ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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25.3.2019

Zur Jahreslosung für das Jahr 2017
Der theologische Artikel

von Pfarrer Björn Sellin-Reschke

Liebe Gemeinde,
es gibt Diagnosen, die möchte kein Mensch hören. So z.B. eine Diagnose wie diese: "Ihr Herz ist nicht aus Fleisch und Blut... Sie haben ein Herz wie aus Stein: verkrustet, verhärtet – ein Herz, das sich völlig verschlossen hat!"

Foto: Wodicka (GEP)

Eine solche Diagnose stellt Gott im Buch Hesekiel. Er hat die Herzen seines Volkes Israel geprüft und kommt zu dem Ergebnis: "Sie sind wie aus Stein!" Und wenn es Gott ist – und nicht unser Kardiologe – der eine solche Diagnose über die Herzen stellt, dann wird deutlich: Hier ist nicht das Herz als Muskel gemeint! Wenn im Alten Testament vom "Herzen" die Rede ist, dann wird in ihm auch der Ort gesehen, von wo aus der Mensch sein Tun und Handeln bestimmt. Das Herz ist Ort der Entscheidungen – und damit ausschlaggebend für die eigene Identität.

Aber die Gottes-Diagnose über die Herzen ist im Buch Hesekiel erschütternd! Über 30 Kapitel dieses Prophetenbuches sind davon geprägt, dass Gott seinem Volk vor Augen hält, wie es sich immer weiter von ihm entfernt hat. Die Folgen sind politische Verwirrungen und Kriege und schließlich die Verschleppung des Volkes Israel ins Exil. In dieser Situation schreibt auch der Prophet Hesekiel die Worte unserer Jahreslosung.

Aber nun hat sich Gott entschieden, dass er selbst die Wende herbeiführen will. Und er kommt zu dem Ergebnis: Da hilft kein einfaches Medikament mehr! "Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!", so spricht Gott.

Denn sein Ziel ist es, dass die Menschen endlich Gefallen an seinen Geboten finden. Die Herzen sollen sich nicht länger gegen die Weisungen Gottes sträuben oder sie als Last empfinden. Mit einem neuen Herzen – so Gottes Hoffnung – werden die Menschen aus seinen Geboten heraus leben und handeln.

Betrachtet man diesen Hintergrund der Jahreslosung, so stellt sie also nicht nur eine Zusage Gottes dar, sondern sie ist auch eine Anfrage: Wie sieht es aus mit meinem Herzen? Ist mein Herz lebendig in seinem Suchen nach Gott? Schlägt mein Herz dafür, Gottes Liebe in die Welt zu tragen? Oder gibt es auch bei mir Verkalkungen, Verkrustungen und Versteinerungen? Welche Diagnose würde Gott bei mir stellen?

Nach solchen kritischen Selbstbefragungen könnten wir nun – gerade zum Jahreswechsel – wieder einmal "gute Vorsätze" beschließen. Aber wie oft sind wir schon mit solchen Besserungsvorhaben in unserem Leben zum Jahresbeginn gescheitert? Wie gut, dass die Jahreslosung mich deshalb darauf aufmerksam macht: zunächst ist es Gott selbst, der mir einen neuen Anfang schenken will! Ein neues Herz, einen neuen Geist! So möchte mich Gott von Grund auf neu ausstatten.

Warum Gott das macht und mich in dieser Weise neu ins Leben schickt, hat einmal der katholische Theologe Hans Küng treffend so beschrieben:

"Gott will mehr!
Gott beansprucht nicht nur den halben, sondern den ganzen Willen (...).
Er will nicht nur gute Früchte, sondern den ganzen Baum.
Nicht nur das Handeln, sondern das Sein.
Nicht nur etwas, sondern mich selbst,
und mich selbst ganz und gar!"

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Björn Sellin-Reschke