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15.12.2017

Lichtspiele

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Michelangelo Caravàggio: Geburt Christi mit Hl. Lorenz und Hl. Franziskus (1609) – Bild: gemeinfrei

Kosmische Erscheinungen, in strahlendes Licht gehüllt, sind die Engel, die an Weihnachten die Geburt des Gottessohnes verkündigen. Christus selbst wird als Sonne oder Stern besungen. "Er ist die rechte Gnadensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn ..." singen wir im Adventslied "Macht hoch die Tür".

Michelangelo Caravàggio hat die Geburt Jesu so dargestellt, dass Christus selbst zur Lichtquelle wird. Der Meister der Barockmalerei, der dramatische Kontraste von Licht und Schatten in seinen Bildern liebte, gestaltet die Beleuchtung der Szene so, dass bei genauem Hinsehen eigentlich nur Jesu Stirn der Ausgangspunkt des Lichts sein kann.

Licht ist ein zentrales Bild für das Wirken Gottes, für Jesus. In der Spätantike wurde im Zuge der Durchsetzung des Christentums das Weihnachtsfest auf das Datum der Wintersonnenwende der Römer, "Sol Invictus", gelegt, und so Christus als die wahre Sonne gefeiert. Auch das Bild des "Morgensterns", das sich mit dem Epiphaniasfest verbindet, greift das Motiv des Lichts auf.

In unseren Tagen wird das Fest, wie schon der Advent, als tröstliches, helles, warmes Fest im kalten, dunklen Wintermonat Dezember empfunden und inszeniert. Kerzen, Lichterketten, Adventskränze – sie bringen Helligkeit ins Leben, Stimmungsaufheller mit Docht oder Diode.

Nicht nur Stimmungsaufheller, nicht nur Mittel gegen Symptome ist Christus in der Deutung von Anfang an. Auch in der Bibel ist die Ankunft Christi schon von Anfang an von Licht begleitet.

Der Monatsspruch im Dezember fasst es in dieses Bild:

Finsternis und Tod werden gleichgesetzt, er aber wird nicht einfach Leben bringen, sondern Frieden. Genauer, er wird uns auf den Weg des Friedens bringen. Es ist hier ein alter Mann der jubelt, Zacharias, ein greiser Priester, der selbst gerade einen Sohn bekommen hat, Johannes, der später der Täufer Jesu sein wird. Die Geschichte seines Sohnes und des kommenden Erlösers sieht er verwoben. Es verwirklicht sich das Heil, das die Propheten so lange schon ankündigen. Der Erlöser kommt, strahlendes Licht scheint in der Welt auf. Dabei kommt es ganz und gar auf die Eigenschaften dieses Erlösers an. Er bringt Licht, nicht im wörtlichen Sinne, sondern vor allem als Frieden, als gerechten Frieden, der aus der Liebe Gottes fließt.

In unserem Leben – und unserer Zeit – sind wir oft genug sorgenvoll, und die dunkle Jahreszeit hilft nicht unbedingt. Wir sehnen uns nach Frieden in der Welt, nach Gerechtigkeit und guter Ordnung der sozialen Verhältnisse in unserem Land. Sie stellen sich nicht ohne weiteres ein. Oft denken wir, sie sind fern. Manchmal übersehen wir dabei das viele Gute, das es gibt. Es gibt so viele helfende Hände, so viel Fürsorge und Zuwendung, in Familien, in sozialen Einrichtungen und Initiativen, auch hier bei uns in Lichterfelde, in unserer Kirchengemeinde, in der Stadt, allüberall, im Land und auf der Welt – die guten Nachrichten, sie sind doch die wahren Stimmungsaufheller. Immer, wenn ein Mensch dem anderen hilft, geht das Licht über uns auf.

Zugleich spüren wir die menschlichen Grenzen. In jedem Gebet, in jeder Fürbitte erinnern wir uns daran, dass wir Grenzen haben, und Gott um Dinge bitten müssen, die wir selbst nicht zustande bringen.

Die Bilder von den kosmischen Lichtquellen und den strahlenden Engelsgestalten, die den leuchtenden Gottessohn umgeben, das alles bringt noch etwas anderes ins Spiel. Er ist immer noch größer, noch heller, von ihm geht alles Licht aus. Heute wissen wir von den gewaltigen Weiten des Alls, und Licht und kosmische Strahlen der Himmelskörper ermöglichen es uns, mit Hilfe unserer Teleskope und Hilfsmittel in den Kosmos zu schauen. Gott ist groß und gewaltig. Und doch hat er ein menschliches Maß angenommen, doch ist uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. Von beidem erzählt die Geschichte Jesu in diesen Bildern. Das strahlende Kind, es vereint beides, menschliche Wirklichkeit und göttliche Kraft.)

Darum ist er für uns Sonne, aufgehender Morgenstern, Licht aus der Höhe.

So wünsche ich Ihnen einen gesegneten, ruhigen Advent und ein frohes, beglückendes Weihnachtsfest,

Ihr Pfarrer Roland Wicher