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17.7.2019

So fern und doch so nah
Frühjahrstagung der Kreissynode befasste sich mit "Reformation und die Eine Welt"

Für ihre Teilnahme an der Synode überreicht Präses Röcke den ehemaligen Freiwilligen des Berliner Missionswerks eine CD mit Chorgesang der Dreifaltigkeitsgemeinde – Foto: Ulrike Bott

Am 22. und 23. April tagte das Parlament des Kirchenkreises Steglitz zum fünften Mal innerhalb der aktuellen Legislaturperiode. Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum setzten sich die Synodalen unter anderem mit dem aktuellen Themenjahr auseinander.

Gospelmusik, Eindrücke von einer Partnergemeinde in Ramallah und Sozialarbeit in Chile: Bereits der Auftaktgottesdienst zur Kreissynode am Freitagabend führte die Synodalen ins Weite. Um das evangelische Verständnis der Einen Welt sollte es bei dieser Synodentagung gehen, und das wurde auf sehr unterschiedliche Weise diskutiert.

Bildung, Freiheit, Teilhabe

Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerks, hielt den Einführungsvortrag zum Thema. „Die Eine Welt hatten die Reformatoren sicher nicht im Blick, als sie ihre Kirche neu dachten und aufbauten“, sagte er. Nicht zuletzt hätten den Ländern der Reformation die Außengrenzen und der Kontakt zu Gebieten gefehlt, in denen Menschen noch nie vom christlichen Glauben gehört hatten. Und dennoch hatten sie eine Mission, sagte er: Bildung zur Auslegung der Heiligen Schrift, Befreiung von einer Bevormundung des Gewissens und Beteiligung an einem verantwortlichen Leben. Diese drei Aufgaben seien es, die auch die späteren Missionare in ihrer Arbeit bewegt hätten.

"Zur Zeit seiner Gründung 1824 war das Missionswerk eine Verbindung zwischen verfasster Kirche und Idealisten, die die Welt gestalten wollten", sagte Herpich. Eine Kirche, eine Krankenstation, eine Schule und Landwirtschaft seien an allen Orten Kennzeichen missionarischer Arbeit gewesen. Dass Glaube nur mit Liebe und Freiheit einhergehen kann, und nicht mit Gewalt und Zwang, wurde hier gelebt. Dennoch müsse eingeräumt werden, dass die Europäer in den Anfängen von einem kulturellen Überlegenheitsgefühl ausgingen.

Begegnung auf Augenhöhe

Heute liegt der Schwerpunkt der Arbeit des Berliner Missionswerkes in der Zusammenarbeit mit den weltweiten Partnerkirchen und der Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs. In einem ökumenischen Freiwilligenprogramm werden jährlich 20 junge Menschen unter anderem an die aus der alten Berliner Mission entstandenen Schulen, Krankenhäuser und Projekte entsandt. Mit der interkulturellen Kompetenz, die sie in dieser Zeit erwerben, werden sie sich später zum Wohle der Gesellschaft einsetzen.

Im Anschluss an das Referat diskutierten die Steglitzer Kreissynodalen in Arbeitsgruppen zu Themen der Kirche und ihren internationalen Beziehungen – weltweit und vor Ort. Wie ist es beispielsweise, wenn eine Kirchengemeinde ihre Räumlichkeiten mit einer "fremden" Gemeinde teilt? "Ein großer Schatz", resümiert Pfarrerin Andrea Köppen, deren Gemeinde bereits seit 20 Jahren eine Partnerschaft mit der koreanischen Somang-Gemeinde pflegt. Zwar brauche es Zeit, bis alle Beteiligten sich aneinander gewöhnt hätten und die Beziehung müsse immer wieder gestaltet werden. Am Ende sei so eine Kooperation aber für alle eine Bereicherung und im Grunde alternativlos.

Andere Arbeitsgruppen sprachen über die heutige Mission der Kirche angesichts der Flüchtlinge und suchten nach neuen Impulsen für die Partnerschaftsarbeit zwischen Steglitzer und internationalen Gemeinden.

Darüber hinaus berichteten junge Freiwillige des Berliner Missionswerks von ihrem Auslandsjahr und den Erfahrungen, die sie dort gemacht haben. Insbesondere wurde dabei das Interesse bekundet, den Freiwilligendienst nicht als Einbahnstraße zu verstehen, sondern auch jungen Menschen der Einen Welt eine Zeit der Erfahrung in Berlin zu ermöglichen.

Des weiteren lagen den Synodalen drei Anträge des Pfarrsprengels Steglitz-Nord zur Diskussion und Abstimmung vor. Unter der Überschrift "Eine Frage des Gewissens? Glaube und Politik heute!" wurde vor einem halben Jahr ein Planspiel Synode in Erinnerung der Steglitzer Bekenntnissynode 1935 durchgeführt. Jugendliche und Erwachsene hatten Anträge zur Haltung in der Flüchtlingspolitik, zum Umweltschutz und zur Diakonie formuliert und an die Kreissynode gestellt.

Ulrike Bott