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13.12.2018

10 Jahre "Laib & Seele" – Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige im Gemeindezentrum Celsiusstraße

von Kerstin Littschwager


Das "Laib und Seele Team" im Januar 2016

Sabine Werth war die Initiatorin der Berliner Tafel e.V., weil sie "nicht mit ansehen konnte, wie viel Lebensmittel einfach auf dem Müll entsorgt" werden. Sie setzte sich dafür ein, dass die "nicht mehr verkaufbaren Lebensmittel" an Bedürftige verteilt werden. Sie wandte sich mit ihrer Idee an die Berliner Kirchengemeinden und die Supermärkte.

Andacht

anlässlich des 10jährigen Bestehens unserer "Laib & Seele"-Ausgabestelle

Freitag, 19. Februar, 18.30 Uhr, Dorfkirche Giesensdorf, anschließend Imbiss im Gemeindehaus.

Vor zehn Jahren gründete sich daraus unsere "Laib & Seele" Ausgabestelle. Die Helfer der ersten Stunde in unserer Gemeinde sind: Norbert Scheunchen, Brigitte und Immo Knossalla, Renate Nentwich, Christa Wandrei, Werner Wagner, Ilse Jaeger, Monika Setzer und viele mehr. Die Hauptmotivation war bei allen, dass sie nach dem erfolgreichen Arbeitsleben noch etwas Sinnvolles im sozialen Bereich machen wollten. Sie sind bis heute ehrenamtlich dabei und finden sich selber "eine dufte Truppe". Derzeit sind ca. 40 Helfer im Einsatz, jeder nach seinen persönlichen Möglichkeiten. Betreut wird "Laib & Seele" durch unseren Pfarrer Michael Busch.

Die Anfänge für die 15 Helfer waren schwierig. Wo lagert man die Lebensmittel? Wie bringt man die Lebensmittel vom Beusselmarkt nach Lichterfelde? Wie organisiert man die Vergabe, dass möglichst viele eine volle Tasche mit nach Hause nehmen können?

Die Aufgaben sind vielfältig und beginnen bereits am Montagmorgen mit dem Fahrdienst, der die Supermärkte und Discounter anfährt; dasgleiche am Dienstag. Die gespendeten Lebensmittel werden eingelagert, besonders schlechte Ware aussortiert, in Kisten verteilt, lose Tomaten oder Champignons provisorisch verpackt und am Nachmittag verteilt.

Die Einhaltung der Hygienestandards und -vorschriften sind selbstverständlich, nicht nur weil sie jährlich durch das Gewerbeamt geprüft werden.

Nach zwei Umzügen findet die Vergabe der Lebensmittel im Gemeindezentrum in der Celsiusstr. statt. Die Nummernausgabe erfolgt ab 14 Uhr nach dem Losverfahren und nicht "wer zuerst kommt, mahlt zuerst", in der Hoffnung auf die besten Lebensmittel.

Bereits ab mittags findet sich die Vielfältigkeit der Lichterfelder Menschen ein. Aus den anfänglich 30 bis 50 Haushalten sind inzwischen 80-100 Haushalte geworden. Es sind alleinstehende Menschen oder Familien mit bis zu 5 Kindern.

Bedürftigkeit ist keine Frage der Herkunft oder der Bildung, es kann einen einfach und unvermittelt treffen: schwanger während des Studiums, eigene Krankheit in jungen Jahren, Umzugs des Arbeitgebers im mittleren Alter, die schwere Krankheit des Familien-Ernährers, freiwilliger oder Zwangs-Umzug in ein fremdes Land, Räumungsklage, Scheidung oder Tod des Ehepartners oder die Rente reicht trotz eines langen intensivem Arbeitsleben einfach nicht zum Leben aus.

Eine Bescheinigung vom Sozial- oder Arbeitsamt sagt hierüber gar nichts aus.

Für die meisten war der Gang hierher, der schwerste ihres Lebens. Die Hemmschwelle und der eigenen Schatten konnten oft nur sehr tränenreich überwunden werden. Sie mussten kommen, weil sie es alleine nicht mehr anders bewältigen konnten.

Für den symbolischen 1 € für Erwachsene fühlen sie sich "reich beschenkt" und sind froh und voller Dankbarkeit über diese Einrichtung und ihre hilfsbereiten und netten Mitarbeiter, die ehrenamtlich viel Zeit und Mühe investieren. Es fällt auf, dass mit den Jahren der Bedarf höher und die Qualität etwas schlechter geworden ist, dennoch ist den meisten klar, dass es sich hier nur um ein Zubrot handelt und keine vollen Mahlzeiten zu erwarten sind.

"Selbst wenn es mal weniger gibt, nimmt man immer etwas mit, und wenn es ein Gespräch ist". Man trifft sich jeden Dienstag und im Laufe der Jahre sind Freundschaften entstanden. Man tauscht Geschichten, Rezepte, Bücher, rechtliche Tipps und Kinderklamotten aus. "Man lernt, wie man aus Sch.. Bonbons macht, damit es die Kinder gut haben und trotz widriger Umstände zum Karate oder Geigenunterricht gehen können."

Einigen betroffenen Kindern ist es in der Schule peinlich und sie wollen hier auch nicht gesehen werden. Leider gehören die Besitzer eines Berlin-Passes nicht mehr einer kleinen Minderheit an.

Wir bedanken uns bei Aldi, Lidl, Kaiser's, Kaufland, Netto, Penny, Reichelt, Rewe und einige Lichterfelder Familien-Bäckereien für die jahrelange tatkräftige Unterstützung mit Brot, Brötchen, Kuchen, Gemüse, Obst, Salat, Wurst, Joghurt, Käse, Schokolade, Keksen, Konserven, Hygieneartikeln und Blumen, dem RBB für die regelmäßige Berichterstattung.

Wenn Sie auch Lust haben, sich zwei bis drei Stunden in der Woche ehrenamtlich zu engagieren, fragen Sie im Gemeindebüro oder bei Pfarrer Busch nach. Da die Helfer der ersten Stunden schon sehr lange im Rentenalter sind, wird dringend Nachwuchs beim Fahrdienst gesucht.

Kerstin Littschwager

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