Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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6.12.2019

Wenn Kinder intensiv spielen können, haben die pädagogischen Fachkräfte gute Arbeit geleistet
Aus der Kita Lindenhof

von Reinhard Zander und Ursel Hentschel

Vor einigen Tagen war ich wieder für den Nachmittagsdienst/Spätdienst im "Großen Kindergartenhaus" eingeplant. Hier haben die 3-6 jährigen Kinder ihre Stammgruppen und Spielräume.

Als ich nun zu meinem Dienst ins Haus kam, beobachtete ich fasziniert, welche ruhige Spielatmosphäre ich im ganzen Haus vorfand. Die Kinder hatten sich in kleinen und größeren Spielgruppen gefunden, und jede Spielgruppe hatte ihren Platz, den sie brauchte.

Eigentlich war ich darauf eingestellt, dass einigen Kindern die Umstellung von unserem großen Außengelände auf die doch begrenzte Spielfläche in den Räumen schwer fallen würde.

Umso größer meine Verwunderung, wie intensiv die Kinder im Spiel waren. Im großen Raum, der auch als Durchgang zu den anderen Räumen genutzt werden muss, hatte sich eine Gruppe von 5-6 Kindern eine große Eisenbahnanlage mit erstaunlichen Konstruktionen aufgebaut. (Foto)

Die Kinder waren so in ihre Spielabläufe vertieft, dass das Durchgehen anderer Kinder sie nicht störte. Wiederum war auch die Aufmerksamkeit der durchgehenden Kinder, nichts zu zerstören, groß.

Bei dieser Beobachtung wurde mir wieder einmal klar, wie wichtig das Spiel als Hauptaneignungstätigkeit der Kinder ist. Und wie wichtig es ist, dass Pädagoginnen/Pädagogen in Haltung und Spielpflege das Zusammenspiel fördern und begleiten.

Unser aktuelles Bildungsprogramm zählt das "erlebnisreiche und erfüllende Spiel anregen" zu den wichtigen Gestaltungsaufgaben von Bildungsprozessen für Pädagoginnen/Pädagogen. Hier wird das Spielen der Kinder so beschrieben:

"Im Spiel setzten sich die Kinder schon früh mit ihrer Umwelt auseinander, sie erforschen, begreifen und erobern sich die Welt. … Im frühkindlichen Alter ist Spielen die bedeutsamste und wirkungsvollste Art des Lernens. Das Spiel ist Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Es fordert und fördert die ganze Person. … Dadurch entwickeln sie von sich aus körperliche und geistige Anstrengung, Ausdauer und Konzentration, Einfallsreichtum und Flexibilität, Sorgfalt und Tempo, Bewältigung von Schwierigkeiten, die Einhaltung von Regeln. All das fordert sich das Kind im Spiel selbst ab. Es ist für Kinder ein ernstes und wichtiges Tun, ein selbstbestimmtes und ganzheitliches Lernen mit stark emotionaler Beteiligung, mit geistiger und körperlicher Anstrengung… Spielen hat einen hohen eigenständigen Wert, den kein noch so gut geplantes Frühförderprogramm ersetzen kann." (*)

Die Bedeutsamkeit des Spiels von Kindern ist keine Feststellung unserer heutigen Wissenschaft. Schon vor über 100 Jahren hat der Begründer des Kindergartens – Friedrich Fröbel – das Spiel als eine zentrale Tätigkeit des Kindes in seiner Kindheit beschrieben. Nach ihm gab es weitere Reformpädagoginnen/-pädagogen wie z.B. Maria Montessori, die das Spiel mit anregenden Materialien zum Mittelpunkt ihrer Pädagogik machten.

In unserer Zeit ist auch in der UN-Kinderrechtskonvention in Artikel 31 das "Recht auf Spiel" festgeschrieben.

Wir heutigen Pädagoginnen/Pädagogen können von diesen Erkenntnissen profitieren.

In unserer Kita sehen wir es als einen wichtigen Schwerpunkt unserer täglichen pädagogischen Arbeit an, mit den Kindern und für die Kinder eine anregungsreiche Umgebung zu gestalten. Mit den Kindern Regeln für das Zusammenspiel und den Umgang mit den Materialien zu verabreden. Bis es dann aber zu der eingangs beobachteten Spielsituation kommt, braucht es Zeit und die Begleitung der Pädagoginnen/Pädagogen. Mit der Zeit haben die Kinder erfahren, dass ihnen die Regeln in der Gemeinschaft Orientierung und Verlässlichkeit bieten, und das Spiel gewinnt an Intensität.

Reinhard Zander
und Ursel Hentschel

* BBP 2014 (Berliner Bildungsprogramm)

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