Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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12.12.2019

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Der theologische Artikel

von Pfarrer Roland Wicher

Salaam, Schalom – im Orient grüßt man sich seit biblischen Zeiten so – Friede. Ja, noch länger, schon die Babylonier und andere Völker im alten Orient kannten diesen Gruß.

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Kurze Formeln enthalten oft wesentlich mehr, als auf den ersten Blick erkennbar. Frieden meint in der hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Streit. Es meint umfassendes Wohl, langes Leben, gute Lebensumstände.

Hier geht es darum, dass Jesus seine Leute ausschickt, als Missionare, um die Botschaft weiterzugeben. Sie sollen von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf ziehen. Offensichtlich spricht das damals in eine Zeit hinein, in der die Jesusbewegung nicht überall wohlgelitten war. Wo man sie aber aufnahm, da wurden sie gut behandelt, als Gäste in Häusern der Freunde ihrer Lehre. Der Friede, der dort herrschte, Schutz, ein Dach über dem Kopf, eine Mahlzeit, meinte eben mehr als das Fehlen von Feindseligkeit. Gastfreundschaft, Willkommen. Im Grunde wünschen die Gäste mit dem Gruß das, was sie selbst dann erfahren.

Es gibt viele Gelegenheiten, guter Gastgeber, guter Gast zu sein. Wir sollten ein gastfreundliches Land sein für Menschen aus anderen Ländern. Wir wünschen uns von Gästen, dass sie im Geist des Friedens kommen. Sich in unseren Breiten mit "Schalom" zu grüßen hat eine gewisse Künstlichkeit. Aber der Gedanke ist richtig. Eine Friedenskultur, eine Kultur der Gastfreiheit, die auf Gegenseitigkeit beruht, eine Kultur des Austauschs im guten Sinne des Wortes, das wäre viel wert. Es gibt sie zum Teil, zum Teil muss für sie auch mit friedlichen Mitteln gestritten werden.

Auf dem Kirchentag wird das Thema, auch das der Migration und Flucht, sicher eine große Rolle spielen. Zugleich sind wir im Mai Gastgeber und es gibt viel zu tun. Wenn Sie sich einbringen möchten, ist das sehr hilfreich. Wen Sie ansprechen können, erfahren Sie im Gemeindebrief. Manche bieten ihr eigenes Quartier an, andere helfen, dass die Schulturnhallen gastliche Orte werden. Aus der ganzen Republik und aus aller Menschen Länder kommen Christinnen und Christen und andere, die den Kirchentag erleben oder mitwirken möchten.

Das Reformationsjubiläum ist da ein Anlass, daran zu erinnern, dass Christentum, dass gerade auch evangelische Kirchen weltweit existieren. Das gerade auch deshalb, weil Christinnen und Christen an vielen Orten in Frieden kamen und im Frieden aufgenommen wurden und werden. Ein solches friedliches Christentum muss man heute bewahren und stärken. Es hat im Sinne des biblischen Friedensgedankens dann eben über die Abwesenheit von Krieg hinaus – und Waffenruhen sind ja viel wert – auch wirtschaftliche und ökologische Verhältnisse im Blick. Um die Probleme unseres Planeten anzugehen, braucht es viel Begegnung. Und Begegnung setzt Gastfreundschaft und setzt friedfertige Reisende voraus, braucht Begegnung von Menschen, die sich vorher nicht kannten.

Friede diesem Haus! Das kann ein Wunsch sein, der schon bei nachbarschaftlichen Begegnungen ausgesprochen oder gemeint ist. Heute sind zugleich auch Menschen auf der anderen Seite der Welt auf eine Art unsere Nachbarn. Sie arbeiten für uns und wir für sie. Nachbarschaft endet nicht an der nächsten Straßenecke.

Ihr Roland Wicher

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