität.

Was wir Mitteleuropäer höchstens auf langen Wanderungen erleben, ist für viele Menschen und vor allem auch für die Armen dieser Welt tägliche Realität. Wasser ist ein kostbares Gut geworden, oft auch zu einem Spekulationsobjekt in den Händen großer Konzerne. Was wir oft sorglos verplempern, ist für viele nicht mit Geld zu bezahlen. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem sterben jährlich über drei Millionen Menschen an unzureichender Wasserversorgung. Die Bilder von Menschen, die mit ihren Krügen und Kanistern in der Schlange stehen, weil sie durstig sind und ohne frisches und sauberes Wasser nicht überleben können, nehmen wir in den Nachrichtensendungen oft bestenfalls im Augenwinkel wahr.

Mitten hinein in dieses Spannungsfeld kommt uns dieses Geschenk der Jahreslosung 2018 gerade recht, denn es macht deutlich, dass wir mit einer Hoffnung beschenkt sind, die auch einen Perspektivwechsel beinhaltet. Ein Perspektivwechsel, der deutlich macht, dass Gott anders ist als unser menschliches Profitstreben, und dass er das, was wir zum Leben brauchen, umsonst für alle sprudeln lässt. Und weil Gott ganz anders ist, können wir auch anders sein: Wir können Menschen sein, die helfen den Durst anderer zu stillen, weil wir verstehen, dass Gottes Geschenk auf das Glück aller abzielt.

Mit der Zusage der Jahreslosung ausgestattet, werden wir auch 2018 durch Dürreperioden und Wüstenstrecken gehen können. Auf allen Durststrecken begleitet uns diese Zusage, dass es umsonst gibt, was wir am meisten brauchen. Eine tröstliche Verheißung für das neue Jahr.

Pfarrer Michael Busch