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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > November 2015

21.1.2019

Neues aus der Holzkirche

von Constantin T. Huth

Und sie dreht sich immer weiter.

Gestern noch ging es in unseren Medien stündlich und täglich um das Rettungspaket in Griechenland, den dortigen Schuldenabbau und geforderte Strukturreformen. Und natürlich um Unsummen von Geld und den ewigen Aufschrei "Wer soll das bezahlen"? Manchmal ging es auch um die einzelnen Menschen. Jetzt ist nicht mehr viel davon zu hören.

Der Niedergang von den Weltmachtplänen der Wolfsburger Volkswagen-Manager reißt mehr als nur Finanzlöcher auf. Die ewige Frage nach Moral und Grenzen des Handelns prallt bei den Milliarden Summen zwischen Gewinn und Verlust geradezu ab. Eine Information mit Nachhall? Wird nun das ewige Argument der Autolobby, der Erhalt von Arbeitsplätzen, endlich als hohle Phrase entlarvt?

Oder schaut morgen schon niemand mehr hin?

Und dann noch die Ukraine…

Und dann noch 25 Jahre Wiedervereinigung…

Und dann noch der Schuldenabbau...

Heute sind wir schnell bei immer neuen Zeitkrisen, immer aktuell, immer dabei, immer informiert…?

Wir leben eben in einer schnellen Welt. Vernetzt, digitalisiert und informiert, aber leider oft auch ohne richtiges Wissen.

"Heute gibt es nicht einmal Wissen, sondern nur Information. Wissen ist etwas ganz anderes als Information. Wissen und Wahrheit klingen heute sehr veraltet. Wissen hat auch eine ganz andere Zeitstruktur. Es spannt sich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und die Zeitlichkeit der Information ist die Gegenwart, das Präsens. Wissen beruht auch auf der Erfahrung. Ein Meister verfügt über Wissen. Heute leben wir mit einem Terror des Dilettantismus".
So schreibt Byung-Chul Han, ein Berliner Philosoph aus Korea, im Zeit-online-Interview vom 7. September 2015

Und nun das Thema Flüchtlinge.

Die aufgeheizte Diskussion über das Für und Wider ist in vollem Gange. "Wir schaffen das" gegen "das Boot ist voll", die Festung Europa gegen eine offene Welt ohne Grenzen.

Was den Einen Angst macht, das ist für die Anderen nur eine Herausforderung, was bei Einigen Abwehr erzeugt, führt bei Anderen zur Willkommenskultur. Was den einen erzürnt, bringt den anderen zum Lachen. Sätze wie "Die Gesetze macht bei uns in Deutschland nicht der Prophet, die macht bei uns in Deutschland das Parlament" (CDU-Vizechef Thomas Strobl) zeigen die Zuspitzung der Debatte. Hier lässt es sich hervorragend streiten, darüber ließen sich Seiten füllen.

So sind wir es hier eben gewohnt, frei denken zu können und zu dürfen und dabei unsere unterschiedlichen Gedanken auch jederzeit und zu jedem Anlass zu äußern. Manchmal etwas abwegigere Gedanken und manchmal aber auch Meinungen mit sehr präzise formulierten Sätzen.

Es wäre schon sehr verwunderlich, wenn diese Diskussionen nicht auch in der Holzkirche ihren Ort finden würden. Nur, dass hier oft viele Themen gleichzeitig ihren Platz fordern.

So geht das nicht immer in geplanter Runde mit gewähltem Thema, wie wir es bei den regelmäßigen Talkshows kennen, sondern auch oft zwischen Tür und Angel, über den Zaun und nur mal kurz.

Viele Jugendliche wollen auch mitreden, wollen gefragt werden, wollen nicht nur Spielball sein. So viel besser wissen es die Erwachsenen ja doch auch nicht immer.

Die gerade herausgekommene neueste Shell Jugendstudie Nr. 17 zeigt eine digital total vernetzte, aufgeschlossene und wenig fremdenfeindliche Jugend. Ängste stehen nicht im Vordergrund, außer natürlich der Verlust des Smartphones oder der sozialen Netzwerke. Eher herrscht eine Angst vor Ausländerfeindlichkeit, als eine vor Zuwanderung. Sehr viele Jugendliche finden es wichtig "die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren" und sogar die Ablehnung von Homosexualität ist gesunken. Also eine erfreuliche Entwicklung, der Sie im nächsten Gespräch auf den Grund gehen können.

Bei sich zu Hause oder bei uns in der Holzkirche. Egal, aber diskutieren Sie miteinander, es lohnt sich immer.

Bis dann

Constantin T. Huth

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