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21.1.2019

Frühstück in der Kita – was hat das mit Bildung zu tun?
Aus der Kita Lindenhof

von Ursel Hentschel

Zwischen 8.30 und 8.45 Uhr ertönt der Gong im "Großen Kindergarten" (3-6 jährige Kinder). Alle Kinder, die zu diesem Zeitpunkt eingetroffen sind wissen, dass jetzt das Spiel beendet und aufgeräumt wird und jedes Kind in seine Stammgruppe geht.

Jetzt beginnt die Frühstückszeit.

Die Aufgaben zur Vorbereitung für das Frühstück – der Tischdienst – sind klar in den Stammgruppen mit den Kindern abgesprochen. Die betreffenden Kinder sammeln sich vor der Küchentür, um den jeweiligen Essenswagen von der Köchin in Empfang zu nehmen.

Es sind immer 3 Kinder, die je Stammgruppe für einen Tag den Tischdienst übernehmen. In der Regel ein gemischtes Trio, von älteren, erfahrenen Kindern und jüngeren Kindern, die in diesem Kitajahr vom "Kleinen Kindergarten" in den "Großen Kindergarten" gewechselt sind.

In den jeweiligen Gruppen ist es die Aufgabe des Tischdienstes, den Tisch mit dem entsprechenden Geschirr zu decken, die Lebensmittel, die bereits auf Tellern vorbereitet sind und die Getränkekannen auf die Tische zu verteilen.

Die Kinder bereiten selbständig ihr Brot zu, sprechen sich mit den anderen Kindern am Tisch ab, ob sie die Butter oder den Käseteller haben möchten, gießen sich selbstständig ihr Getränk ein. Jüngeren Kindern wird dabei Hilfestellung gegeben.

Mit einem gemeinsamen Frühstück wird auch im "Kleinen Kindergarten" (Krippe) der Kita-Alltag begonnen. Natürlich ist im Anbetracht des Alters der Kinder hier die Hilfe durch die Erzieherinnen umfangreicher. Aber auch hier wird schon die Selbstständigkeit angeregt, z.B. schmieren sich die 2-3jährigen Kinder mit einem Messer die Butter selbst auf das Brot.

Mit dem Frühstück beginnt in unserer Kita das erste pädagogische Gruppenangebot.

Hier geht es nicht nur darum, dass die Kinder endlich frühstücken um satt werden – was sie auch zuhause tun könnten –, hier beginnt ein erstes pädagogisches Angebot begleitet durch die Erzieherin/Erzieher.

Die Kinder kommen als Gemeinschaft zusammen, lernen durch den Tischdienst Aufgaben für die Gruppe zu übernehmen, welche Regeln hilfreich sind für eine angenehme Essensituation und in der Tischgemeinschaft ein Tischgespräch zu führen, andere Kinder um etwas zu bitten oder etwas weiterzureichen. Somit wird hier die soziale und sprachliche Kompetenz gefördert.

Durch die selbstständige Handhabung von Besteck und beim Eingießen eines Getränkes wird die Feinmotorik geübt.

Beim Tischdecken und verteilen von Besteck und Geschirr wird das mathematische Mengenverständnis entwickelt.

In unserer Kita haben wir uns in einem pädagogischem Gespräch weiter für ein gemeinsames, tägliches Stammgruppenfrühstück entschieden, weil wir diesen Start in den Kita-Alltag für einen passenden Weg halten, den wir gut mit den Zielen einer ganzheitlichen Ernährungsbildung und Elternpartnerschaft verbinden können.

Uns ist es wichtig, den Kindern eine gesunde und vielfältige Ernährungsweise in einer angenehmen Essensatmosphäre in Gemeinschaft näher zubringen.

Wir haben in Absprache mit den Eltern die Regelung, dass pro Woche eine Familie für die jeweilige Stammgruppe den Frühstückseinkauf übernimmt (Eltern erhalten dazu eine kleine Einkaufsliste, was benötigt wird). Das Essensgeld von derzeit 23€ im Kitabeitrag ist nur für das Mittagessen vorgesehen.

Im Berliner Bildungsprogramm wird unter dem Bildungsbereich "Gesundheit" ausgeführt:

"Kindertageseinrichtungen sind Orte, an denen Kinder in vielfacher Weise mit Wissen und Fertigkeiten bezüglich gesunder Ernährung vertraut werden und eine positive Esskultur erleben. Der ganzheitliche Blick auf das Essen und Trinken reicht über den ausgewogenen und vollwertigen Speiseplan hinaus. Er richtet sich genauso darauf, welche vielfältigen sozialen, emotionalen und kulturellen Erfahrungen Kinder über das Essen und Trinken machen – Essen in der Kita ist sinnliches Erleben, Genuss, Gefühl, Austausch, Ritual, Rhythmus und Bildung gleichermaßen (...) jedes Lebensmittel, das gemeinsam zubereitet und jedes Gespräch zur Mahlzeit bieten eine Lerngelegenheit..."

Die Frühstückszeit ist je nach Situation in der Gruppe unterschiedlich lang, durchschnittlich meistens 45 Minuten.

Das ist im Vergleich mit der Bildungseinrichtung Schule eine Unterrichtsstunde.

Ursel Hentschel

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