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23.7.2019

Advent, Advent … und wie geht es weiter?
Neues aus der Holzkirche

von Constantin T. Huth

Foto: Constantin Huth

Die Schlagzeilen vieler Nachrichten und TV Programme sind oft eine Anhäufung von Bedrohungen, Neid, Mord, Krieg, Flucht und Zerstörung. Wer regelmäßig den Medien folgt, kann dabei nicht übersehen, dass es schon ruhigere Zeiten gegeben hat. Eine Zeit voller Verunsicherung neigt auch immer zu Übertreibungen, wobei eine Inflation von Zahlen und Ereignissen eben auch viel Verwirrung übrig lässt. Die großen Sprüche von Trump, Erdogan oder Putin will ich nur kurz erwähnen, auch Pegida, AfD und IS fallen mir natürlich ein, alles auch Zeitgeist und Einfluß, aber echte Orientierung finden wir so leider nicht.

Gibt Weihnachten Orientierung?

Für die Einen mit Sicherheit, die sich in der Kirche sammeln und sich auf das Fest und die Tradition freuen, aber es geht mir nicht um die, die sich ihrer Sache sicher sind. Ich schaue auf die zunehmend Schwankenden, die ihren Wohlstand nicht empfinden, sondern sich verunsichert fühlen bei unserer schnellen Fahrt in der Fortschrittsachterbahn.

Wir alle brauchen Orientierung, aber besonders Kinder und Jugendliche. Ich sehe bei bestimmten Jugendlichen ein zunehmendes Desinteresse an den aktuellen Lebensthemen, weder Schule, eigene Gefühle, noch Zukunft stehen im eigenen Mittelpunkt, einzig die Frage:" Bin ich online, bin ich dabei", wobei auch immer. Der Blick in einen U-Bahn- Waggon zeigt das neue Bild des Menschen: Blick gesenkt zum Smartphone, oft noch abgeschirmt durch Kopfhörer.

Natürlich gibt es auch die Anderen, aber das beschriebene Bild ist täglich zu sehen.

Es geht auch zu Weihnachten, eigentlich einer Zeit der Ruhe und Entspannung, schon lange nicht mehr nur um Einkehr und kleine Freuden schenken, es heißt jetzt "die größte Freude ever". Der größte Weihnachtsbaum, die schönsten und teuersten Geschenke. Und so wird wieder das Fest des größten Konsumrausches gefeiert und dann folgt auch gleich Silvester, das Durchdrehen der größtmöglichen Spaßhaber mit Polenböllern im Superformat und Tinnitus bis in den Frühling. Und dann wieder hinein in das übliche Jahresgeschehen.

Auch ich kann nicht mehr einfache, klare und schnelle Entscheidungen treffen zwischen all den supertollen Angeboten und Informationen, was soll ich dann erst Menschen raten, die meine Hilfe zur Orientierung nötig haben? Der beste Rat ist vielleicht "Lasst es sein und wartet ab", denn das heute beste Smartphone ist in fünf Minuten sowieso nix mehr wert. Jede neue Nachricht gleich wieder überholt. Und diese vielen täglichen Informationen ohne echten Inhalt, wo bleibt da die Orientierung?

Was ist richtig, was ist falsch? Eine immer währende Frage. Ich weiß es mittlerweile meist aus einem gewachsenen 55-jährigen Bauchgefühl vermischt mit Erfahrung. Das ist nicht sehr professionell, aber nach vielen Jahren doch sehr erfolgreich. Dem glaube ich, mir glaube ich.

Auch wenn es immer schwerer wird, dürfen unsere Ansprüche an ein gemeinsames Miteinander nicht sinken, 25 Jahre arbeite ich jetzt in der Holzkirche und das heißt, auch oft gegen den Strom die Werte einer Zivilgesellschaft hochhalten, die sich teilweise selbst nicht mehr über diese Werte einigen kann.

Vielen Jugendlichen fehlt es nicht an materiellen Gütern, sondern an Orientierung.

Das wäre ein passendes Geschenk.

Wir brauchen mehr Gespräche, auch über die Gräben der Unterschiede hinweg. Gerade die Gespräche auch mit Andersdenkenden bringen uns weiter, wer eine Meinung hat, möge sie ausdrücken. Nicht allein als Parole gegen die jeweils anderen, sondern als Aufforderung zur Auseinandersetzung mit Inhalten. Das erfordert Energie immer wieder, das gibt aber auch Energie zu immer neuen Gedanken zu kommen. Das führt zu Orientierung; nutzen Sie die Weihnachtszeit dafür, verschenken Sie Ihre Gesprächsbereitschaft an Ihre Mitmenschen.

Bei ihrem Abschied schrieb mir Susanne Peters-Streu: "Ich danke Dir für die Energie bei deiner Arbeit mit den Menschen am Rande". Ich habe viel darüber nachgedacht, wo der Rand und wo der Mittelpunkt ist. Es ist immer eine Frage des Standpunktes, also eines Orientierungspunktes. Den habe ich in den vergangenen 25 Jahren mit Sicherheit gewonnen, und das ist die Gewissheit, nicht am falschen Ort und nicht mit den falschen Menschen gearbeitet zu haben, hier war ich und hier bin ich und das war und ist auch weiterhin gut so. Die Gespräche gehen weiter…

Ich wünsche uns weitere friedliche Jahre mit interessanten Gesprächen in kleinen und großen Runden, nicht nur zur Weihnachtszeit.

Ihr Constantin T. Huth und das Team des Holzkirche e.V.

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