Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.9.2019

Neue Nachbarn am Oberhofer Weg

Bettina Peifer


Foto: privat

Seit Sommer letzten Jahres gibt es im Oberhofer Weg eine kleine Erstaufnahmeeinrichtung, in der Familien aus Syrien untergebracht sind. Die Unterkunft ist privat geführt und wird vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt, d.h. dorthin kommen Familien, die oft erst wenige Tage in Deutschland sind. Es sind junge Familien aus Damaskus und Aleppo, sehr freundliche aufgeschlossene Menschen, die sofort etwas zu essen & zu trinken anbieten, wenn man über ihre Schwelle tritt. In ihrem vorherigen Leben waren die Väter Lehrer, Maler und Mechaniker, die Mütter Verkäuferin und Erzieherin. Man merkt den Menschen an, wie groß das Bedürfnis nach Wochen auf der Flucht ist, anzukommen, zu einem selbstbestimmten Leben zurück zu kehren, etwas Eigenes zu beginnen.

Wir bitten um Ihre Hilfe! Da das Haus am Oberhofer Weg nur als Erstunterbringung gedacht ist, suchen wir dringend für die Familien 3-5-Zimmer Wohnungen im Bezirk. Bitte sagen Sie das auch in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter.

Es kann eine Miete nach Hartz-IV-Satz bezahlt werden, die Flüchtlinge haben aber keinen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS). Wer sich mit dem Gedanken trägt, an Flüchtlinge zu vermieten oder uns mögliche Vermieter nennen möchte, kann sich über die Gemeinde bei uns melden. Wir beraten gern und stellen den Kontakt zu den potentiellen Mietern her.

In den vergangenen Monaten hat sich ein kleiner Kreis von Ehrenamtlichen aus der unmittelbaren Nachbarschaft zur Unterstützung der Familien zusammengefunden. Deutsch zu lernen steht dabei an erster Stelle – solange die Flüchtlingsfamilien keine Kinderbetreuung haben, ist es für sie kaum möglich, an regulärem Sprachunterricht teilzunehmen – jedenfalls nicht für die Mütter. Außerdem wird bei der Suche nach Kita- und Schulplätzen vermittelt und Gänge zu Ärzten und zum LaGeSo begleitet. Die Ehrenamtlichen stehen teils voll im Beruf, teils sind sie in Rente – egal wie, jeder beteiligt sich nach seinen Möglichkeiten und Neigungen. Allerdings gibt es eine Frau, an die sich ständig alle wenden und die für die Menschen im Haus wie auch für die anderen Ehrenamtlichen eine unverzichtbare Mittlerin zwischen den Welten geworden ist: die Übersetzerin von Bus-Stop e.V., eine Berlinerin aus Lichterfelde mit libanesischen Wurzeln.

Die Bereitschaft im Kiez, Kleider und teilweise auch Bettwäsche und Möbel zu spenden, war in den ersten Wochen sehr groß – so groß, dass die Mengen schließlich von den Hausbewohnern selbst nicht mehr zu meistern waren. Wer spenden möchte, kann sich auf der Webseite des Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf informieren ( www.willkommensbuendnis-steglitz-zehlendorf.de), wie der aktuelle Bedarf im Bezirk ist.

Zeit und soziale Kontakte zu spenden, ist allerdings noch wichtiger. In der Kita Petrusheim werden seit Januar zwei Geschwister aus einer der syrischen Flüchtlingsfamilien betreut. Der Sportverein im Kiez bietet an, Kinder aus dem Haus am Oberhofer Weg im Vorschulalter ins Kinderturnen aufzunehmen. Die Kinder im ersten Schulalter sind in die Willkommensklassen an der Kastanien- und an der Mercatorschule aufgenommen worden. Die Kreuzkirche Lankwitz lädt immer dienstags zum Familiencafé ein, das auch zu einem Treffpunkt der Flüchtlingsfamilien geworden ist. Das alles sind Schritte, die zu der so dringend benötigten sozialen Integration beitragen können.

Bettina Peifer

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