Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.11.2019

Zum Monatsspruch
Der theologische Artikel

von Pfarrer Björn Sellin-Reschke


Foto: GEP

Unzählige Male habe ich ihn inzwischen gesehen: den Zeichentrickfilm: "Der Prinz von Ägypten". Unzählige Male habe ich ihn als Einstieg benutzt, um mit Viertklässlern in die Geschichte hineinzufinden, die von Mose handelt und dem Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei. Da ist in dem Film zu sehen, wie Mose am brennenden Dornbusch von Gott berufen wird... die Plagen und der Streit mit dem Pharao kommen vor... die Einsetzung des Passahfestes und schließlich die Szene, wie das Volk am Schilfmeer gerettet wird.

Und obwohl dieses gute Ende ja bekannt ist, so berührt es mich jedes Mal aufs Neue! Nicht nur für Kinder wird es deutlich bei diesem Filmende, was es heißt, "gerettet" zu sein, wenn man zuvor unter Gewalt gelitten hat und verfolgt wurde.

Nach dieser Rettung stimmt Mose einen Lobgesang für Gott an und in ihm erklingen auch die Worte: "Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden." Ein Lied der Erleichterung, der Befreiung, der Freude.

Doch auch Moses Schwester Mirjam, die an dieser Stelle "Prophetin" genannt wird, singt ihr Loblied auf Gott. Sie nimmt ihre Pauke zur Hand, singt ganz ähnlich wie Mose von den herrlichen Taten Gottes. Und mit weiteren Frauen tanzt sie einen Freudentanz.

Von dieser Mirjam abgeleitet, gibt es in vielen Kirchengemeinden inzwischen die Tradition, einen "Mirjam-Sonntag" im Kirchenjahr zu begehen. Auch hier in unserer Gemeinde Petrus-Giesensdorf gab es solche Sonntage schon, die ganz bewusst eine Frau der Bibel in den Mittelpunkt stellen.

Mirjam und Mose: beide sind sich einig darin, dass man Gott ein Loblied anstimmen muss – nach dem, was sie erlebt haben. Lesen wir jedoch in der Bibel ein Stück weiter und schauen auf das, wofür Gott im einzelnen gedankt wird, dann werden wir manche Lobesworte nur schwer mitvollziehen können: Gott wird hier als "Kriegsmann" bezeichnet. Von dem "Schwert Gottes" singt Mose. Und von Mirjam und Mose wird Gott gleichermaßen gelobt dafür, dass er die Verfolger – "Ross und Mann" – ins Meer stürzte: sie also ertranken!

Mit einem solchen Gottesbild haben wir gewöhnlich unsere Schwierigkeiten. Muss denn die Befreiung der einen, automatisch den Tod der anderen bedeuten? Kann Gott solche Konflikte denn nicht anders "lösen"? so fragen wir.

Vielleicht aber haben die Israeliten sich damals auch schon andere Lösungen gewünscht. Schließlich wird von Mose erzählt, wie oft er vor dem Pharao die Strategie der Diplomatie verfolgte.

Und so verstehe ich die beiden Lobgesänge nach dem Ereignis am Schilfmeer auch nicht als Triumphlieder. Nicht die Häme gegenüber den Feinden wird hier herausgestrichen... kein "Geschieht-euch-recht-so!" wird besungen.

Die Loblieder von Mirjam und Mose bezeugen vielmehr eine tiefgegründete Ehrfurcht vor Gott. Nach allem, was sie mit ihm erlebten, haben sie einen Eindruck von Gottes Erhabenheit und Majestät gewonnen.

Gleichzeitig aber haben sie neben dieser gewaltigen Seite Gottes auch seine wundertätig-erbarmende Nähe und Zuwendung erlebt. Gott ist ein Gott, der sich auf die Seite der Bedrückten stellt. Er sieht das Leid. Er nimmt sich der Leidenden an und will sie ins Leben zurückführen.

Diese beiden Pole, die in den Lobliedern von Mose und Mirjam einerseits Gottes Größe bezeugen und andererseits den Dank für die erfahrene Hilfe ausdrücken, geben den Charakter eines Bekenntnisses ab.

Und vielleicht nähere ich mich persönlich dem Monatsspruch am besten dadurch, dass ich für mich überlege:

Was muss passieren, damit ich ähnlich ehrfurchtsvoll Gott besinge, ihm danke für seine Hilfe in meinem Leben und ihn als MEINEN Gott bekenne?

Kann ich heute schon einstimmen in dieses Staunen des Mose über Gott?

Wann kann ich Gott "mein Lied" nennen und wann sage ich zu ihm: "Du, Gott, bist für mich zum Retter geworden!"?

Die kommenden Wochen dürfen mich diese Überlegungen begleiten, wann immer mir der Monatsspruch begegnet.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Pfarrer Björn Sellin-Reschke

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