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21.5.2019

Kraftquelle des Glaubens: Die Lutherbibel 2017
Reformation

Martin Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation in Deutschland. Ihre Wirkung hat sie ganz wesentlich durch Luthers Übersetzung der Heiligen Schrift entfaltet, mit der er 1522 auf der Wartburg begann und an der er bis zu seinem Lebensende 1545 weitergearbeitet hat. Durch Luthers Bibelübersetzung konnten die Menschen in Deutschland die Bibel als Kraftquelle für ihren Glauben entdecken. Das Reformationsjubiläum ist ein guter Anlass, dass wir auf diese Kraftquelle neu aufmerksam werden.

Von Anfang an ein Bestseller

Bis heute ist die Lutherbibel in ihrer Sprachkraft unübertroffen. Und von Anfang an war sie ein Bestseller. Das Neue Testament, das Luther auf der Wartburg übersetzt hatte und das im September 1522 gedruckt wurde, war so schnell ausverkauft, dass schon im Dezember des gleichen Jahres eine zweite Auflage erschien. Seither prägt die Lutherbibel das geistliche Leben, und seitdem entfaltet sie immer wieder ihre Wirkung auf unsere Sprache und unsere Kultur.

Kein Museumsstück

Damit die Bibel Martin Luthers nicht zum sprachlichen Museumsstück wurde, hat die evangelische Kirche sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach revidiert, um sie der sprachlichen Entwicklung und dem Stand der Wissenschaft anzupassen. Dies geschah für das Alte Testament zuletzt 1964 – also vor über 50 Jahren –, für das Neue Testament 1984. Seither ist die Bibelwissenschaft nicht stehen geblieben; man denke nur an die Funde der Bibelhandschriften von Qumran. Deshalb hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland 2010 beschlossen, die Lutherbibel vor dem Reformationsjubiläum noch einmal gründlich durchzusehen.

Nutzen Sie das Jubiläumsjahr für sich und Ihre Gemeinden

Das Ergebnis überzeugt gleichermaßen durch Vertrautheit und Verlässlichkeit. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat den Text der revidierten Lutherbibel 2017 allen Gliedkirchen und Gemeinden zur Verwendung empfohlen. Nutzen Sie das Jubiläumsjahr der Reformation für sich und Ihre Gemeinden, um mit der Lutherbibel 2017 das Vertraute neu zu entdecken. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Bibel Worte und Erzählungen finden, die Sie anziehen, die Ihre Neugier wecken, und die Ihnen hilfreich sind zum Leben.

Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Grafik: Deutsche Bibel Gesellschaft

Was ist neu

Auf der Suche nach einer Übersetzung, die wissenschaftlich präzise und zugleich sprachlich treffend ist, hat auch Luther seine Bibelübersetzung immer wieder geprüft und überarbeitet.

Auf eine sich verändernde Sprache Rücksicht zu nehmen und den Text immer wieder am aktuellen Stand der Forschung auszurichten, entspricht also den ureigenen Übersetzungsprinzipien des Reformators.

Auch die revidierte Lutherbibel 2017 als die vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland empfohlene Bibelübersetzung folgt diesem Grundsatz. Alle biblischen Texte einschließlich der Apokryphen wurden umfassend geprüft und, wenn nötig, überarbeitet.

Änderungen am Text folgten dabei drei grundlegenden Kriterien:

1. Genauigkeit

Die Treue gegenüber dem Ausgangstext ist das zentrale Anliegen der Revision. So wurde die gesamte Bibel anhand der hebräischen und griechischen Urtexte überprüft. Nicht zuletzt die Funde von Qumran haben im 20. Jahrhundert die Erkenntnisse der biblischen Textforschung erheblich vorangebracht. Häufig lässt sich heute die Überlieferung eines Textes mit größerer Exaktheit bestimmen. An anderen Stellen wiederum haben neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Fortschritten in der Textauslegung geführt.

Lutherbibel 1984: Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief.
Lutherbibel 2017: Und siehe, da war ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief.

