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16.1.2019

Gedanken nach der Arbeit
Neues aus der Holzkirche

von Constantin T. Huth

Foto: Constantin Huth

Immer, wenn ich abends mit dem Auto oder dem Fahrrad von der Holzkirche nach Hause fahre und vom Ostpreussendamm in die Giesensdorfer Strasse einbiege, sehe ich ein Holzkreuz am Fuße eines Baumes, manchmal sogar umrahmt mit Blumen, die aus dem Boden sprießen, je nach Jahreszeit. Zuerst war da kein Holzkreuz, nur Schnittblumen und eine Kerze, dann folgte mehr. Mittlerweile ist dort ein kleines Mahnmal entstanden.

Zwischenzeitlich hatte ich schon gedacht hier kümmert sich niemand mehr, alles war leer, es ist die Zeit, die alle Wunden heilt, aber nun ist das Kreuz wieder da.

Lange habe ich mir Gedanken über den Verlauf des Unfalls an dieser Stelle gemacht, nachdem ich auch noch durch Zufall im Jahr 2013 die kurze Notiz in der Zeitung gelesen hatte. "30jähriger stirbt auf der Rückbank…" Der Fahrer überlebte anscheinend, waren da noch andere Insassen?

Die Betroffenen werden es wissen, die Freunde, und auch der Fahrer der überlebt hat, aber besonders die Eltern des Verstorbenen.

Ich weiß es nicht so genau, ich bin eigentlich unbeteiligt.

Ich sehe nur seit meiner gefühlten Ewigkeit diese Stelle des Unfalls und denke an meinen jetzt fast 22-jährigen Sohn und hoffe, er möge nie in einen Unfall verwickelt werden.

Ich denke an die Eltern, wie gehen sie heute mit dem Verlust um, und ich fahre weiter.

Was denkt der Fahrer/die Fahrerin heute?

Ich denke darüber nach, wer die Idee mit dem Kreuz und den angepflanzten Blumen hatte und ob nicht der Bezirk mahnt, dass es dafür keine Genehmigung geben würde.

Wenn das jeder machen würde! Ja, was dann?

Ja, dann würden mehr Menschen und auch mehr Jugendliche bei ihren ersten Fahrten im Auto daran erinnert werden, wie schnell ein Leben beendet sein kann, wie schnell ein Leben belastet werden kann. Mit dem Auto, mit dem Motorrad oder Moped oder Fahrrad, aber auch zu Fuß. Mehr Mahnung schadet nicht, mehr Nachdenken auch nicht.

Wer bewusst durch die Stadt fährt, sieht öfter solche Zeichen der Trauer, hier ein weißes Fahrrad, dort ein Foto oder dort ein Kreuz. Es sterben im Straßenverkehr viele Menschen, der Einzelfall, das Einzelschicksal wird schnell vergessen, wenn da nicht diese Zeichen wären.

Ich weiß nicht, ob die Insassen des Unfallfahrzeugs betrunken waren oder zu schnell um die Kurve donnerten. Es ist mir auch egal. Für mich zählt immer, an des Messers Schneide erinnert zu werden, und ich fahre danach immer sehr viel gemütlicher und bedachter nach Hause.

Ich wüsste nur gern, was andere Menschen denken, die diese Mahnstelle auch wahrnehmen.

Und wenn Sie eigentlich nicht so genau wissen, wovon ich spreche, gehen Sie ruhig mal zu dieser beschriebenen Stelle oder schauen Sie sich nach ähnlichen Mahnmalen des Alltags um.

Mahnmale gibt es viele, aber sehen wir sie auch?

Ihr Constantin T. Huth

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