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20.10.2017

Vom Verlieren, Finden und von großer Freude

von E-Mail

Schon wieder ist der Wohnungsschlüssel verschwunden; das Portemonnaie, das in der Tasche war, ist nicht mehr da; ein wichtiges Dokument ist verschollen. Nun geht sie los: die Sucherei. Alles wird durchwühlt und auf den Kopf gestellt. Das kann doch gar nicht sein, gestern war doch noch alles da!

Foto: Lehmann (GEP)

Wer kennt sie nicht diese alltäglichen Situationen, die einen in den Wahnsinn treiben, weil sie Zeit und Nerven kosten. Die Erleichterung oder auch die Freude ist oft groß, wenn die verlorenen Dinge wieder auftauchen. Und dennoch würde wohl niemand von uns auf die Idee kommen, den Freundeskreis und die Nachbarn zusammenzurufen, um die Freude über das Verlorene zu teilen oder gar ein großes Fest zu feiern.

Ganz anderes berichtet uns der Evangelist Lukas. Im 15. Kapitel seines Evangeliums erzählt er uns von einer Frau. Sie hat zehn Münzen. Eine davon ist plötzlich weg. Die Rücklage, die Vorsorge, der Notgroschen ist nicht mehr vollständig. Zehn ist zehn. Und wenn eine Münze fehlt, dann sind die Neun uninteressant. Sie sucht, zündet ein Licht im dunklen Haus an, sucht in allen Ecken, bis sie es klimpern hört. Bis der Groschen endlich gefunden ist.

Und nun geht's los: Sie schreit ihre Nachbarn herbei, freut sich, sie jubelt. Alle sollen sich mitfreuen, auch wenn die sich erst mal wundern und erzählen lassen müssen, was da eigentlich los ist. Einige schütteln vielleicht den Kopf über so viel Ausgelassenheit. Wegen einer Münze, so ein Geschrei?

Jesus sagt, wie er dieses Gleichnis verstanden wissen will: Genauso wird Freude sein im Himmel über einen einzigen Sünder, der umkehrt. (Lukas 15, 10)

Dieses Gleichnis ist Teil einer Trilogie: Schafe, Groschen, Söhne, alles kann abhandenkommen, so erzählt es der Evangelist Lukas. In allen drei Geschichten geht es um das Verlieren und das Wiederfinden. Vor allem aber geht es um die Freude, um den suchenden und sich über alle Maßen freuenden Gott.

Und um das Anteilnehmen der Menschen. Das ist offenbar ebenfalls ganz besonders wichtig: Wie die anderen reagieren – skeptisch, nörgelnd, misstrauisch, neidisch, berechnend. Oder eben: freudig oder sogar übersprudelnd. Jesus sucht Menschen, die sich mitfreuen. Und er erzählt das Gleichnis gerade im Blick auf Menschen, die sich schwer tun bei der Mitfreude. Die nicht verstehen können, warum sich Jesus mit solch bedenklichen Leuten abgibt. Warum sich Gott mit solch komischen Kandidaten befasst.

Also: Ein Gleichnis über Gott. Vielleicht eine unscheinbare und alltägliche Geschichte. Aber gerade deshalb wert, gelesen und erzählt zu werden. Weil wir in aller Alltäglichkeit das alltägliche Glück des Gefunden-Seins so leicht vergessen, darum wird uns davon erzählt. Und uns wird davon erzählt, dass wir nicht allein bleiben, wenn wir dieses Glück erfahren.

Die Frau lädt ein – alle Nachbarinnen und Freundinnen. Ihre Freude strahlt aus. So soll es auch bei uns sein, unter uns, in der Gemeinde, im Bus, an der Supermarktkasse – ganz alltäglich. Vielleicht unscheinbar, aber selbstverständlich. Freude teilen. Einander suchen und sich finden lassen.

Das ist dann der Himmel auf Erden. Himmlische Freude in irdischem Gewand. Die Freude über das, was verloren war. Im Gewand einer Frau, die nach einem verlorenen Geldstück sucht. Im Gewand der Freude, die sie teilt. Und dann wird gefeiert.

Gott feiert, wenn wir auf dem Holzweg waren, verrannt, verirrt, im Dickicht des Lebens abhandengekommen und uns dann finden lassen. Von ihm, dem guten Hirten, dem Groschensucher, dem Vater mit dem großen Herzen.

Pfarrer Michael Busch