ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.7.2019

Zum Monatsspruch für den November
Der theologische Artikel

von Pfarrer Roland Wicher

Liebe Gemeinde,
wenn es Nacht wurde, zündete man ein Licht an. Eine Öllampe, ein Talglicht, Fackeln, oder das Herdfeuer beleuchtete in alten Zeiten die Wohnung. An vielen Orten ist das auch heute noch so. Die Verfügbarkeit elektrischen Lichts ist zwar weit verbreitet. Aber durchgängiger Strom, vierundzwanzig Stunden am Tag, ohne nennenswerte Pannen, das ist doch eine ziemlich hochstehende Errungenschaft. In manchen Großstädten dieser Welt kann man seine Uhr danach stellen, dass zu bestimmten Zeiten in einem Stadtviertel der Strom abgestellt wird, um das Netz nicht zu überlasten.

Kerzenstilleben (Georg Flegel 1566 – 1638) – Bild: gemeinfrei

Das Anzünden des Lichts, der Kerze, das Hüten des Feuers, es hat oft auch religiöse Bedeutsamkeit. Im Judentum gibt es den Chanukka-Leuchter und die Menora, deren Kerzen in genau festgelegten Ritualen angezündet werden. Auch werden der Sabbat und religiöse Festtage abgeschlossen mit einem abendlichen Ritual, bei dem eine Kerze angezündet wird und ein Becher Wein oder ein anderes Getränk getrunken wird. Hier wird die Schwelle zwischen dem Heiligen und dem Alltag markiert, Segensworte werden gesprochen und abschließend wird die Kerze mit etwas Wein wieder gelöscht.

Licht hellt unsere Stimmung auf, Kerzen gelten als besonders stimmungsvoll. Nicht umsonst spielen Kerzen daher schon sehr lange eine Rolle in gottesdienstlichen Abläufen. Der Dunkelheit wird das warm leuchtende Feuer entgegengestellt. Das kleinere Feuer, die anfänglich kleine Flamme wird größer, heller. Man hat das Gefühl, das Licht breitet sich im Raum aus. Es lässt einen besser sehen, besser erkennen, was um einen ist.

Auf die Prophetie nun sollen die Christinnen und Christen achten, und es schützen, es hüten, wie ein Licht in der Dunkelheit. Die Szene spielt sich in uns ab, in unseren Herzen. Das innere Licht, das uns erleuchtet, es ist das Licht Gottes, das Christuslicht. Bei einer Taufe wird die Taufkerze des einzelnen Täuflings am Christuslicht, an der großen Kerze angezündet, die die Gegenwart Jesu selbst zeichenhaft darstellt. So ist das kleine, innere Licht wie ein Abglanz des kommenden Tageslichts, das der Morgenstern ankündigt.

Es wird hell, am Ende der Zeiten. Christus kommt, sein Friede kehrt ein, in die Welt und in die Herzen. In dieser Erwartung lebte der Schreiber des 2. Petrusbriefs, der sich gleichsam als Testament des Apostels Petrus gibt. Er rechnete damit, dass der Tag Gottes kommt. Es gab andere, die bestritten das. Bald ein Jahrhundert bestand die Jesusbewegung jetzt schon, und die erste Generation der Jüngerinnen und Jünger lebte nicht mehr. Manche waren eines natürlichen Todes gestorben, andere, Petrus und Paulus etwa, waren hingerichtet worden. Gottes Reich war nicht angebrochen. Zwei Wege taten sich auf. Festhalten an der Prophezeiung, Hoffnung haben darauf, dass alles sich ändern werde, oder die ganze Zukunftshoffnung als Irrweg betrachten. Petrus aber erwartete einen neuen Himmel und eine neue Erde, "in denen Gerechtigkeit wohnt".

Klug scheint mir, dass das Bild von dem Licht, das gehütet werden muss, ein inneres Licht meint. Klug, dass auch das Licht, das uns scheint, wenn Gott zu den Menschen kommt, als inneres Licht beschrieben wird, das in die Herzen scheint.

Wenn im November öfter Kerzen angezündet werden, wenn die Martinsfeuer brennen, und Wärme und Licht uns das Herz wärmen, dann hellt das die Stimmung auf. Während es dunkler und kühler wird, genießen wir das besonders. Auch die Grablichter, die jetzt, Ende des Jahres, auf den Friedhöfen sichtbarer sind, bringen etwas Leben, Wärme und Trost dahin, wo Trostlosigkeit und Trauer Menschen bedrücken. Weit ist die Advents- und Weihnachtszeit nicht mehr, in der wir mit vielen Kerzen die Ankunft Jesu feiern. Es wird heller in den Herzen. All dieses Licht ist ein Vorschein und Anzeichen des strahlenden Lichts der Gerechtigkeit und des Friedens, das Gott für die Welt vorgesehen hat. So sind wir aufgerufen, das Licht in uns zu hüten, die kleine Flamme, die Flamme der Gerechtigkeit, des Trosts, der Friedfertigkeit, der liebevollen Zuwendung zu Anderen.Wenn Sie in diesen Tagen eine Kerze anzünden, denken Sie auch an dieses innere Licht, mit dem wir die Welt ein wenig aufhellen "bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen".

Ihr Pfarrer Roland Wicher