ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

Abschied und Neubeginn
Gedanken zu Pfingsten

von E-Mail

Türen knallen, es ist laut im Haus und jemand ruft voller Wut: "Jetzt reicht es mir aber!" Eltern heranwachsender Kinder kennen solche Situationen nur zu gut. Aber auch an vielen anderen Orten, wo Menschen miteinander leben und arbeiten, sind solche Szenen anzutreffen. Menschen haben miteinander gestritten und sind zu keiner Lösung gekommen. Ballast türmt sich im Leben auf, der auch nicht dadurch verschwindet, dass einer die Tür zuknallt und geht. Was folgt, ist ein Abschied. Einer geht, entweder auf Zeit oder sogar für immer.

Ein solcher Abschied ist kein guter Abschied. Aber gibt es im Leben überhaupt gute Abschiede? Die meisten Trennungen sind schließlich schmerzhaft, selbst dann, wenn keine Auseinandersetzung der Grund dafür ist. Wo ich etwas zurücklassen muss und in eine mir noch unvertraute Zukunft aufbreche, ist immer auch Trauerarbeit gefordert.

Das betrifft die Abschiede von Menschen in ähnlicher Weise wie die Abschiede von eigenen Erwartungen und Lebensträumen. Wenn es nicht einfach so weitergeht wie bisher, dann ist das häufig ungemütlich. Das vertraute Terrain ist verschlossen. Und Schritte ins Unbekannte werden vorsichtig gesetzt, vielleicht sogar ängstlich.

Den Jüngern ging es nicht anders, als Jesus sie mit seinem ungewissen Schicksal konfrontierte. Aus seinen Abschiedsworten, die uns im Johannesevangelium aufgeschrieben sind, wurde ihnen deutlich, dass nicht alles so weitergehen würde wie bisher. Teilweise in Andeutungen und dann doch auch ganz offen sprach Jesus mit ihnen über den Abschied, den sie voneinander nehmen müssen. Einige Jünger wollten das nicht wahrhaben. Zu schmerzhaft war diese Aussicht, dass mit einem Abschied von Jesus nicht nur dieses besondere Miteinander, sondern auch ihre Erwartungen und Hoffnungen ein Ende finden würden. Doch Jesus sagt zu ihnen: "Es ist gut für euch, dass ich weggehe."

"Aber ich lasse euch nicht allein, sondern ich werde bei euch sein durch den Heiligen Geist. Ich weiß, dass ist für euch jetzt schwer zu verstehen. Doch ich bin mir sicher, ihr werdet es erkennen. Es bleibt eine Sache des Glaubens und des Vertrauens. Aber ich stehe zu meinen Worten. Deswegen braucht ihr nicht traurig zu sein. Vertraut mir, ich habe für euch vorgesorgt und bin für euch nicht aus der Welt." Johannes 16

Für die Jünger haben diese Worte damals eine Tür zur Zukunft geöffnet. Jesus geht nicht einfach von Bord und lässt die Jünger orientierungslos zurück. Vielmehr hat sein Wirken weiter Bedeutung und Bestand. Und doch ist sein Wirken unter uns in einer anderen Form präsent als in den Tagen, als er mit seinen Jüngern durch das Land zog. Eine neue Zeit ist angebrochen, in der Gott den Menschen anders nahe ist als zuvor.

Neben dem, was war, rückt nun auch das, was sein kann und sein wird, in den Blick. Der Monat Mai mit den beiden christlichen Festen Himmelfahrt und Pfingsten führt uns diese Abschieds- und Neuanfangsszenarien vor Augen. Und sie sind uns in unserer Gemeinde in diesen Wochen mit den vielen Abschieden und Neuanfängen noch einmal in besonderer Weise präsent. Da wird es zwei neue Pfarrer/innen in der Gemeinde geben, die Altes verlassen haben und in Petrus-Giesensdorf Neues beginnen werden. Und in den Konfirmationsgottesdiensten dieses Monats werden 50 Jugendliche ein Stück Lebensübergang mit ihren Familien und Freunden feiern.

Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes und damit der tröstlichen Gegenwart Gottes in der Welt, ist die Entdeckung, dass Gott über Abschiede auf den Wegen in die Zukunft hinweggeht und neue Räume und Möglichkeiten eröffnet. Zugeschlagene Türen zu Gott und zu anderen Menschen werden nicht auf ewig verschlossen bleiben. Sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes öffnen sich solche Türen wieder. Auf Abschiede folgt ein Wiedersehen. Auf den Tod folgt Leben. Das Ende des einen ist der Neubeginn eines anderen. Der Heilige Geist schenkt und weckt Neugier, Interesse und Vertrauen Gott gegenüber. Und Menschen entdecken so an Gott, dass er einer ist, der weder täuscht noch enttäuscht, sondern Täuschungen gerade überwindet.

Die Jünger erfahren zu Pfingsten ja genau diese heilsame Gegenwart Gottes über alles Trennende hinweg. Es geht weiter, obwohl Jesus nicht mehr sichtbar unter ihnen ist. Menschen empfangen Gottes Geist, geraten in Begeisterung und finden Vertrauen zu Gott. Kirche entsteht. Zu Pfingsten ist etwas davon erkennbar, dass Gott neu anfängt trotz aller Abschiede.

Und doch bleibt mancher Abschied schwer. Manche Tür, die Menschen sich vor der Nase zuschlagen, bleibt auch ein Leben lang geschlossen. Das wahrzunehmen und zu erleben bleibt schmerzhaft.

Der Grundton eines Lebens mit Gott ist jedoch ein anderer: Wie schmerzhaft die Abschiede des Lebens auch sein mögen, am Ende des Weges mit Gott steht nie eine zugeschlagene Tür.

Offene Türen, die Entdeckungen neuer Möglichkeiten und geistvolles Handeln in dieser oft geistlosen Zeit, dass wünsche ich uns allen in unserer Gemeinde, den Kollegen/Kolleginnen, die neu beginnen, den Konfirmandinnen und Konfirmanden, die neue Welten entdecken und allen, die vorsichtig zugeschlagene Türen öffnen.

Michael Busch