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26.3.2019

Lichterfelde-Ost im Wandel der Zeit
Damals war's

von Gisela Meyer

Hätten Sie's gedacht? Der Haupteingang des Bahnhofs-Empfangsgebäudes befand sich um 1900 der Haupteingang auf der westlichen Seite. Nach hartnäckigen Verhandlungen mit den Bahngesellschaften durfte Johann Anton Wilhelm Carstenn 1868 einen Bahnhof auf eigene Kosten und eigenes Risiko an der Strecke Berlin-Halle errichten. Ohne die Möglichkeit, schnell und bequem nach Berlin zu gelangen, hätte er nie Immobilien-Käufer für seinen geplanten Villenvorort gewinnen können.

Mitten im 1. Weltkrieg kam es zu großen Umbaumaßnahmen.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen im Vorort- und Fernverkehr hatte die Hochlegung der Gleisanlagen erforderlich gemacht.

Das repräsentative Empfangsgebäude verschwand und machte einem einfacheren Portal im Stil der 20er Jahre Platz.

Die östliche Seite des Bahnhofs war nun zum Haupteingang geworden.

Auf dem Foto aus den 50er Jahren sehen wir, dass rechts schon damals ein Blumengeschäft war, daneben ein Eisenwarenladen.

Wo heute das "LIO" ist, befand sich die breite Einfahrt zu einem großen Güterbahnhof.

Mitte der 50er Jahre: Das Areal in Bahnhofsnähe hatte sich vom Giesensdorfer Bauernacker zum Einkaufs- und Verkehrszentrum von Lichterfelde Ost mit dem bekannten Markt auf dem Kranoldplatz gemausert und daran hat sich bis heute nichts geändert!

"Solang' es hübsche Mädchen gibt…" – das war der Film, der Mitte der 50er Jahre in den "Palast Lichtspielen" gezeigt wurde. Und was fällt noch auf? Es gab so gut wie keine Autos, aber viele Fahrräder.

Schon vor 100 Jahren war der Kranoldplatz mit seinem beliebten Markt ein Anziehungspunkt für Käufer aus Lichterfelde und dem Umland.

Im dritten Haus von rechts war bis 1991 das renommierte Eisen- und Haushaltswarengeschäft Otto Schoepke.

Die Randbebauung des Platzes hat zum großen Teil den Krieg überstanden.

Die beschädigten Häuser sind vereinfacht instand gesetzt worden, und das Gedränge an den Markttagen gleicht dem unserer heutigen Zeit.

Die Bismarckstraße wurde im Juni 1961 zur Erinnerung an Otto Morgenstern umbenannt. 37 Jahre war er Lehrer am Schiller-Gymnasium. Als getaufter Jude wurde er 82jährig nach Theresienstadt deportiert, wo er nach vier Monaten umkam. Im Eckhaus wechselten nur die Geschäftsinhaber, sein Aussehen blieb fast unverändert.

Noch liegen die Schienen der Straßenbahnen 73 und 96. Die 73 fuhr am 1.5.62 das letzte Mal und die 96 am 1.5.66. Bei dem Straßenverkehr war übrigens auch noch keine Ampel vonnöten!

Nach dem Mauerbau am 13.8.1961 waren wir Westberliner zum S-Bahn Boykott aufgerufen. Um die fehlenden Kapazitäten auszugleichen, setzte die BVG auch Reisebusse ein, teilweise sogar aus Westdeutschland, und die Straßenbahn fuhr zeitweise sogar mit zwei Anhängern.

Hinter der inzwischen erneuerten Bahnbrücke ist das Stellwerk "Lio" zu erkennen; inzwischen 100jährig und unter Denkmalschutz gestellt.

Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, erbitte ich Ihre Hinweise. Außerdem bin ich natürlich immer an weiteren Fotos interessiert, um die Geschichte Giesensdorfs lebendig zu bewahren. Ihre Bilder erhalten Sie nach dem Scannen sofort zurück.

Gisela Meyer
Fotos: Slg. S. Hilkenbach, Slg. W. Holtz, Slg. www.lichterfelde-süd.de, Slg. G. Meyer

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