ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.12.2017

Nachruf auf Sonja Wagner (1954–2017)
"Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat ..."


2010: Sonja (links) bei der Amtseinführung unserer Küsterin Brigitte Klick


2016: Sonja (Mitte) bei der Amtseinführung von Pfarrer Sellin-Reschke

Fotos: Reiner Kolodziej

Wenn sie den Gottesdienst mitfeierte, dann konnte man sich darauf verlassen, dass der Gesang kräftig war.

Wenn sie ein Buffet für ein Gemeindefest vorbereitete, dann tafelte sie gerne opulent; kochte, schnippelte, richtete an, stand stundenlang in der Küche.

Wenn alles getan oder aufgeräumt war, blieb sie auch gerne sitzen, trank noch ein Glas Wein und konnte herzhaft lachen. Sie war eine der Zuverlässigen in der Gemeinde – wenn man sie brauchte, war sie da.

1985 zog sie mit ihrer Familie an den Waltroper Platz, seitdem war sie in unserer Gemeinde engagiert, erst in Giesensdorf und dann nach der Fusion im Jahr 2000 in Petrus-Giesensdorf.

Bald schon nach ihrem Zuzug wurde sie in den Gemeindekirchenrat gewählt. Sie kümmerte sich um die Finanzen der Gemeinde und war im geschäftsführenden Ausschuss. Sie war Mitglied der Kreissynode und stellvertretendes Mitglied im Kreiskirchenrat Steglitz; sie war Vorsitzende des Sachmittelausschusses und arbeitete in der Rechnungsprüfungsgruppe des Kirchenkreises mit.

Hin und wieder ermahnte sie uns Pfarrerinnen und Pfarrer, wenn wir die Antragsgrenzen für Sachmittelzuschüsse nicht im Blick oder Anträge an den Haushaltsausschuss schluderig vorbereitet hatten. Oft staunten wir, wie sie dieses ganze Programm neben ihrer Berufstätigkeit und der Familie noch bewältigte. Denn neben all diesen gemeindlichen Aktivitäten war sie eben auch noch eine kreative, engagierte und neugierige Wissenschaftlerin, der das Schicksal der Menschen, die ihr beruflich begegneten, oft sehr nahe ging.

In Tübingen und Berlin studierte sie Biochemie, am Robert Koch Institut erwarb sie ihr Diplom.

Kraft und Stärke für ihre vielfältigen Aufgaben schöpfte sie aus ihrem Glauben, in ihm war sie tief verwurzelt. Und bereits als junges Mädchen war sie in ihrer Hamburger Kirchengemeinde engagiert und sang bereits damals leidenschaftlich gern.

In der Gemeinschaft Geborgenheit und Wertschätzung erfahren, das wollte sie auch an die nächsten Generationen weitergeben. Sie wirkte bei Kinderbibeltagen und Kinderbibelwochen als tragende Säule mit, erzählte von der frohmachenden Botschaft Jesu, von seiner Gerechtigkeit und seinem Frieden.

Sie bereitete die Gottesdienste zum Weltgebetstag und die Miriams-Gottesdienste mit vor, hielt selber Gottesdienste im Pflegeheim. Unsere Partnergemeinde in Südafrika besuchte sie und im "Partnerschaftskreis Südafrika" war sie ebenfalls Mitglied.

Mit Freude gestaltete sie Adventsandachten und beteiligte sich bei den Kurzandachten in der Petruskirche.

Und gerne erinnern wir uns an das große Taizé-Treffen über den Jahreswechsel 2011/2012 hier in Berlin. Wir haben mit unseren ökumenischen Nachbarn Gäste bewirtet, gesungen, gebetet, gefeiert und sie war ein wichtiger Teil dieses Treffens.

Sie war eine starke und aktive Frau, aber auch eine verletzliche und streitbare, die klar Position bezogen hat. Und sie fühlte sich manchmal verletzt hier bei uns in der Gemeinde.

Ihr letzter Weg war mühsam, aber nie ohne Hoffnung. Im Oktober 2017 ist sie nun gegangen. 63 Jahre ist sie (nur) alt geworden.

"Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.
Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich.
Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich.
Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich."

Dieses Lied sang sie gern. Und so hoffen wir mit ihrer Familie darauf, dass sie nun Heimat und Geborgenheit in Gott hat, dass ihre Sehnsucht zum Ziel gekommen ist und sie mit Frieden umhüllt in Gottes Frieden aufgehoben ist.

Wir danken Gott für dieses Leben, für allen Reichtum der in und mit Sonja Wagner lebendig war, für ihr Zeugnis und ihren Dienst. Sie wird uns fehlen!

Pfarrerin Susanne Peters-Streu
Pfarrer Michael Busch