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22.11.2017

Kirche mit Kindern

von Ulrike Labuhn

Liebe Eltern,
im letzten "Schlüssel" ging es darum, was ein Gebet eigentlich ist. Heute steht die Frage im Mittelpunkt, wie das nun eigentlich genau geht mit dem Beten und wie Kinder Gott als ein ansprechbares Du erleben können. Das ist gar nicht so einfach. Man kann natürlich einfach drauflosreden oder vorgefertigte Gebete einfach nachplappern – aber das ist ja noch lange kein Dialog mit Gott. Um eigene Worte, um eine eigene Sprache zu finden, die in ein persönliches Gespräch mit Gott hineinführen, ist eine geeignete Umgebung hilfreich. Das kann der Kirchenraum sein oder ein ruhiger Ort mitten in der Natur. Oder mitten im Alltag der Kita das Bilden eines Erzählkreises, das Singen eines Liedes, eine Kerze in der Mitte. Dazu gehört auch eine persönliche Körperhaltung, die zum Ruhigwerden einlädt. Das müssen nicht immer gefaltete Hände sein, das geht auch mit dem Schließen der Augen, den Körper ruhig werden lassen, auf den eigenen Atem lauschen. Dann können wir bereit werden, dann können Worte in uns entstehen, ohne dass wir lange darüber nachdenken müssen.

Es braucht Zeit, eine solche Gebetshaltung mit Kindern einzuüben. Es braucht auch ein wenig Mut, eigene Gebete zu formulieren. Für die ganz Kleinen ist es daher hilfreich, zunächst einmal vorgefertigte Gebete miteinander zu sprechen – das geht ganz gut z.B. mit einem Gebetswürfel oder mit Gebetskarten.

Bild: Gebetswürfel_bartl gmbh

Je jünger die Kinder sind, umso kürzer und prägnanter sollte das Gebet sein. Einfache Worte aus der Erlebens- und Erfahrenswelt der Kinder helfen dabei, dass es sich einprägt, ebenso wie einfache Bewegungen, die das gesprochene Wort unterstützen. Dabei kann es nicht schaden, das gleiche Gebet in jedem Morgenkreis (vor jedem Essen, vor jedem Zubettgehen etc.) für einen gewissen Zeitraum zu wiederholen. So sprechen die Kinder in der Kita Lindenhof gerade das folgende Gebet:

Gott, du denkst daran,
dass alle satt werden:
Fisch im See, Hase im Klee,
Mäuschen im Korn,
Entchen im Teich, arm und reich,
Menschen und Tiere, groß und klein
lädt Gott zum Essen ein.
Allen gibt er Speise und Trank,
für alles sage ich: Gott sei Dank!

Wenn wir mit Gott in einen Dialog treten wollen, dann soll das auch deutlich werden durch die Anrede. So, wie wir andere Menschen mit Namen ansprechen, so sprechen wir auch Gott an – und weisen ihm dabei eine bestimmte Eigenschaft zu: wir nennen ihn den barmherzigen oder gnädigen, den großen oder allmächtigen Gott. Oder wir sagen Vater zu ihm, so wie es Jesus auch getan hat.

Ach Gott, heute ist ein schrecklicher Tag.
Ich habe mich mit meinem besten Freund gestritten,
er war sehr gemein zu mir – und ich war gemein zu ihm.
Kannst du bitte etwas tun, dass wir uns wieder vertragen?

In diesem Dialog dürfen (nicht nur) die Kinder die Gewißheit spüren, dass sie Gott alles sagen können, und dass er sie hört. Ganz besonders dann, wenn etwas nicht klappt, wenn sie traurig oder wütend sind, in der Klage und in der Bitte, dass sich etwas zum Guten ändert. Erwachsene wie Kinder fragen sich: Kann Gott wirklich etwas bewirken und verändern? Haben meine Gebete genug Kraft?

Das Beten führt uns immer wieder an Grenzen. Was ist, wenn ein Kind Gott ganz innig gebeten hat, der kleine Hase möge wieder gesund werden – und dann stirbt er doch! Trotz Gebet! Und obwohl alle gesagt haben: Gott hört dich! Hat Gott nicht richtig zugehört? Bringt das Beten gar nichts? Macht Gott eh, was er will?

Gott, dein Segen ist mit uns
am Abend und am Morgen.
Unter deinem Himmelszelt
bleiben wir geborgen.

Nein, Gott erfüllt nicht alle Bitten und Wünsche. Hier stehen wir als Erwachsene vor der großen Aufgabe, mit unseren Kindern das "richtige" Beten einzuüben. "Richtig beten", das ist eine Frage der inneren Haltung. Das bedeutet, alles sagen zu dürfen, aber von Gott nichts Unmögliches zu verlangen. Das bedeutet, Gebete in eine realistische Richtung zu bringen. Nicht stehen zu bleiben bei der Bitte: "Lieber Gott, lass meinen Hasen wieder gesund werden." Sondern einen Schritt weiterzugehen:

Gott, ich danke dir für diesen Tag!
Für alles Schöne, das ich mag!
Für meine Freunde, fürs Spielen, fürs Essen!
Gott, du hast mich nicht vergessen.

"Und wenn das nicht geht, Gott, dann mach, dass es ihm gut geht, da wo er hinkommt." Jesu hat das im Angesicht seines bevorstehenden Todes nicht anders gemacht. Er hat gebetet: "Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst." (Mt 26,39b).

Guter Hirte, du bist hier,
gibst gut auf mich acht.
Ich singe dir ganz laut mein Lied,
dass es Freude macht.

Das ist wohl die größte Herausforderung beim Beten – mit Enttäuschungen umgehen und wissen, dass beides unaufgelöst und spannungsvoll nebeneinandersteht: der liebevolle und zugewandte Gott ebenso wie der abweisende und unverfügbare. Im Gebet sollte beides Platz haben, die großen Wünsche und Sehnsüchte und das Wissen um deren Begrenzung – getragen von dem Vertrauen darauf, dass Gott trotzdem Wunder tun kann. Es grüßt Sie herzlich,

Ulrike Labuhn