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27.5.2019

Advent und Weihnachten: Zur Geschichte der Geburt Jesu
Der theologische Artikel

von Pfarrer E-Mail

Maxi – Hauskatze im Pfarrhaus 1995 bis 2015 – liebte Adventskränze und Weihnachtsbäume. Foto: Lutz Poetter

Die Katze hat den Adventskranz mit den vier Kerzen nicht erfunden, auch wenn sie triumphierend mitten drin sitzt. Die Kerzen symbolisieren die vier Sonntage im Advent vor dem Weihnachtsfest. Mit dem 1. Advent beginnt für uns der Weihnachtsfestkreis, wir leben auf unser wichtigstes Jahresfest zu: Weihnachten, Geburt unseres Heilands Jesus Christus. Wir haben das Gefühl, dass das schon immer so gewesen sein muss.

"Welches Jahresfest ist wohl das allererste, das die frühen Christen gefeiert haben?" Fragt man Konfirmanden so, dann kommt die klare Antwort: "Natürlich Weihnachten, da ist Jesus geboren. Und mit der Geburt fängt doch alles an."

Tatsächlich fing aber alles mit der Auferstehung an. Die frühe Christenheit kannte nur ein einziges Jahresfest: Ostern, das Fest der Auferstehung. Vorher erinnerten sich die Christen an den Leidensweg und die Kreuzigung Jesu in Jerusalem. Am Sonntag nach Ostern wurden immer die neuen Gemeindeglieder getauft.

Die christlichen Gemeinden wuchsen, es gab bald überall Christinnen und Christen im römischen Reich. Reisende Apostel wie der unermüdliche Paulus breiteten das Evangelium aus und gründeten neue Gemeinden zwischen Jerusalem und Rom.

Auch der Festkalender wuchs: Das Gemeindeleben brauchte feierliche Anhaltspunkte im Jahreskreis. Die neuen Gläubigen wollten sich an weitere wichtige Situationen im Leben Jesu erinnern, wie sie in den Evangelien überliefert waren. Ostern zeigte den gekreuzigten Jesus als den auferstandenen Christus, Ende und Vollendung des Menschensohnes.

Vertrauenslicht

Wieweit ist uns Christen
wirklich klar,
dass Jesus auch ein
Flüchtlingskind war?

Dass Menschen leiden,
damals wie heute,
unterm Terror menschen-
verachtende Leute.

Es ist drum nicht leicht
in diesem Advent,
dass trotzdem ein Licht
des Vertrauens brennt.

Anne Goerke

Wie aber begann die Geschichte des Gottessohnes in der frühen Kirche? Wann erschien der Träger des Geistes Gottes in Menschengestalt? Epiphanias, das Erscheinungsfest lag auf dem 6. Januar und feierte die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Dabei kam, wie uns der Evangelist Markus berichtet, der Geist Gottes in Gestalt einer Taube auf Jesus, und die Stimme Gottes sprach zu ihm: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Aber was war mit der leiblichen Geburt? Die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten doch von den Ereignissen in Bethlehem, wo Maria und Joseph während einer Reise von der Geburt ihres ersten Sohnes überrascht wurden. Eine notdürftige Unterkunft, Krippe statt Wiege, Engel und Hirten, die Geburtsszene verbindet irdischen Mangel und himmlische Fülle.

Die Spätantike war rund um das Mittelmeer die Zeit des Hellenismus, griechische Philosophie bestimmte das Denken. Besonders Platos Ideen waren weit verbreitet, auch in der christlichen Kirche. Geist und Materie galten als streng getrennt, die Welt der Ideen bildete die bedeutsame Wirklichkeit ab, Menschliches und Leibliches waren dagegen untergeordnet und bedeutungslos. Das betraf auch die menschliche Geburt. Origenes war ein einflussreicher Kirchenlehrer im dritten Jahrhundert. Sein Urteil gab einem Geburtsfest Jesu in der orthodoxen Kirche keine Chance: Das sei ein durch und durch heidnischer Brauch. Denn von allen biblischen Personen hätten nur die Gottesfeinde Pharao und Herodes ihren Geburtstag gefeiert.

Ein Jahrhundert später sollte sich diese Einschätzung allmählich ändern. Kaiser Konstantin machte das Christentum zur römischen Staatsreligion. Er verlegte seine kaiserliche Residenz nach Osten, von Rom nach Byzantium an den Bosporus. Ost-Rom – später nach ihm Konstantinopel genannt – wurde das neue staatliche und kirchliche Machtzentrum.

