ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

Kirche mit Kindern

von Ulrike Labuhn

Liebe Eltern,
im Sommerurlaub war ich wandern. Jeden Tag bei Sonnenaufgang ging es los und bei Sonnenuntergang gab es nichts anderes zu tun, als müde in den Schlafsack zu kriechen. Jeden Tag der gleiche vertraute Rhythmus – und jeden Morgen noch vor Sonnenaufgang eine Gruppe Pfadfinder im Gebet: sie standen im Kreis, stimmten ein Lied an und baten Gott um seinen Segen für den Tag. Am Abend dann das gleiche Ritual, verbunden mit einem Dankgebet. Ich war sehr berührt davon, bete ich selbst doch eher still und leise für mich, wenn ich unterwegs bin. Andere Wanderer sah ich, die staunend und ehrfürchtig vor der sie umgebenden Schönheit der Natur standen – vielleicht war für sie alleine dieses Staunen schon ein Gebet.

Ja, was ist denn nun eigentlich ein Gebet? Beten, das heißt: mit Gott reden! Es ist der Versuch, mit Gott in Verbindung zu treten, es ist ein Beziehungsgeschehen. In allen Kulturen und Religionen finden wir diese elementare Lebensäußerung, die alle Generationen verbindet. Es beginnt schon bei den Kleinsten, mit dem ersten Schrei des Säuglings. Dieser Schrei drückt Sehnsucht aus: Sehnsucht nach der Brust der Mutter, nach dem Versorgtwerden mit Nahrung. Und Sehnsucht nach Beziehung. Es liegt in unseren Händen, diese Sehnsucht zu erfüllen und eine tragfähige Beziehung aufzubauen, doch gleichzeitig wissen wir, dass wir dabei auch an Grenzen gelangen. Da ist es tröstlich zu wissen, dass wir als Eltern und Erziehende nicht alleine dastehen. Wir bauen Beziehung auf im Vertrauen, dass Gott bereits mit uns in Beziehung steht. Wir dürfen uns immer an ihn wenden, auch und gerade dann, wenn etwas nicht gelingt. Das haben gläubige Menschen immer schon getan und so finden wir in den uralten Psalmen eine Fülle von Möglichkeiten des Redens mit Gott: Da sind Bitte und Klage, Dank und Fürbitte, Lobpreis und Anbetung. Wir bringen mit Worten zum Ausdruck, dass wir nicht aus uns selbst leben, sondern von Gott reich beschenkt sind mit Gaben und Möglichkeiten.

Doch ist das Gebet viel mehr als das gesprochene Wort. Beten, das ist auch Innehalten im Alltag, sich Zeit nehmen zum Überdenken und zur Ruhe kommen. Wird das Erlebte bewusst wahrgenommen, dann bekommt es ein Gewicht. Und mit dieser Haltung des Nachdenkens und Nachspürens können Menschen sich öffnen für Gott und dem Erlebten eine Richtung geben – sei es in Form von Dankbarkeit oder auch Ärger, Wut und Verzweiflung. Im Gebet geben Menschen sich die Möglichkeit, sich dem Leben zu stellen, standzuhalten und von Gott neue Kraft zu bekommen.

Als Erwachsene können und sollen wir Kinder an das Gebet heranführen, ihnen zeigen, dass das Beziehungsgeschehen weit über unsere menschlichen Beziehungen hinausgeht. Gleichzeitig können wir als Erwachsene eine Menge von den Kindern lernen. Wie es gehen kann, von und mit Kindern beten zu lernen, wie Kinder Gott als ein ansprechbares Du erleben können und wie man mit den Enttäuschungen der Kinder umgeht, wenn sich Gebetswünsche nicht erfüllen… darüber können Sie im nächsten Schlüssel mehr erfahren!

Bis dahin dürfen Sie gerne Ihrer eigenen Form des Betens nachspüren.

Es grüßt Sie herzlich,

Ulrike Labuhn