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21.9.2017

Vom Tanzverbot am Karfreitag und der bahnbrechenden Osterfreude...

von Björn Sellin-Reschke


Beweinung Christi / Grablegung von Marco Palmezzano, um 1475 (gesehen im Februar 2001 im Wallraff-Richartz-Museum in Köln am Rhein) – Foto: Reiner Kolodziej

[sellin-reschke]Zum Osterfest dürfen manche Themen in den Medien einfach nicht fehlen. Natürlich wird auch in diesem Jahr von den Ostermärschen berichtet, die es – trotz geringerer Teilnehmerzahlen – immer noch gibt. Auch die Mega-Staus finden in den Nachrichten jedes Jahr zu Ostern ihren festen Platz. Und ohne die Berichterstattung vom Petersdom und dem Segen "Urbi et orbi" geht es nicht.

In den vergangenen Jahren blitzte aber plötzlich eine neue Debatte in den Medien kurz vor dem Osterfest auf: die Debatte um das sogenannte "Tanzverbot". Gemeint ist hiermit, dass zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Tagen nicht nur das Tanzen, sondern auch andere öffentliche Veranstaltungen und der Ausschank von Speisen und Getränken eingeschränkt werden. In Berlin betrifft dies (jedenfalls nach dem Gesetz) – neben dem Totensonntag und dem Volkstrauertag – auch den Karfreitag! In anderen Bundesländern kommt der Karsamstag noch hinzu.

Osterfreude für Frühaufsteher

Wer – ähnlich wie die Frauen damals – schon mit den ersten Sonnenstrahlen die Osterfreude erleben will, ist in diesem Jahr am Ostersonntag herzlich zum ersten Gottesdienst um 5.30 Uhr in die Petruskirche eingeladen.

Wir werden erleben, wie die Botschaft der Auferstehung Licht in unser Leben bringt. Im Anschluss an den Gottesdienst wartet ein kleines Frühstück auf Sie!

Alle anderen Gottesdienste zum Osterfest entnehmen Sie bitte der Übersicht.

Björn Sellin-Reschke

Für Menschen, die sich mit dem Gehalt dieser Feiertage nicht mehr auskennen, ist das "Tanzverbot" kaum noch nachzuvollziehen. Die Frage taucht auf, wie sinnentleert solche Regelungen geworden sind, wenn sie nur noch wenigen etwas bedeuten.

Auf der anderen Seite stellt auch die diesjährige Karwoche und das Osterfest wieder eine Einladung dar, den Weg vom Leiden Christi hin zur Auferstehungsfreude von Ostern nachzuvollziehen.

Eine Frau aus der Gemeinde hat einmal zu mir gesagt: "Ich steige am Gründonnerstag mit der Erinnerung an das letzte Abendmahl in die Feiertage hinein, gehe durch Karfreitag und Karsamstag hindurch und komme schließlich beim Osterfest wieder heraus!"

Wer auf diese Weise die Feiertage erlebt und "durchschreitet", für den sind die Regelungen des "Tanzverbotes" nachvollziehbarer. Wer bewusst das Sterbeevangelium am Karfreitag hört oder sich tief in die Lieder und Texte von Bachs Johannes- oder Matthäuspassion versenkt, dem wird kaum danach zumute sein, anschließend die Sektkorken knallen zu lassen oder ausgelassen zu feiern.

In diesem Jahr werden wir durch den Monatsspruch für den April darauf aufmerksam gemacht, wie einige Frauen zur Zeit Jesu diese Tage zwischen Kreuzigung und Auferstehungsfreude erlebten. Die Frauen waren die einzigen, so berichtet die Bibel, die Jesus bis zu seiner Grablegung begleiteten. Sie wollten sehen, wo er hingelegt wurde, um ihn später mit wohlriechenden Ölen zu salben. So kehrten sie vom Grab nach Hause zurück und bereiteten alles vor. Aber dann brach der Sabbat an – für uns: der Samstag – für die Juden aber der wöchentliche Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf. Die Frauen mussten einen Tag ausharren. Einen ganzen Tag lang mit den Bildern und Eindrücken leben, von denen sie am Todestag Jesu geprägt wurden.

Ich stelle mir vor, dass dies ein sehr stiller Tag für sie gewesen sein muss – auch ohne das "Tanzverbot", wie es heute geregelt ist. Ich stelle mir vor, dass die Frauen die Stunden des Sabbats mit viel Schweigen und tiefer Trauer erlebten; aber auch voll der Sehnsucht: Sie warteten auf den nächsten Morgen, um dann ganz früh zu Jesu Grab aufzubrechen.

Und dann ist er da: der neue Morgen. Früh gehen sie los. Und doch kommt alles anders als erwartet. Am Grab Jesu treten plötzlich zwei Männer in glänzenden Gewändern zu ihnen und fragen:

"Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." (Lukas 24,5f.)

Mit dieser Ankündigung werden die Frauen aus ihrer tiefen Trauer herausgerissen.

Mit diesen Worten erleben es jedes Jahr Christinnen und Christen weltweit, dass sie "schließlich beim Osterfest wieder herauskommen", wo sie "am Gründonnerstag mit der Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu hineinstiegen".

"Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden."

Für uns bilden diese zwei Sätze den Monatsspruch, der uns durch den April begleiten soll. Schon zum Beginn des neuen Monats wird uns durch diesen Bibelvers mitgegeben, welchem Ziel wir entgegengehen – auch, wenn Ostern erst auf den 16. und 17. April fällt. Die Verheißung ist dennoch schon da!

Und doch gehen wir in den Gottesdiensten vom Gründonnerstag bis zum Ostersonntag den Weg Jesu noch einmal nach. "Steigen noch einmal hinein und kommen bei der Osterfreude heraus", wie es die Frau aus der Gemeinde formuliert hatte.

Und dann: feiern wir Ostern!!! Und dem einen Tag "Tanzverbot" stehen dann sieben Wochen der Freude und des Feierns entgegen. Denn: Die Osterzeit endet nicht am Ostermontag! Sondern erst zu Pfingsten!

Björn Sellin-Reschke