Die römische Kirche übernahm den verlassenen Kaiserpalast, der Bischof von Rom erklärte sich als Papst zum geistlichen Führer der gesamten Christenheit. Damit begann die Rivalität zwischen Ostkirche und Westkirche, die später zur Spaltung in Orthodoxie und Katholizismus führte.

In diesem Machtkampf zwischen Rom und Byzanz entwickelte sich in der Mitte des vierten Jahrhunderts die Urform unseres heutigen Weihnachtsfests. Auf Initiative des römischen Papstes Liberius entstand ein Anbau an eine berühmte römische Kirche. Diese Kapelle wurde Krippenkapelle genannt und sollte den Geburtsort Jesu in Bethlehem darstellen.

Papst Liberius hatte auch den Termin für den Geburtstag Jesu schlau gewählt, der ja in der Bibel gar nicht überliefert ist: Es sollte der 25. Dezember sein, das Datum der Wintersonnenwende.

In der längsten Nacht des Jahres hatte nach alter Tradition der Sonnengott Sol-Helios Geburtstag, die Tage wurden wieder länger, er "wuchs" bis zur Sommersonnenwende. An diesem Geburtstag war ganz Rom auf den Beinen, es fanden die beliebten Zirkusrennen im Collosseum statt, alles Volk war in Festumzügen auf den Straßen und Plätzen unterwegs. Man begrüßte freudig die aufgehende Sonne von den Hügeln und hochgelegenen Plätzen aus.

Nun aber war das Christentum Staatsreligion. Also war Christus das wahre Licht, die wahre Sonne. Sein Geburtstag sollte gefeiert werden. Dem Volk war es recht, Hauptsache, es wurde richtig Geburtstag gefeiert mit Zirkus und Umzügen.

Die Ostkirche sah diesen geschickten Winkelzügen in Rom nicht untätig zu: Byzanz feierte danach auch den "Geburtstag" des Christus. Allerdings blieb die orthodoxe Kirche beim überlieferten Termin zu Epiphanias. So gab es in West und Ost zwei Geburtstage Jesu: Die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und den 6. Januar. Dabei ist es bis heute geblieben.

Aber zurück zum Adventskranz mit vier Kerzen: Seit wann haben wir eigentlich den Advent mit seinen vier Adventssonntagen? Adventszeit meint Vorbereitungszeit auf die Ankunft des Herrn, ähnlich wie vor Ostern in der Passionszeit: Fasten und Beten, innere Sammlung der Gläubigen auf die Geburt des Erlösers. Die Vorweihnacht war lange eine karge und stille Zeit, nur spärlich erleuchtet durch die vier Adventssonntage, die vom verordneten Fasten ausgenommen waren. Keine Spur von unseren üppigen Adventsbräuchen, den Bäumen und Lichtern in der Stadt, mit Weihnachtsmärk-ten und Leckereien überall, großen Festen und wertvollen Geschenken. Diese Bräuche kamen erst allmählich im 19. Jahrhundert auf.

Wieso sind es eigentlich gerade vier Adventssonntage? Könnten es nicht auch mehr sein? In Wirklichkeit beginnt doch unsere Vorweihnachtszeit in Geschäften und öffentlichen Räumen sehr viel früher. Wie wäre es denn mit sechs Adventssonntagen, also sechs Kerzen auf dem Adventskranz?

Wir ahnen es schon: Auch um die Zahl der Sonntage gab es Konflikte, Rivalität und Konkurrenz, diesmal zwischen Rom und Mailand. Der Bischof von Rom und Papst der katholischen Christenheit legte vier Adventssonntage für alle Gemeinden fest. Doch Bischof Ambrosius von Mailand hatte in seiner Kirchenprovinz andere Vorstellungen für Gottesdienst und Liturgie. Und bis heute gibt es im ambrosianischen Ritus Mailands sechs statt vier Adventssonntage. Der erste beginnt am Sonntag nach Sankt Martin, dem 11. November. Sicherlich hätten wir auch bei uns in Lichterfelde Platz für sechs Kerzen auf dem Adventskranz. Und die Katze wäre wohl auch damit einverstanden. Aber wo bleiben dann unser gewohnter Volkstrauertag und der wichtige Ewigkeits-Totensonntag? Belassen wir es also ruhig bei den vier Sonntagen.

Einen erfüllten Advent 2015 wünscht

Lutz Poetter