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25.7.2017

Das Glück vor unserer Haustür
Aus der Kita Petrusheim

"Nö, nicht schon wieder in den Wald", beschwert sich Anouk, " das ist langweilig". Ich lächle gelassen und denke daran, wie begeistert auch sie von unserem letzten Ausflug ins Wäldchen war. Das Glück liegt vor unserer Haustür und so haben meine Kollegin und ich beschlossen, es mindestens einmal im Monat zu besuchen. Wir fahren nur wenige Minuten mit dem Bus, durchqueren die Kleingartensiedlung und den ehemaligen Mauerstreifen. Schon sind wir mitten im Urwald. Die Kinder finden es toll, dass hier keiner aufräumt. "Sieht ja aus wie in meinem Zimmer," scherzt Mika. Auf Sichtweite dürfen sie nun den Wald erkunden und finden so allerlei: Einen großen schwarzen Käfer, der die ersten Sonnenstrahlen genießt, einen stark bemoosten Ast, der uns Auskunft über die Wetterseiten gibt sowie einen alten Ziegelstein. Als ich ihnen die Geschichte vom Osdorf erzähle, das es hier einmal gab, lauschen sie gespannt. Wir schauen uns die Überreste eines Hauses an. Hier haben also "echte Menschen" gelebt, staunen die Kinder. Unser Picknick wird von den Ameisen entdeckt. Sie finden die Muffins genauso lecker wie wir. Als wir die letzten Male da waren, schliefen die Ameisen noch tief und fest. Im Wald erleben die Kinder den Wechsel der Jahreszeiten hautnah. Konnte man im Winter noch tief ins Dickicht blicken, so zeigt sich jetzt das erste Grün. Im Sommer fühlt es sich dann wieder an wie im Dschungel.

Fotos: privat

Manche Kinder kannten das Wäldchen gar nicht. Vielleicht ist es auf den ersten Blick nicht so attraktiv wie der Freizeitpark oder das Erlebnisbad. Dabei sind Naturerfahrungen mit allen Sinnen für Kinder so wichtig. "Die Erfahrung von äußerer Natur ist bedeutsam für die Entwicklung der inneren Natur des Menschen", schreibt der Psychologe Ulrich Gebhard. "Naturerfahrungen können dabei einem grundlegenden menschlichen Wunsch nach Vertrautheit und gleichzeitig nach Neuem und Unbekanntem entsprechen." Wer als Kind Wald und Flur als einen Ort des Glückes und der Freiheit erfahren darf, wird ihn hoffentlich auch als Erwachsener als wertvoll und schützenswert erachten. Aus religionspädagogischer Sicht geht es um nichts Geringeres als die Erfahrung und Bewahrung der Schöpfung.

Leise wie Indianer schleichen wir durchs Unterholz. Überall knackt und raschelt es. Wir lauschen den Vögeln und sind erstaunt, wie viele unterschiedliche Stimmen wir hören.

Glücklich strahlt der dreijährige Leo, als er es ganz allein geschafft hat, über einen Baumstamm zu balancieren. Währenddessen bauen die älteren Kinder eine Hütte wieder auf. Behutsam stellen sie Stock an Stock. Der Streit von vorhin ist vergessen. Jetzt geht es darum, gemeinsam etwas zu schaffen.

Mittlerweile haben die Kinder ein paar Lieblingsplätze. So müssen wir bei unseren Besuchen unbedingt den zotteligen Scottish-Highland-Kühen am Waldrand "Guten Tag? sagen. Der Rückweg führt uns immer am dicken Baumstamm vorbei. Die großen Röhrensteine in der Nähe sind eine tolle Rutschbahn.

"Alles was wir nicht geschafft haben, machen wir beim nächsten Mal", tröste ich die Kinder, die traurig sind, dass wir uns jetzt wieder auf den Rückweg machen.

Corina Schukraft-Wadle

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