Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Die Kunst zu lesen: Reformation, Bild und Bibel
Zum Themenjahr der Lutherdekade (letzter Teil)

von Torsten Lüdtke

Das Jahr 2015 als Themenjahr der Lutherdekade stand unter dem Motto "Reformation – Bild und Bibel". Mit diesem Begriffspaar standen zwei zentrale Begriffe aus der Reformationszeit, die bis in die Gegenwart fortwirken, im Mittelpunkt der (evangelischen) Aufmerksamkeit. Doch für was standen "Bild" und "Bibel" eigentlich damals – und wofür stehen sie heute? Was bedeutet dies letztlich für uns im Jahr 2015? Dieser Teil schließt die Serie ab.

"Reformation – Bild und Bibel" war das Motto des Themenjahres der Lutherdekade, sowie das Thema dieser Artikelserie: Der Zusammenklang der drei Schlagworte bildete den roten Faden, der sich durch die Artikelserie zog und lag schließlich auch meiner Leitfrage "Was einte Reformation(szeit), Bild und Bibel, und wo bildeten sich dadurch Spannungen?" zugrunde. Mit einem Resümee, das die Aspekte der Artikelserie nochmals auf unsere Gegenwart bezieht, soll die Serie schließen.

Am 31. Oktober 1517, dem Vorabend des Allerheiligentages, machte Martin Luther seine 95 Thesen zu Buße und Ablass öffentlich – bereits mit diesem Ereignis verbinden viele ein sehr bestimmtes Bild: Sie sehen Luther, wie er – wie in der frühen Neuzeit an den Universitäten durchaus üblich – seine Thesen gut sichtbar mit Hammer und Nägeln anschlug. Diese Tat, deren malerische Darstellung in unzähligen Varianten des 19. Jahrhunderts überliefert ist, markiert den Beginn einer Epoche, der Reformationszeit.

Aus heutiger Perspektive betrachtet wird schnell deutlich, dass es Luther nicht um eine Spaltung der Kirche, sondern um eine Stellungnahme seiner Vorgesetzten, des Erzbischofs von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, sowie des Papstes und der römischen Kurie ging – und Luther eine ernsthafte Reform der bestehenden Kirche wollte.

Eine noch junge Erfindung, der Buchdruck mit beweglichen Lettern, sorgte für die rasche Verbreitung der Ideen der Reformation und schuf ein neues Medium, in dem sich Bild und Text zu einer Einheit verbanden: den Flugschriften. In diesen Flugschriften, die meist nur eine oder wenige Seiten umfassten und Holzschnitt-illustrationen besaßen, liegen nicht nur die Wurzeln des modernen Flugblattes, sondern auch der politischen Propaganda, der Satire und Karikatur.

Zu den Grundforderungen der Reformation gehörte auch die Forderung nach einer verbindlichen, volkssprachlichen Übersetzung der Bibel und den darin enthaltenen Fundamenten der reformatorischen Theologie, die sich in der Übersetzung des Neuen Testaments (durch Luther auf der Wartburg 1522 begonnen) und dem Druck des September- und des Dezembertestamentes widerspiegelt. Im Dezembertestament und der 1534 bei Hans Lufft erschienenen "Biblia Deudsch" wird die (späte) Hinwendung der (gemäßigten) Reformatoren zum Bild deutlich; sind beide doch durch Holzschnitte von Cranach und anderen zeitgenössischen Künstlern geschmückt. Mehr noch als die Illustrationen zeichnet die Lutherbibel Luthers bildliche Sprache aus, die unsere Sprache geprägt hat und aus ihr nicht mehr wegzudenken ist.

Bild:EPD

Aus vielen Wendungen der Lutherbibel sind sprichwörtliche Redensarten geworden, wie etwa "wetterwendisch", "ausposaunen" oder "sein Licht unter den Scheffel stellen". So wirkt die sprachliche Kraft Luthers und seiner Bibelübersetzung auch in Gebiete fort, die mit (evangelischer) Kirche nichts mehr zu tun haben.

Etwas ganz Besonderes zur Lutherdekade und dem Lutherjubiläum 2017 haben sich die Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg und die in Fürth ansässige Hersteller der Playmobil-Figuren überlegt: Die Playmobil-Sonderfigur "Martin Luther". Die kleine Figur ähnelt in der Darstellung dem Wittenberger Lutherdenkmal Schadows (das am Reformationstage 1821 als erstes Lutherdenkmal Deutschlands enthüllt wurde): Sie trägt einen schwarzen Talar und hält die am Ende des Alten und dem Beginn des Neuen Testaments aufgeschlagene deutsche Bibel in den Händen. In Anlehnung an Cranachs Lutherbildnisse trägt der der Playmobil-Luther ein Barett und schulterlange Haare.

(Die Figur ist u.a. erhältlich bei der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg oder unter http://tourismus.nuernberg.de/shop/specials/playmobil-luther.html.)

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