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20.10.2017

Praktikum im Kinder-Jugend-Projekthaus Holzkirche. Wozu?
Neues aus der Holzkirche

von Constantin T. Huth

Bereits seit vielen Jahren bieten wir verschiedene Möglichkeiten für Praktika in unserer Einrichtung an. Oft fragen auch Jugendliche an, ob sie ihr Schulpraktikum bei uns machen könnten. Dieses Praktikum war früher einmal drei Wochen lang, jetzt ist es nur noch zwei Wochen lang, aber immerhin. Auch unser Bundesfreiwilligendienst ist einem Praktikum sehr ähnlich, nur sehr viel länger. Ein Einblick in verschiedene Berufsfelder soll ermöglicht werden und Erfahrungen sollen gemacht werden, aber was können die Praktikanten in der kurzen Zeit wirklich bei uns lernen?

Viele landen bei uns, weil Kaufland und Kaisers nicht wollten und sie nicht weiter als 500m vom heimischen Herd entfernt angefragt haben und die Holzkirche eben auch als Praktikumsort bekannt ist. Natürlich können auch sie bei uns in die "soziale Arbeit" hineinschauen. Wobei eines schon klar ist, das Berufsbild eines Maurers oder Kfz-Mechanikers ist leichter zu erklären.

Lernen in der Fahrradwerkstatt ist natürlich das erste abgefragte Angebot, aber auch im Bücherbasar mitarbeiten, Reparaturen an Haus und Hof vornehmen, auch manchmal an das Telefon gehen und nicht nur HALLO sagen, und vor allem Antworten auf Fragen geben und Fragenstellen. Fragen von Kindern und Besuchern und natürlich versuchen, meine Fragen zu beantworten.

Am 3. Oktober ist Tag der deutschen Einheit, warum ist das ein Feiertag?

Was wird in dieser Einrichtung alles angeboten und wie heißt die Einrichtung mit vollem Titel?

Was müssen die Mitarbeiter hier können oder welchen Beruf haben sie?

Alles unendlich schwere Fragen, wenn ich nur den Ort kenne, aber seine Inhalte nicht, seine gewachsene Struktur nicht, und wenn ich mich nicht vorbereitet habe.

Das ist nicht nur ein Problem der genannten Jugendlichen. Wie oft haben wir schon Aussagen von erwachsenen Menschen gehört, die vielleicht schon oft über unsere Einrichtung geredet haben, aber keine Ahnung hatten.

Nein, wir sind keine Kirche, auch wenn das Gebäude Holzkirche heißt!

Nein, wir sind kein Freizeitheim und bekommen nicht unser Geld vom Bezirksamt durchgereicht!

Nein, ich habe nicht alle Bücher im Bücherbasar gelesen.

In den Jahren haben wir dabei schon viel Erstaunliches über unsere Arbeit gehört, es sind so Sätze wie "Fahrräder reparieren kann doch jeder" oder "hier kann doch jeder arbeiten, der arbeitslos ist" oder "warum ich nichts Richtiges gelernt hätte und hier arbeiten muss" und dann ist noch die Sache mit dem Verein Holzkirche e.V., der ist ja nur für evangelische Christen zuständig (da wird mal eben kurz e.V. mit ev. gleichgesetzt) u.v.m.

Solcherlei Missverständnisse können natürlich leicht besprochen werden, auch wenn mich manchmal das Gefühl beschleicht ganz von vorne anfangen zu müssen mit dem 1x1 des Lebens. Aber eine echte Fehl-Bildung zu verändern oder Desinteresse und Antipathie umzudrehen, das sind wirkliche Herausforderungen, denn festgefahrene Strukturen führen zu immer größerer Abschottung und Gesprächslosigkeit, eine Folge ist dann zum Beispiel auch Politikverdrossenheit. Das sind Probleme, die nicht mit "einfach Schraube festziehen" sofort gelöst werden können, das benötigt auch Zeit.

Das viele Reden und Zuhören, das Fragen stellen und Antworten geben können und das an jedem Tag der Woche, das ist also die eigentliche Arbeit, wobei schon ein Unterschied zwischen Plappern und Sprechen gemacht werden muss. Ganz nebenbei soll dann noch der ganze andere „Kram“ erledigt werden, wie z.B. Müll und Abwasch bewältigen, Reparaturen vornehmen, E-Mails und Anrufe bearbeiten… Dabei sind wir im Alltag dann auch Maurer und Tischler, Stahlbauer, Fahrradmonteure und Buchhändler, Manager und Berater und alles dieses kann im Praktikum erfahren werden.

Das kann also hier gelernt werden, in jedem Alter, mit jedem Vorwissen, mit oder ohne Berufserfahrung. In erster Linie Kontakt zu haben. Das ist soziales Miteinander, das ist soziales Lernen, das ist die soziale Arbeit.

Für das Team des Holzkirche e.V.

Constantin T. Huth

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