2. Verständlichkeit

Sprache unterliegt einer ständigen Entwicklung. So haben im Lauf der letzten Jahrzehnte einzelne Begriffe ihre Bedeutung gewandelt oder sind aus dem allgemeinen Wortschatz verschwunden. Missverständliche und unverständliche Begriffe der 84er-Fassung wurden für die Lutherbibel 2017 behutsam angepasst.

Lutherbibel 1984: Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Wehmutter zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben.
Lutherbibel 2017: Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben.

3. Luthersprache

Nach den Versuchen im 20. Jahrhundert, die Bibel nach Martin Luther zu modernisieren, ist es ein Anliegen der Revision 2017, das Profil Lutherbibel wieder zu schärfen. Im Verlauf der letzten Überarbeitungen wurden vielfach ohne inhaltliche Notwendigkeit sprachliche Modernisierungen vorgenommen, die die kernige Sprache des Reformators verstellen.

Lutherbibel 1984: Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
Lutherbibel 2017: Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Ergänzung

Neben den eigentlichen Bibeltexten wurden auch sämtliche Begleittexte und Informationen gründlich überprüft und überarbeitet. Dazu gehören die verschiedenen Zwischenüberschriften, die Sacherklärungen, Landkarten und angegebenen Parallelstellen.

Wie viel hat sich geändert?

Welches Maß an Veränderungen die neue Lutherbibel gegenüber der Fassung von 1984 aufweist, zeigt ein Blick in die Statistik:

Von den rund 31.000 Versen des Alten und Neuen Testaments haben rund 12. 000 Verse, also knapp 40 %, eine Änderung erfahren. Bei den Apokryphen waren es mit rund 3.700 von 4.400 Versen sogar über 80 Prozent. Insgesamt weist die Lutherbibel 2017 also fast 16 000 (44 % Verse auf, die von der bisherigen Ausgabe abweichen.

Die Intensität dieser Veränderungen ist allerdings sehr unterschiedlich: Von geringfügigen Anpassungen in der Zeichensetzung über den Austausch einzelner Wörter bis hin zur vollständigen Neuübersetzung einzelner Verse reicht die Bandbreite der Bearbeitungen.

Präzisieren lassen sich diese Angaben durch einen Vergleich des Wortbestands zwischen der 1984er- und der 2017er- Fassung. Dabei wird deutlich, dass trotz der hohen Zahl veränderter Verse im Durchschnitt nur rund zehn Prozent der Wörter abgeändert wurden. Aufgrund der massiven Überarbeitung der Apokryphen liegt der Wert für Neues und Altes Testament allein sogar bei nur fünf Prozent.

Darüber hinaus ist festzuhalten, dass es sich bei rund einem Drittel der Änderungen um Korrekturen früherer Revisionen handelt. In vielen Fällen erfolgt dabei eine "Rückrevision" zur Fassung von 1545, die nicht nur die Sprache Martin Luthers authentisch wiedergibt, sondern oftmals auch philologisch exakter ist als die letzten Revisionen.

Die Zahlen sind ein Beleg dafür, dass Eingriffe in den Text behutsam und in den meisten Fällen nur punktuell durchgeführt wurden. Die Tatsache, dass sich in fast der Hälfte aller Verse kleine bis größere Änderungen finden, zeigt aber auch, wie umfassend und gründlich die Bearbeiterinnen und Bearbeiter vorgegangen sind.

Bei all diesen Angaben handelt es sich um Durchschnittswerte. Menge und Intensität der Änderungen variieren nicht nur zwischen den Bibelteilen – Altes Testament, Neues Testament und Apokryphen –, sondern auch zwischen einzelnen biblischen Büchern und Kapiteln.

Sonderfall Apokryphen

Besonders umfangreich war die Überarbeitung der Apokryphen. Hier wurde erstmals durchgehend die Textfassung der Septuaginta zugrunde gelegt, die antike Übersetzung der alttestamentlichen Schriften ins Griechische. Dadurch musste in einigen Teilen auch die Verszählung neu erstellt werden. Wie umfassend die Änderungen in diesen biblischen Büchern waren, zeigt ein Blick auf den Wortbestand. Während sich trotz der Vielzahl der veränderten Verse der Wortbestand in Altem und Neuem Testament um lediglich 5 % änderte, lag der Anteil in den Apokryphen bei über 80 %.

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