ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.7.2019

Sechzig Jahre nach Wiederaufbau und Wiedereinweihung
Vor 60 Jahren fand der Wiederaubau unserer Kirchen statt

von Torsten Lüdtke

Vor sechzig Jahren, im September des Jahres 1955 waren die Wiederaufbauarbeiten in der Dorfkirche Giesensdorf und der Petruskirche – fast genau zehn Jahre nach dem Kriegsende – letztlich abgeschlossen. Während die kleine Giesensdorfer Kirche beim Vormarsch der Roten Armee auf Berlin und den Kampfhandlungen der letzten Kriegstage vollständig bis auf die Grundmauern abgebrannt war, hatte der Innenraum der Petruskirche durch die Abnahme der Ziegeleindeckung von Turmdach und Kirchenschiff auf Anordnung der dafür zuständigen Stellen stark gelitten. Den Innenraum vor den Unbilden der Witterung zu schützen, war die vordringlichste Aufgabe.

Baugerüstwagen vor der Petruskirche

Bereits im Sommer 1945 waren in einer ersten Liste die Schäden und Zerstörungen an den Lichterfelder, Lankwitzer und Steglitzer Kirchen festgestellt worden. In dieser Liste war die Giesensdorfer Dorfkirche als Totalverlust, die Petruskirche als beschädigt aber reparabel gekennzeichnet; dabei sollte die Reparatur des Daches der Petruskirche schon bald in Angriff genommen werden. Bis 1948 gelang es, die Dächer neu decken zu lassen, so daß keine Feuchtigkeit mehr in das Mauerwerk der Kirche eindringen konnte. Danach wurden auch die Glocken – mit reger Beteiligung der Jungen Gemeinde – instand gesetzt, so dass sie wieder mit Glockengeläut zu den im Gemeindehaus stattfindenden Gottesdiensten luden.

1950 gab es noch über 200 beschädigte oder zerstörte Gotteshäuser in Berlin, doch konnten die meisten Gemeinden ihre Kirche nicht aus eigenen Mitteln aufbauen; Anfang der 1950er Jahre wurden daher regelmäßig im Advent Sammlungen für das Wiederaufbauwerk durchgeführt. Von diesen Spenden profitierten auch die Petrus-Gemeinde und die Gemeinde Giesensdorf. Schon bald begann der Gemeindekirchenrat der seit dem 1. Oktober 1954 selbstständigen Petrus-Gemeinde mit der Ausgestaltung des Innenraumes, die den Plänen des Kirchenbaurates Wendland folgte.

Dabei wurde – dem Geschmack der Zeit folgend – erheblich in die bestehende Bausubstanz eingegriffen: Die vorhandenen, alten Ausstattungsstücke – Altar, Kanzel, Taufstein und Orgel – wurden nicht wiederhergestellt; die durch Feuchtigkeit beschädigten Wandmalereien wurden nicht restauriert und die ursprüngliche Wandgliederung geändert, die Kapitelle der Pfeiler vereinfacht und die Rosette in der Chorwand vermauert.

Anschließend wurden die nun geraden, einfachen Wände weiß getüncht. Die Altarplatte und die Kanzel mit Schalldeckel wurden aus getöntem Nadelholz in zeittypischen Formen angefertigt. Die prächtige Backsteinbrüstung der Empore verschwand hinter einer der Kanzel ähnelnden Verkleidung aus Sperrholz.

Ruinengottesdienst in der Dorfkirche Giesensdorf

Im Spätsommer des Jahres 1954 sollten auch die Reste der mittelalterlichen Dorfkirche von Giesensdorf aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen: Nach der Sicherung und Enttrümmerung der Ruine begann der Wiederaufbau der Dorfkirche nach Plänen von Charlotte und Ludolf von Waldhausen. Bei der Innen- und Außengestaltung orientierten sich die Architekten – beraten durch den Landeskonservator Scheper – an den für das ausgehende Mittelalter angenommenen Befunden; deshalb unterblieb auch die Rekonstruktion des Turmes und der Emporen im Innenraum. Anstelle des Turmes bekam der Westgiebel einen Dachreiter für eine Glocke. Bei der Eindeckung des Dachs orientierten sich die Architekten an der traditionellen Klosterbedachung mit Mönch und Nonne. Der Innenraum erhielt ebenfalls eine einfache, aber ansprechende Ausstattung: Für die Bestuhlung wurden Eichenholzstühle mit Strohpolster, für die Beleuchtung schmiedeeiserne Leuchter an der Decke und den Wänden angefertigt. Den ebenfalls aus Eichenholz gefertigten Altar zieren seitdem zwei nach Entwurf des Bildhauers Fritz Becker gefertigte Leuchter.

Torsten Lüdtke

Bilder: Gemeindearchiv Petrus-Giesensdorf

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