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22.11.2017

"Wickelzeit ist Beziehungszeit" – Krippenpädagogik in unserer Kita
Aus der Kita Lindenhof

Ursel Hentschel

Ein wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens und Erlebens der Kinder in der Krippe ist geprägt von füttern bzw. essen, wickeln, schlafen, kuscheln und spielen. Nach der Eingewöhnung in das Gemeinschaftsleben der Krippengruppe geben diese Rituale und regelmäßigen Handlungsabläufe neben der wichtigen Beziehung zu den Erzieherinnen Sicherheit und Orientierung.

Foto: privat

Über die Gestaltung der Wickelsituation wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Inzwischen wird sie als eine "beziehungsvolle Pflege" verstanden. Es ist einer der wenigen Momente am Tag, in denen das Kind eine Erzieherin ganz für sich alleine haben kann. Neben der notwendigen Köperpflege (Windeln wechseln) steht die Interaktion zwischen Erzieherin und Kind im Blickpunkt, sowie die Selbsttätigkeit/Beteiligung des Kindes. Schon Emmi Pikler (ungarische Kinderärztin) hat in ihrem Konzept auf die " beziehungsvolle Pflege" in der 1:1 Begegnung mit dem Kind hingewiesen.

"Das Kind wird als Persönlichkeit gesehen, die genauso bedürftig wie eigenständig ist. Jede Berührung hat Bedeutung, kann beziehungsfördernd als auch entwürdigend wirken. Säubern, wischen, cremen, pflegen, an- und ausziehen. Ein Kind ist auf das Wohlwollen des Erwachsenen angewiesen, lernt durch die Beziehung, überträgt seine eigenen Erfahrungen auf andere Beziehungen."

In unserer Krippe verfügen die Erzieherinnen über ein großes Einfühlungsvermögen in Bezug auf die Bedürfnisse der Kinder. So gehört es zur Grundeinstellung, mit dem Kind eine Kooperation herzustellen, wenn es Zeit wird zum Wickeln. Das heißt, dem Kind die Handlungsschritte anzukündigen: "Komm, wir gehen jetzt wickeln" Oder " Ist deine Windel voll, lässt du mich mal nachsehen?". Meistens lernen die Erzieherinnen die Vorlieben der Kinder schon in der Eingewöhnung kennen, so z.B. auch die Frage, von wem das Kind am liebsten gewickelt werden möchte.

Soweit es die Rahmenbedingungen ermöglichen, haben wir unseren Wickelbereich in der Krippe so gestaltet, dass die Kinder in die Tätigkeit des Wickelns einbezogen werden durch selbstständiges hinauf- und heruntersteigen über eine Treppe auf die Wickelauflage. Die Pflegeutensilien, wie die neue Windel und ggf. Creme werden bereitgelegt. Andere Utensilien wie Feuchttücher, Waschbecken und Windeleimer sind in unmittelbarer Nähe des Wickeltisches.

Die geschlossene Tür des Waschraumes ermöglicht eine gewisse ruhige Atmosphäre, die eine "beziehungsvolle Pflege" unterstützt. Neben dem Gespräch mit dem Kind können auch Reime oder Sprüche (Sprachförderung) die Handlungsschritte von Pflege und Wickeln begleiten.

Beim Hose runter und raufziehen sind die Kinder altersentsprechend beteiligt. Mit dem Erfolg, diese Tätigkeit alleine ohne Hilfe zu schaffen werden das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit des Kindes gefördert. Zudem ist es eine sehr sinnvolle Koordinationsübung.

Über die Wickelsituation zu Hause tauschen sich die Erzieherinnen mit den Eltern in der Eingewöhnung aus, um dem Kind so viel vertraute Abläufe wie möglich auch in der Kita zu geben.

Uns ist bewusst, dass das Wickeln und die Pflege eines Kleinkindes in der Kita sensible Situationen darstellen, welche die Intimsphäre des Kindes betreffen. Gefühle von Bedürftigkeit, Macht und Ohnmacht liegen nah beieinander. Die Körpergrenzen eines Kindes wahrnehmen und im alltäglichen pädagogischen Ablauf einfühlsam beachten und notwendige Situationen in Kooperation mit dem Kind zu lösen, ist unsere Aufgabe.

Ursel Hentschel

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