Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Impressionen der Vergänglichkeit
Der theologische Artikel

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ST.-PETERS-FRIEDHOF

Ringsum ist Felseneinsamkeit.
Des Todes bleiche Blumen schauern
Auf Gräbern, die im Dunkel trauern -
Doch diese Trauer hat kein Leid.

Der Himmel lächelt still herab
In diesen traumverschlossenen Garten,
Wo stille Pilger seiner warten.
Es wacht das Kreuz auf jedem Grab.

Die Kirche ragt wie ein Gebet
Vor einem Bilde ewiger Gnaden,
Manch Licht brennt unter den Arkaden,
Das stumm für arme Seelen fleht -

Indes die Bäume blüh’n zur Nacht,
Daß sich des Todes Antlitz hülle
In ihrer Schönheit schimmernde Fülle,
Die Tote tiefer träumen macht.

Georg Trakl, 1909

Wer nach Salzburg kommt und durch die Altstadt geht, der kommt mit Sicherheit auch an die Tore des "Petersfriedhofs". Wer sie durchschreitet, dem eröffnet sich ein Kleinod europäischer Friedhofskultur; eine der ältesten Begräbnisstätten Europas – älter als die nebenliegende Abtei selbst.

Eingerahmt vom Felsen des Festungsberges und den Mauern des Klosters, liegt dieser Ort der letzten Ruhe inmitten eines malerischen Umfeldes. Und so verwundert es auch nicht, dass der Friedhof im 19. Jahrhundert ein bevorzugtes Thema der Dichtung und Malerei war.

Viele Berühmtheiten Salzburgs wurden hier bestattet, u.a. die Schwester Mozarts Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg, auch als Nannerl bekannt, Johann Michael Haydn, der Bruder von Joseph Haydn oder Santino Solari, der Architekt und Baumeister des Salzburger Doms.

Touristisch attraktiv erscheint die Idylle – und dennoch ist es ein Ort der Abgeschiedenheit vom Trubel der Innenstadt, ein "traumverschlossener Garten". So hat der Dichter Georg Trakl diesen Ort genannt, der ihn zu einem Gedicht inspirierte, das auf einer Steintafel am Eingang des Friedhofs zu finden ist.

Georg Trakl, geboren in Salzburg, verbrachte Kindheit und Jugend in der Stadt und war einer der bedeutendsten Vertreter des literarischen Expressionismus des 20. Jahrhunderts.

Was Georg Trakl hier in poetische Verse gießt, sind Wortgemälde dieses Friedhofs, sind Impressionen der Vergänglichkeit, die uns nach diesem heißen Sommer endgültig in die Erdenkühle und Gedankenschwere des Novembers hineinziehen.

Trauer und Hoffnung, das sind die Gegensätze, die diesen Monat des Gedenkens und Erinnerns prägen. Aber sie speisen sich dennoch beide aus derselben Quelle. Denn beide, wollen mehr als das, was die Augen sehen können. Sie geben sich nicht zufrieden mit dem, was heute ist.

Die Trauer ist die Sehnsucht, die sich dem zuwendet, was vergangen ist. Die Hoffnung nährt die Sehnsucht, die ihre Fühler in die Zukunft ausstreckt.

Trauer weint verzweifelt um den geliebten Menschen. Trauer will fortwährend den Stein vom Grabe wälzen, sie will das verlorene Leben zurück haben. Aber Trauer ist auch von unendlichem Wert, denn sie trägt die Kraft der Erinnerung in sich. Sie kennt den Schmerz und das wohltuende Gefühl, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist.

Die Hoffnung geht noch einen Schritt weiter. Hoffnung sorgt sich um die Zukunft. Ein Schulterklopfen, ein "Das wird schon wieder" sind wohlgemeinte Gesten, taugen als Hoffnungszeichen aber oft wenig. Hoffnung schenkt eine Vorstellungskraft, die mit dem, was jede und jeder sowieso erwartet, in heftigen Streit gerät, die sich mit den erwartbaren Antworten und allzu billigem Trost überwirft.

Hoffnung und Trauer speisen sich zwar aus derselben Quelle, wehren sich aber gemeinsam gegen das, was alle „die Realität“ nennen, sie beugen sich nicht willenlos dem Unvermeidbaren, beide widerstehen gemeinsam dem Leid.

Aber die Hoffnung hat einen Mehrwert. Hoffnung öffnet einen Horizont, gibt die Zukunft frei. Und wer die sieht, weiß, wie provisorisch alles aussehen kann, staunt dann aber doch und erkennt allmählich, wie sich das Leben darstellen kann.

Farbig wird es wieder, nicht nur in Grautöne gehüllt, bewässert und nicht ausgetrocknet. Und was zunächst aussieht, als spiele es in ferner Zukunft, rückt die Hoffnung immer deutlicher in die Nähe.

Beide, Trauer und Hoffnung, sind Gottes Wegzehrung für uns, die uns helfen Lebenswege zu beschreiten hin zu dem, was Georg Trakl in seinem Gedicht über den St. Peters-Friedhof in zarten Farben als den Ort beschreibt auf den "stille Pilger warten" und wo zur Nacht die Bäume blüh'n.

Kommen Sie mit bunten Hoffnungsbildern gut durch die dunkle Jahreszeit.

Pfarrer Michael Busch

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